National Technical Museum Prague

ALLGEMEIN

Das National Technical Museum (NTM) in Prag wird 1908 gegründet, wobei seine Anfänge durch die Sammeltätigkeit eines Maschinenbaukonzerns bis ins 18. Jahrhundert reichen. Das erste thematisch ähnlich orientierte Museum, dessen Sammlungsbestände z.T. später Eingang in die heutigen Sammlungen des Museums finden, wird mit dem Czech Industrial Museum 1874 begründet. IMG_20180224_101125

In die heutigen Ausstellungsräumlichkeiten übersiedelt das Museum 1990. In den Jahren 2003 bis 2013 wird das Gebäude renoviert. Die ersten fünf Bereiche der Dauerausstellung – nämlich jene Bereiche zu Verkehrsmitteln, Architektur, Astronomie, Druck und Fotografie – sind der Öffentlichkeit aber bereits 2011 zugänglich. Später folgen  Astronomie, Bergbau, Metallurgie, Verfahren der Zeitmessung, Haustechnologien und der Merkur Playroom. Weitere Informationen zu diesen Bereichen sowie ein längerer Bericht zur Geschichte des Hauses finden sich außerdem auf der Website des NTM.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und leicht zu finden: An der naheliegenden Haltestelle verschiedenster Straßenbahnen sind zudem Schilder angebracht, die sowohl zum NTM als auch zu seinem unmittelbaren Nachbarn, dem National Museum of Agriculture, verweisen. Das Museum ist groß genug, um dort einen gesamten Tag zu verbringen. Ich war allerdings nur wenige Stunden, nämlich von 10:00 bis 13:00 dort. Von diesen drei Stunden verbrachte ich eine im Bereich für Verkehrsmittel – was laut eigener Website die beliebteste Dauerausstellung im Museum ist – und ungefähr 1,5 Stunden im Bereich für Haushaltstechnologien, dem eigentlichen Grund für meinen Besuch. Den Rest der Zeit verbrachte ich sowohl mit der Anfertigung von Notizen, als auch im Museumsshop.

Die Halle, in der Verkehrsmittel von den ersten Automobilen mit Dampf- und Verbrennungsmotoren, über Motorräder seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Flugzeuge und Bahntechnik bis hin zu einigen Exponaten und Geschichten im Zusammenhang mit Boot-Transporten ausgestellt sind, war leicht zu finden. Sogar der Herr am Ticketschalter verwies mich wild gestikulierend – sein Englisch konnte ich leider nicht verstehen – dort hin. Außerdem drückte er mir einen Lageplan des Museums in die Hand, von dem ich später feststellen musste, dass ich auf Grund der Sprache keine der Beschriftungen lesen konnte. Jede Etage, jeder einzelne Bereich war zwar adäquat, doch leider nur auf Tschechisch gekennzeichnet.

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Der I. Stock

Da jene Angestellten, die ich nach den Household Appliances fragte und die mich entweder nicht verstanden, oder nicht antworten konnten, verließ ich mich schließlich auf meine nicht vorhandenen Tschechisch-Kenntnisse und schlussfolgerte, dass der Bereich Technika V Domácnosti wohl in irgendeiner Form mit Haushalt zu tun haben müsste, was schließlich auch stimmte. Abgesehen davon sind aber sämtliche Raum-, Bereichs- und Objekttexte auf Tschechisch und auf Englisch angebracht.

BESONDERHEITEN

Verkehrsmittel im NTM

Die Ausstellungsordnung der Objekte in der Halle mit den Verkehrsmitteln folgt üblichen und nachvollziehbaren Prinzipien. Im EG befinden sich große, schwere, sperrige Exponate, wie Zugabteile, Automobile und ein Boot. Im ersten Stockwerk werden Motorräder, gefolgt von mit Flugtransport in Verbindung stehenden Objekten in der zweiten sowie Fahrrädern und den Wassertransport thematisierende Dinge in der dritten Etage gezeigt. Von der Decke baumeln einige Flugzeuge sowie ein Heißluftballon. IMG_20180224_111310Zweitens hatte diese Ordnung ihren Preis. Überall im Raum waren Schilder angebracht, die dem Publikum vorschrieben, in welche Richtung zu gehen war. Sogar Einbahnstraßen waren entsprechend gekennzeichnet.NTM VerkehrsschilderAb dem ersten Stockwerk konnte ich das nachvollziehen, da ich in jeder Etage an der Wand entlang die Halle umrundete. Links von mir befanden sich Objekte und Texte. Rechts von mir hatte ich stets freien Blick auf die Halle unter mir. Die Gänge waren teilweise sehr schmal. Hier Richtungen vorzugeben, trägt an stark besuchten Tagen wahrscheinlich wirklich zur Sicherheit der Besucherinnen und Besucher bei. Im EG hatte ich dafür jedoch kein Verständnis: Ich suche mir meine Wege gerne selber – auch im Museum.

Haushaltstechnologien

Einen Großteil meines Aufenthalts verbrachte ich in jenem Bereich, der den Haushaltstechnologien gewidmet war. Als ich den kleinen Raum betrat, war ich zunächst überfordert. Der Raum war bunt, er war düster, wobei die einzelnen Objektvitrinen aber gut ausgeleuchtet waren. Ein Gang, dessen Seiten Säulen flankierten, führte ans hintere Ende des Raumes. An den Säulen waren Jahreszahlen und Texte angebracht.

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Perspektive vom Eingang in den Ausstellungsraum

Die Zweisprachigkeit – Tschechisch und Englisch – fiel mir hier zunächst nicht auf. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den Farben Sinn zu geben. Ich vermutete ein simples Ordnungsschema dahinter und wurde fündig, als ich den Raumtext las. Jede Farbe markierte bestimmte Zeitabschnitte, die im Kontext technischer Entwicklungen bedeutend gewesen waren. Schließlich entdeckte ich auch die an die Wand gemalte Jahreszahlen, die die einzelnen Abschnitte gemeinsam mit dem Farbsystem gliederten.

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Perspektive vom hinteren Drittel des Raumes in den vorderen Bereich

Ähnliche Systeme kenne ich aus anderen Museen, in denen die Arbeit mit Farben, um Zusammengehörigkeit zu markieren, auf Grund der Größe von einzelnen Bereichen und den Räumen nicht mehr strukturiert und ordnet, sondern verwirrt. In diesem Fall ist das Ordnungssystem zwar grenzwertig, da es im ersten Moment verwirrt, funktioniert in Folge aber doch.

FAZIT: TECHNISCHE MUSEEN. SO WHAT?

Bereits nach der ersten Verschriftlichung meiner Gedanken gleich nach dem Museumsbesuch hatte ich das Gefühl, dass, abgesehen von den oben erwähnten Dingen, nichts wirklich Eindruck hinterlassen hatte. Dabei liebe ich  technische Museen. Ich liebe die vielen alltäglichen, manchmal befremdlichen Objekte, die sich hier zeigen und Geschichten erzählen dürfen. Dennoch bleibt selten mehr als die unmittelbare Lust am Betrachten. Ich möchte mich in einem Museum aber mit den Ausstellungsinhalten auseinandersetzen und ich möchte das Gebäude mit einem Kopf voller Ideen und Fragestellungen verlassen. Ich möchte mich nicht nur an einem oder mehreren Objekten erfreuen ohne diese in irgendeiner Form kontextualisieren zu können oder Inhalte reproduziert wissen, die ich ebensogut in einem Buch lesen könnte. Oft ist das aber so, was schade ist. Technische Museen müssen doch bitte mehr leisten können. Technologien durchdringen unsere Leben heut in vielfältiger Weise. Sie sind nicht wegzudenken aus dem Alltag, aus medizinischen Bereichen, aus der Industrie oder der Wirtschaft. Es gab unendliche viele Entdeckungen und Erfindungen, die das Potenzial hatten und haben ganze Gesellschaften im Hinblick auf ihre Möglichkeiten zu verändern. Wo wären wir ohne Elektrizität, ohne die Industrialisierung?  Wohin führt der Weg im Zusammenhang mit Überwachungstechnologien? – man denke nur an aktuelle Entwicklungen in China. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind relevant – auch in Museen. Die Frage ist nur, wie all diese Themen durch das Medium Ausstellung vermittelt werden können ohne ausschließlich die Schaulust zu bedienen und es dabei zu belassen.

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