ALLGEMEIN

Die Kunsthalle Wien eröffnete 1992 in einem gelben Containerbau am Karlsplatz. 2001 wurde dieser zu einem Glaspavillon umgebaut und verkleinert. Außerdem bezog sie im gleichen Jahr ihr Haupthaus im Museumsquartier.

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Eingang Kunsthalle Wien

Seit ihrer Eröffnung widmet sich die Kunsthalle Wien nationaler und internationaler Gegenwartskunst und berücksichtigt dabei aktuell relevante Diskurse und alltägliche Themen. Sich als offenes Forum und Verhandlungsstätte begreifend, verfügt sie über keine eigene Sammlung, sondern fokussiert neben Ausstellungen auf ergänzende Vermittlungsprogramme, die TeilnehmerInnen verschiedenste Zugangsmöglichkeiten eröffnen, künstlerische Praxis mit theoretischer Reflexion verbinden und zeitgenössische Diskurse aufgreifen sollen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Vorausgeschickt sei, dass dies wohl mein bisher persönlichster Eintrag wird, was zwei Gründe hat: 1) Üblicherweise meide ich Kunstausstellungen, da ich, sobald ich solche Ausstellungen oder Kunstmuseen betrete, verloren bin. Zwar gibt es immer einige Werke, zu denen ich mich hingezogen fühle, die mit mir „sprechen“ und mich durchaus leiten könnten, doch verstehe ich – spätestens wenn ich Bereichs- oder Objekttexte lese -nichts mehr. Möglicherweise liegt das an mir. Vielleicht liegt das aber auch an Kunstausstellungen, die – wie natürlich andere Ausstellungen und Museen auch – bestimmte Sehgewohnheiten bedienen und Texte ans übliche Publikum anpassen. Das ist verständlich, in mancher Hinsicht legitim und ganz sicher sehr exklusiv.

2) Da mich dieses Vorurteil durch jede Kunstausstellung und durch jedes -museum begleitet und sowohl meinen Blick, als auch meine Gedanken beeinflusst, wollte ich von Beginn an nicht über Work it, feel it! schreiben: Museen und Ausstellungen zu beurteilen, ohne ihnen eine wirkliche Chance gegeben zu haben, ist ganz einfach unfair.

Trotzdem dieser Eintrag. Warum? Ich war mit KollegInnen in der Ausstellung und konnte erstmals vor Ort über die einzelnen Werke, aber auch über das Gesamtbild diskutieren. Wieder daheim wollte kein Eindruck, keine Idee bezüglich der Ausstellung meinem Kopf entweichen – also fing ich an zu schreiben.

WORK IT, FEEL IT!

Die Sonderausstellung Work it, feel it! wird im Rahmen der Vienna Biennale 2017 gezeigt und ist noch bis zum 10. September 2017 zu besichtigen. Sie thematisiert die Zukunft der Arbeit, wobei vor allem menschliche Körper als „Produktionswerkzeuge“ und „Konsumträger“ den Mittelpunkt künstlerischer Positionierungen bilden. Ausgangspunkt sind – stark vereinfacht – folgende Annahmen: 1) Wir leben in einer Kontrollgesellschaft, die unsere Körper nutzbar machen und uns so zu „perfekteren“, konsumierenden Subjekten erziehen will; 2) Neu entstehende Techniken unterstützen diese Prozesse. Im Übrigen werden letztere im Kontext der Ausstellung „Disziplinierung- und Kontrollmechanismen“ genannt.

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Arbeit des Kollektiv Apparatus 22 (vorne), Danilo Correale und Shawn Maximo

Die Anordnung der Objekte im Raum ist gut gewählt: Sie sind aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, da sie umrundet werden können und im Gehen durch den Raum meist im Sichtfeld bleiben. Auch die Arbeiten selbst sind interessant, beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Thematik und nehmen verschiedene Standpunkte ein.

Was zunächst guten Eindruck macht, wird in Kombination mit jenen Texten, die die künstlerischen Arbeiten begleiten, schwieriger. Im Hinblick auf Inhalte wird zunächst die Beschäftigung mit der Zukunft der Arbeit bzw. der Arbeit der Zukunft sowie an späterer Stelle die Auseinandersetzung mit prekären Arbeitssituationen postuliert. Definiert wird nicht, in welchem Kontext, an welchem Ort, in welchen Zusammenhängen oder für welche Personengruppen Arbeitsverhältnisse prekär sind, oder auf wessen Zukunft sich all diese Überlegungen beziehen. Sicherlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen betroffen. Trotzdem lesen sich die Texte, als hätten sie allgemeine Gültigkeit. Hilfreich wären konkrete Beispiele, die sämtliche Gedankengänge tatsächlich mit Orten, Menschen und ihrer Arbeit verbinden.

Auch sprachlich sind die Texte mühsam. Obwohl wichtige Begriffe in einem Glossar des Begleithefts – in diesem finden sich auch die Texte zu den Objekten – erklärt werden, dient der Stil kaum dem Verständnis der einzelnen Werke oder der Ausstellung insgesamt und ist daher nicht zweckmäßig. Die Sätze sind lang, komplex, voller Theorien. Sie verführen dazu, ungenau überflogen oder ganz ausgelassen zu werden, was schade ist, da die einzelnen Arbeiten durchaus aussagekräftig sind (ich habe die Texte daheim erneut durchgelesen und mir die Ausstellung im Anschluss ein zweites Mal angesehen).

FAZIT

Ich mochte einige wenige der künstlerischen Positionierungen wirklich gerne. Sie laden ein zu diskutieren. Was ich der Ausstellung – trotz meiner Kritikpunkte im Hinblick auf den Mangel an konkreten Beispielen oder bezüglich langwierige Texte – lassen muss, ist folgendes: Work it, feel it! ist die erste Kunstausstellung, deren Inhalte mich verfolgt haben, über die ich schreiben musste und die ich außerdem wiederholt besuchte. Insofern lohnt sich wahrscheinlich auch ein Ausstellungsbesuch…

– Text von K. –

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Ein Kommentar zu „„Work it, feel it!“ in der Kunsthalle Wien

  1. Ich kann mich sehr gut mit der Frustration über die Ausstellungtexte identifizieren. Ich habe oft den Eindruck, dass diese fast mehr der Eigenprofilierung der VerfasserInnen dienen als dem Verständnis durchschnittlicher BesucherInnen. Ist man in der Kunstwelt nur wer, wenn man aus Nebensatzlabyrinthen zusammengesetzte, verwirrend konstruierte Konglomerate möglichst vieler Fachtermina und Xenologismen ähnlich wie diesen hier verfasst?

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