Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938, Schlossmuseum Linz

ALLGEMEIN

Das Schloss wurde 799 erstmal in einer Urkunde erwähnt, diente im Laufe der Jahrhunderte als Wohnsitz, Militärspital, Provinzialstrafhaus und Kaserne, bis die Stadt Linz 1952 die kulturelle Verwendung des Gebäudes und 1963 dessen ausschließliche Nutzung als Landesmuseum beschloss. Die Eröffnung des Schlossmuseums Linz – Oberösterreichisches Landesmuseum fand schließlich 1966 statt. IMG_20180429_101715

Heute zeigt das Museum auf einer Fläche von über 10.000m2 Fläche Dauerausstellungen zu Oberösterreichs Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte. Sonderausstellungen greifen aktuelle regionale und internationale Themen auf. Seit dem 2. Februar 2018 präsentiert das Schlossmuseum Linz die Sonderausstellung „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938„. Diese ist noch bis zum 13. Januar 2019 zu besichtigen und Gegenstand dieses Eintrags.

ERFAHRUNGSBERICHT

Die Sonderausstellung befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes. Um dorthin zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten. BesucherInnen können entweder durch einen Teil der Dauerausstellungen gehen, oder aber mit dem Lift bequem ins untere Geschoss fahren. Dort begrüßt eine große Texttafel alle Ankommenden auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Wer den Museumsbesuch von hier aus im Jahr 1918 beginnen will, geht zunächst einen Gang entlang und biegt an dessen Ende links ab. Zu sehen sind hier bereits einführende Ausstellungselemente. Auch ein fiktiver Charakter, ein Heimkehrer aus dem ersten Weltkrieg, wird hier vorgestellt. Dieser führt teilweise durch die Ausstellung und gewährt durch seine Biografie sowie jene seiner Familie Einblick in Menschenleben dieser Zeit. IMG_20180429_103831

Biegen BesucherInnen dagegen gleich zu Beginn dieses Gangs links ab, startet die Ausstellung mit Österreichs Anschluss an Nazi-Deutschland und Hitlers Einmarsch in Linz.

Der Aufbau der Ausstellung ist chronologisch, wobei sich jeder Raum außerdem einem oder mehreren Themen widmet, die besonders gut in bestimmte Perioden der Jahre 1918 bis 1938 zu passen scheinen. So sind im ersten Raum, der sich mit Kriegsende, Heimkehr und der Ausrufung der Republik beschäftigt, die Jahre 1918 bis 1924 zentral. Der zweite Raum dagegen thematisiert den wirtschaftlichen Aufschwung der 1920er und zeigt beispielsweise Neuheiten in Mode, Technik und Tourismus.

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Blick durch die Räumlichkeiten der Ausstellung ausgehend von Raum 2

Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit der Wirtschaftskrise und antidemokratischen Kräften, wo vor allem auf die unterschiedlichen Parteien eingegangen wird. Die Zeitleiste dieses Bereichs, der im Übrigen zwei Räume und einen kleinen Vermittlungsbereich umfasst, beginnt mit 1930 und endet vier Jahre darauf. Niedergang und Ende der Demokratie beschließen mit einer Zeitleiste von 1935 bis 1938, entsprechenden Objekten und Texten schließlich die Sonderausstellung.

BESONDERHEITEN

GEGEN DIE EINSPRACHIGKEIT

In meinem letzten Blogeintrag „Naturhistorisches Museum der Stadt Genf“ habe ich mich über die Einsprachigkeit in öffentlichen Museen des 21. Jahrhunderts geärgert – v.a. bei gleichzeitiger Betonung der globalen Relevanz diverser Museumsinhalte. Die Vermittlung dieser hat nämlich keine Bedeutung, wenn sie auf Grund sprachlicher Schwierigkeiten nicht verstanden werden kann.

Umso größer meine Freude gleich zu Beginn dieses Ausstellungsbesuchs: Zwar sind sämtliche Texte in der Ausstellung – wahrscheinlich auch aus Platzgründen – ausschließlich auf Deutsch angeführt, doch werden für BesucherInnen Hefte mit den gleichen Texten auf Englisch und Tschechisch angeboten. Die Broschüren sind unmittelbar beim ebenfalls dreisprachigen Einführungstext gratis zu entnehmen.

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Text zur Ausstellung auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Die Broschüren enthalten die Ausstellungstexte auf Englisch und Tschechisch.

Für eine Dauerausstellung mag das keine passende Lösung sein, doch ist diese Variante Mehrsprachigkeit im Museum zu etablieren für eine Sonderausstellung in dieser Größenordnung eine absolut akzeptable und pragmatische Lösung.

FAZIT

Die Ausstellung hat mich im Zusammenhang mit Inhalten oder Präsentationsarten kaum überrascht: Die Inhalte entsprechen letztendlich dem üblichen Schulstoff, ergänzt um einige Objekte. Der Aufbau ist streng chronologisch und übersichtlich. In den einzelnen Räumen werden, wie oben beschrieben, überdies auch Themenschwerpunkte gelegt, die zum linearen Ablauf der musealen Erzählung passen. Auf Grund der zahlreichen Verbindungen zwischen Ausstellungsmaterialien sowie der Stadt Linz und Oberösterreich ist „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938“ für BesucherInnen mit regionalem Bezug wahrscheinlich spannender. Auch für Schulklassen könnte diese Ausstellung eine interessante Vertiefung des aktuellen Schulstoffs darstellen. Alles in allem bin ich daher froh, die Ausstellung gesehen zu haben, muss aber kein zweites Mal hin.

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Naturhistorisches Museum der Stadt Genf

ALLGEMEIN

Das erste naturhistorische Museum der Stadt Genf (MHN) wurde 1820 unter dem Namen Musée Académique begründet. Auf Grund wachsender Sammlungen und dem damit verbundenen Platzmangel übersiedelte das Museum 1872 in größere Räumlichkeiten mit einer Fläche von 5000m2. Fast ein Jahrhundert danach, im Jahr 1970, entstand das neue Museum am heutigen Standort in Malagnou. _DSC9377.JPG

Das MHN verfügt heute über eine Ausstellungsfläche von 10.000m2 und mit über 15 Millionen Objekten über die größte museale Sammlung der Schweiz. In Reiseführern wird das Museum vor allem im Zusammenhang mit seinen zahlreichen Dioramen hervorgehoben. Die Präsentation ausgestopfter Tiere zieht sich vom Erdgeschoss über die erste bis zur zweiten Etage. Nur im dritten und letzten Stockwerk gibt es keine Dioramen mehr. Zu sehen sind hier Mineralien und Ausschnitte der Menschheitsgeschichte. Der Zugang zu diesen Dauerausstellungen ist übrigens gratis, während Tickets für Sonderausstellungen gelöst werden müssen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Mein Ostersonntag im MHN begann um 10:30 mit einer positiven Überraschung. Ich hatte bereits meine Mitgliedskarte des International Council of Museums (ICOM) gezückt, um in Folge die Dauerausstellung des Museums unentgeltlich besuchen zu können. Im Vorhinein hatte ich nicht wirklich recherchiert, wollte mich einfach von diesem angeblichen Kinderparadies bezaubern lassen und durfte vor Ort erfreulicherweise feststellen, dass für den Zutritt zur Dauerausstellung kein Ticket gelöst werden musste. Meine Karte immer noch in der Hand lief ich also begeistert zur Garderobe, legte ab und rannte in den erstbesten Raum. Zunächst begegnete mir eine zweiköpfige lebende Schildkröte, die auch das Maskottchen des Museums ist. Einige Schritt weiter stand ich bereits vor präparierten Tigern und war mitten im Geschehen.IMG_20180401_103921

BESONDERHEITEN

MULTILINGUAL WAR GESTERN?

Nach mehreren Stunden musste ich leider feststellen, dass ein Großteil der Texte in der Dauerausstellung einsprachig, also auf Französisch, war.  Im EG entdeckte ich kein anderssprachiges Wort. Im ersten Stock waren Tiernamen vereinzelt mehrsprachig gekennzeichnet, weitere Informationen jedoch nach wie vor nicht. Erst im zweiten Stock gab es einen Bereich, wo konsequent zweisprachig – Französisch und Englisch – gearbeitet wurde.

Seit meinem Aufenthalt dort frage ich mich wirklich, wie ein Museum, dass sich zumindest auf der Website als Museum von Weltrang präsentiert im 21. Jahrhundert ausschließlich einsprachig arbeiten kann. Im Zusammenhang mit Forschungsarbeiten, Publikationen und Veranstaltungen kann ich das nachvollziehen. Solche Dinge sind immer auch eine Frage der Finanzierung. In einer Dauerausstellung erwarte ich allerdings mindestens Zweisprachigkeit. Auch in Museen im englischsprachigen Raum ist das nicht üblich. Stimmt! Diese haben aber den Vorteil, dass Englisch von ca. 1,5 Billionen Menschen als Erst- oder Zweitsprache beherrscht wird und damit von mehr Leuten verstanden wird als Französisch (370 Millionen) oder Deutsch (185 Millionen; siehe Sprachkreis Deutsch, Stand April 2018).

GRATIS INS MUSEUM

Endlich wieder ein Museum, dessen Dauerausstellung unentgeltlich zu besichtigen ist! Die übliche Notwendigkeit Tickets für den Eintritt zu kaufen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen: Ja, Museen brauchen Geld. Sie sind Bildungsstätte, sollten Forschungsinstitution sein und  insofern Wissen vermitteln. Sie bewahren sogenanntes Kulturerbe, dessen Erhalt und Erweiterung ebenfalls kostet. Hinzu kommen WissenschaftlerInnen, Pädagoginnen, RestauratorInnen, Sammlungs- und ObjektmanagerInnen sowie viele weitere MitarbeiterInnen, die bezahlt werden wollen. In Österreich werden staatliche Museen hauptsächlich über Kulturbudgets und Sponsoring (noch unüblich) finanziert. Einnahmen durch Eintrittskarten sind in Anbetracht der benötigten Gelder eine eher vernachlässigend kleine Menge. Zudem werden SteuerzahlerInnen so zweimal zur Kassa gebeten.  Zunächst wird durch Abgabe von Steuern das Kulturbudget mitfinanziert. Dann wird eine Eintrittskarte gekauft, um zu sehen, was bereits mit bezahlt wurde – eigentlich unfair! Daher auch ein großes Kompliment an Museen, die BesucherInnen unentgeltlich in die eigenen Ausstellungsräumlichkeiten lassen. Bisher kannte ich das nur aus einigen Museen in London und dem Volkskundemuseum Wien.

Im Sinne eines weiterführenden Gedankenspiels ist gratis Eintritt in Museen zwar toll, vielleicht aber auch „nur“ eine Möglichkeit BesucherInnenzahlen zu steigern. Oft ist trotz freien Eintritts in die Dauerausstellungen nämlich durchaus ein Ticket für Sonderausstellungen zu lösen. Letztere bieten Neues, Unbekanntes und damit mehr Anreiz, für die Besichtigung eines Museums zu bezahlen. Dauerausstellungen sind dagegen irgendwann alt und vertraut. Freier Eintritt könnte hier dagegen durchaus Anstoß liefern, nach der Arbeit, der Schule oder einfach so kurz vorbei zu schauen, um einen Blick auf Highlight- oder Lieblingsobjekte zu werfen.

FAZIT

Das Museum ist riesig. Nach einem vierstündigen Aufenthalt, hatte ich zwei Etagen genauer betrachtet und zwei weitere einfach nur durchlaufen, um zumindest das Ausmaß der Dauerausstellung erahnen zu können. Insgesamt kam ich absolut auf meine Kosten, da sämtliche Objekte liebevoll und scheinbar auch mit wissenschaftlichem Anspruch drapiert worden waren. Auch dass in Reiseführern vor allem Dioramen im Zusammenhang mit diesem Museum genannt werden, konnte ich nach dem Besuch nachvollziehen – diese scheinen durchaus eine Spezialität des Hauses zu sein.

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Blick auf Dioramen in der 1. Etage

Mit der Einsprachigkeit des Museums kann ich mich dennoch nicht anfreunden. Ich frage mich noch immer, ob ich in meiner Objekt-bezogenen Begeisterung möglicherweise irgendetwas übersehen haben könnte, dass all diese Texte auch in mehreren oder zumindest einer zweiten Sprache für BesucherInnen zur Verfügung stellt. Ich befürchte allerdings, dass ich ausreichend gesucht habe und hoffe tatsächlich, dass die vereinzelte Zwei- und Mehrsprachigkeit der Anfang einer Überarbeitung dieser musealen Texte sind.

 

Haus der Geschichte Niederösterreich, St. Pölten

ALLGEMEIN

Das Haus der Geschichte Niederösterreich (HGNÖ) ist gemeinsam mit dem Haus der Natur Bestandteil des Museums Niederösterreich in St. Pölten. 2014 begannen die konzeptionellen Arbeiten am HGNÖ. Dabei wurden auch die wesentlichen Richtlinien für Ausstellung, Forschung und Service beschlossen. Das Museum eröffnete schließlich im Herbst 2017.IMG_20180404_113734

Der Fokus des HGNÖ liegt auf der Geschichte Niederösterreichs, Österreichs sowie Zentraleuropas, startet mit der ersten Besiedlung der Region und endet in der Gegenwart mit Fragen nach der Zukunft. Besondere Aufmerksamkeit wird aber historischen Entwicklungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewidmet. In diese Ausstellung sollen im Sinne einer Exhibition in Progress regelmäßig neue Forschungsergebnisse eingearbeitet werden.

Neben dieser Dauerausstellung gibt es einen Bereich für Sonderausstellungen. Die derzeitige Schwerpunktausstellung „Die umkämpfte Republik“ thematisiert die Entwicklung der Republik Österreich und ist noch bis März 2019 zu sehen. Gegenstand dieses Blogeintrags ist aber ausschließlich die geschichtliche Dauerausstellung.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ich verbrachte zwei Nachmittage im HGNÖ, wobei zwischen diesen Besuchen mehrere Monate lagen. Das erste Mal war ich kurz nach Eröffnung des Hauses im September 2017 in St. Pölten, gefolgt von einem weiteren Aufenthalt Mitte März im darauffolgenden Jahr. Die Eindrücke meiner ersten Besichtigung bestätigten sich durch den wiederholten Gang durch die Ausstellungsräumlichkeiten. Die wesentlichsten seien hier angeführt:

1) Sehr viel Inhalt auf sehr kleinem Raum. Im ersten Moment erschlagen von der Fülle, an Objekten und Texten vorbei, doch noch einen Weg findend, irrte ich durch das EG ins OG und musste feststellen, dass Farbcodes nicht ausreichen, um dermaßen umfangreichen Stoff auch nur annähernd im Raum zu strukturieren, Wege zu definieren oder zumindest einen roten Faden erkennen zu lassen.

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Mehr räumlicher Überblick als hier ist stellenweise nicht möglich.

2) Texte, Ausstellungsgestaltung und Vermittlung für Kinder. Vieles im HGNÖ erweckte den Eindruck eigentlich Kinder, nicht aber deren erwachsene Begleitung ansprechen zu wollen. Sämtliche Texte und Illustrationen versetzten mich unwillkürlich zurück in den Sachkundeunterricht meines 8. und 9. Lebensjahres, in denen ich von der Geschichte meiner Heimatstadt lernen durfte. Einfache Sprache, einfache Bilder… Nichts, das ich nicht ebenso gut in komplexer, detaillierte Ausführung zu Hause auf der Couch hätte lesen können. Tatsächlich werden Familien sowie Schulklassen, also Kinder, als primäre Zielgruppe genannt. Ich behaupte aber, auch Kindern ist mehr zuzutrauen, als banale Sätze auf buntem Hintergrund und absurde Vermittlungsspielchen, bei denen Wissen zwar reproduziert, nicht aber hinterfragt wird, zu verstehen.IMG_20180404_114500

3) Objekte haben mit dem Ausstellungsthema nichts zu tun. Beispielsweise ist eine Guy Fawkes-Maske im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hierarchien im Mittelalter ausgestellt. BesucherInnen erfahren dort einiges über die Ständeordnung und damit verbundene Lebensentwürfe. Was eine Maske, die Symbol für politischen Widerstand ist, dort zu suchen hat, ist mir ein Rätsel. Sie wird zudem mit keinem Wort erwähnt.

Ein zweites Beispiel ist ein kleiner Bereich im Erdgeschoss, der sich der Wissenschaft vom Körper, Volksfrömmigkeit und dem damit verbundenen Umgang beispielsweise in Krankenfällen widmet. Der Bereich ist gut aufgebaut. Ein Gemälde vereint die beiden Erzählstränge schließlich auch visuell.

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Vitrine zum Thema „Volksfrömmigkeit“

Inmitten verschiedenster Objekte, die sich inhaltlich mit den Texten verbinden lassen, steht allerdings eine Handdruckpresse aus dem 18. Jahrhundert. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Objekt und dem eigentlich darzustellenden Thema.

BESONDERHEITEN

KEINE SAMMLUNG – TROTZDEM EIN MUSEUM?

Ich liebe Sammlungen: Sammlungen sind – so wäre ich bis vor kurzem absolut überzeugt gewesen – das Herzstück eines Museums. So repräsentieren und definieren Sammlungen dessen Forschungs- und Bildungsauftrag und schärfen sein Profil.

Das HGNÖ, das sich explizit als innovatives, lebendiges Museum sieht, sammelt nicht. Die Dauerausstellung besteht ausschließlich aus Leihobjekten, wobei ein Großteil der Exponate aus den Sammlungen des Landes Niederösterreich bezogen wird. Diese Sammlungen verfügen über 6 Millionen Objekte, die den Kategorien Natur, Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte zugeordnet werden und verfolgen das Ziel „materielles Erbe Niederösterreichs und seiner Bevölkerung (…) zu Forschungs- und Bildungszwecken“ (siehe Landessammlungen Niederösterreich, Stand 2. April 2018) zu bewahren, zu dokumentieren und vor allem in Niederösterreichs Ausstellungshäusern und Museen zu zeigen. Das Bewahren und Dokumentieren musealer Objekte wird insofern direkt mit der Sammlung und ihrem Auftrag verbunden. Laut dem International Council of Museums (ICOM) haben auch Museen einem Sammlungsauftrag Folge zu leisten:

„A Museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its developement, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purpose of education, study and enjoyment.“ (siehe ICOM Museum Definition, Stand 2. April 2018)

Insofern ist das HGNÖ kein Museum und wird eher der Eigendefinition eines multimedialen Erlebnisraums gerecht. Dennoch führt diese Auseinandersetzung zwangsläufig zu der Frage nach der Notwendigkeit einer Sammlung, um eine Institution als „Museum“ bezeichnen zu können. In weiterer Folge drängt sich ebenso die Frage auf, was ein Museum war, ist und im 21. Jahrhundert zu sein hat. Der ICOM-Definition zufolge, ist nicht nur die Sammlung ausschlaggebend. Ebenso wird geforscht, kommuniziert, ausgestellt. Wie viele Museen werden heute im Zeitalter diverser Budget- und Personalkürzungen im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich diesem Forschungsauftrag gerecht? Das Tempo, in dem manche Museen in Österreich Ausstellungen produzieren, lässt wirkliche Forschung gar nicht zu. Einer Exhibition in Progress Folge leisten zu wollen, ist daher ein spannender Ansatz, aber schwer umzusetzen.

In Anbetracht aktueller Entwicklungen und der heutigen Vielfalt an Museen (Museen, die nur ein Objekt beherbergen; Museen, die keinem spezifischen Sammlungsauftrag Folge leisten und Museen, die gar nicht sammeln etc.) sowie der Tatsache, das beispielsweise auch ICOM den Begriff „Sammlung“ nur lose definiert, plädiert auch Paul F. Donahue dafür, die Existenz einer Sammlung nicht als Voraussetzung für die Begriffsbezeichnung und Bestimmung heutiger Museen zu machen (siehe Collection = Museum?, Stand 2. April 2018).

Noch bin ich zwar nicht von meinem Standpunkt Sammlungen seien das Herz eines jeden Museums abgekommen, doch frage ich mich seit meiner Beschäftigung mit dem HGNÖ und damit verbunden dem Umgang mit Sammlungen, ob Museen im 21. Jahrhundert über eine solche verfügen müssen, oder ob Sammeln ganz im Sinne Donahues nicht obligatorisch, sondern optional sein sollte.

FAZIT

Es gibt Museen und Ausstellungen, die begeistern. Es gibt solche, die im Grunde nichts wollen, nichts sagen und in Folge nichts bewirken. Und es gibt Museen und Ausstellungen, die im ersten Moment abschrecken, die überfüllt, unübersichtlich, banal erscheinen, all das vielleicht auch sind, mich aber trotzdem nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Das HGNÖ ordne ich der letzten Kategorie zu.