Haus der Natur Salzburg

ALLGEMEIN

Das Haus der Natur Salzburg – Museum für Natur und Technik wurde im Jahr 1924 gegründet. Zunächst war es in den Hofstallungen, übersiedelte aber 1959 an seinen heutigen Standort am Museumsplatz. 2008 schloss das Museum für fast ein Jahr, um das Gebäude aktuellen Sicherheitsvorschriften anzupassen, es barrierefrei zu gestalten sowie das ehemalige Museum Carolino Augusteum zu sanieren und mit dem Haus der Natur Salzburg zu verbinden. Im Zuge dessen wurde auch das Science Center eingerichtet. Das Museum eröffnete, so wie es auch heute zu besichtigen ist, im Sommer 2009 wieder.

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Gegenwärtig ist das Haus der Natur mit einer Ausstellungsfläche von 7000m2 das größte Museum Salzburgs. Es ist ein naturhistorisches Museum, das über Aquarien sowie Terrarien und ein Science Center verfügt und versteht sich insofern als 3-Spartenhaus mit regionaler und internationaler Ausrichtung. Als Natur-Kompetenzzentrum widmet es sich außerdem der Dokumentation und Erforschung der Natur von Salzburg (Stadt und Land) und dem Nationalpark Hohe Tauern. Basis für die wissenschaftliche Arbeit sind die eigenen Sammlungen und Datenbanken. Neben der Dauerausstellung, die auf fünf Ebenen gezeigt wird, sind derzeit die Sonderausstellungen Dahoam im Wandel: 200 Jahre Lebensraum Salzburg und Himmelsbilder. Astrofotografie am Haus der Natur zu sehen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Wochenende in Salzburg verbrachte ich mit zwei Museumsbesuchen in Salzburg. Bereits am Samstag war ich für zwei Stunden mit Begleitung dort. Wir hatten uns nicht informiert, was es zu sehen geben könnte, steuerten in Richtung Sonderausstellung Dahoam im Wandel und landeten schließlich für zwei Stunden im Science Center. Das Science Center befindet sich in jenem Gebäudetrakt, der früher einmal das Carolino Augusteum gewesen war. Auf drei Stockwerken laden verschiedenste Stationen zum Mitmachen ein und geben so Einblick in u.a. Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness, Schall, Energie und Heben.

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Überblicksfoto Science Center „Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness“

Zwar hatten wir dort viel Spaß und blieben an jeder Station hängen, doch schien dieser Besuch meine bisherigen Vermutungen zu bestätigen: Das Museum sei, so dachte ich, ein Museum, das im Zusammenhang mit Inhalten, Sprache und Gestaltung vor allem die Zielgruppen „Familie“ sowie „Schulklassen“ und damit Kinder bediene.

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Bereich „Körper & Fitness“: Beim Wett-Rudern

Auf dem Weg hinaus machten wir jedoch einen Abstecher durch die Aquarien im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, wo mir klar wurde, dass wir vom Museum kaum etwas gesehen hatten und ich keinen Blogeintrag schreiben könnte ohne ein weiteres Mal – möglichst alleine, in meinem Tempo und ohne Zeitdruck – wieder zu kommen und die restlichen Bereiche zu besichtigen. Ich beschloss also, das gleich am nächsten Tag vor der Heimreise zu tun.

Am zweiten Tag verbrachte ich drei Stunden im Museum, marschierte durch die sogenannte Saurierhalle und das Aquarium im Erdgeschoss, besah den Bereich Erdwissenschaften sowie die zweite Sonderausstellung im 1. Stock, durchlief auf der Ebene darüber den Reptilienzoo, die Christian Doppler Schau, die Abschnitte Tierwelt Europas, Weltraum, Lebensader Salzach und einen schmalen Gang Richtung Toiletten, der genutzt wurde, um medizinische Technologien zu präsentieren. Danach war mein Hirn Matsch. Ich entschied mich also gegen die letzten beiden Stockwerke und für einen Besuch im Café und im Museumsshop.

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Das Stadtcafé im Haus der Natur Salzburg 

FAZIT

Als ich nach dem zweiten Aufenthalt die ersten Zeilen ins Tagebuch schrieb und mir Gedanken zu Museum und Ausstellung machte, wurde mir klar, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein Museum als Touristin besucht und mich einfach amüsiert hatte. Hätte ich Kinder und würde in Salzburg oder Umgebung leben – ich wäre wohl ständig dort. Auch ohne Kinder werde ich das Haus der Natur Salzburg allerdings wieder besichtigen.

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Mit Haut und Haar, Wien Museum Karlsplatz

ALLGEMEIN

Der erste Vorläufer des heutigen Wien Museums, das Historische Museum der Stadt Wien, eröffnete 1888  im damaligen Rathaus. Bereits 1900 thematisierte der Gemeinderat Wien aber einen Neubau des Museums, da die architektonischen Rahmenbedingungen nur bedingt als Ausstellungsort geeignet waren und zudem nicht ausreichend Raum für Exponate zur Verfügung stand. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dieses Vorhaben dann realisiert. Das Wien Museum Karlsplatz, damals noch unter anderem Namen, eröffnete 1959 am heutigen Standort (siehe WAISSENBERGER, Robert [Hg.] 1984: Schausammlung. Historisches Museum der Stadt Wien).

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Heute verfügt das Wien Museum über verschiedenste Standorte. Zu diesen zählen neben dem Museum am Karlsplatz, u.a. auch das Uhrenmuseum, das Römermuseum oder das Pratermuseum sowie diverse Musikerwohnungen, wie z.B. Schuberts Geburtshaus oder dessen Sterbewohnung.

Neben der Dauerausstellung zeigt das Wien Museum Karlsplatz regelmäßig Wechselausstellungen. Die Räumlichkeiten für diese befinden sich im Erdgeschoß in unmittelbarer Nähe zu Kassa und Museumsshop, der Zugang ist nicht zu übersehen.

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MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN.

Die Sonderausstellung MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN eröffnete am 19. April 2018 und ist bis zum 6. Januar 2019 anberaumt. Thematisiert werden Praktiken und Bedeutungen der Körperpflege seit dem 18. Jahrhundert, wobei der Fokus auf frisieren, rasieren und Kosmetik in Wien liegt. Prämisse ist außerdem, dass die Gestaltung des Körpers eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit ist und Körper immer auch kulturell geformt werden.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Freitag Vormittag im Museum bedeutet meistens relativ leere Räumlichkeiten und damit ausreichend Platz, um in aller Ruhe Texte lesen und Objekte betrachten zu können. Großartig! Nach zwei Stunden hatte ich gesehen, was ich sehen wollte, sämtliche Ausstellungstexte gelesen und war total begeistert, ohne genau zu wissen, was mich an dieser Ausstellung so faszinierte.

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Raumansicht – Kapitel 2 „Arbeit am Körper“

Ursprünglich wollte ich daher auf einen Blogeintrag verzichten – möglicherweise hatte ich ja einfach nur einen guten Tag, wollte nicht analysieren und meine Meinung nicht begründen. Trotzdem griff ich zum Tagebuch, um mir für den Fall der Fälle wenigsten Notizen zu machen. Im Schreiben fand ich meine Antworten: Den AusstellungsmacherInnen von Mit Haut und Haar war es gelungen, den Fokus auf Objekte zu legen, statt Objekte zur Illustration von Ausstellungstexten zu verwenden. Diesen Ausstellungsbesuch hatte ich daher hauptsächlich in der Auseinandersetzung mit Objekten, nicht aber im Lesen von Texten verbracht.

DAS VERHÄLTNIS VON TEXT ZU OBJEKT

Die Auseinandersetzung mit Texten im musealen Bereich beschäftigt mich bereits seit den letzten Einträgen: Im Haus der Geschichte Niederösterreich, waren mir die Texte zu banal, während mich im naturhistorischen Museum der Stadt Genf die Einsprachigkeit ärgerte. Im Zusammenhang mit der Sonderausstellung Zwischen den Kriegen im Schlossmuseum Linz freute ich mich in Folge zumindest über die Umsetzung von Mehrsprachigkeit in kleinen Ausstellungen. Was mir hier deutlichst vor Augen geführt wurde, ist die schiere Textmenge mit der BesucherInnen in Ausstellungen oft konfrontiert werden. Oft habe ich den Eindruck, dermaßen viel Text bewältigen zu müssen, dass ich vom eigentlichen Museumsbesuch nichts habe, weil ich permanent lese. Oder aber ich stehe in einer Ausstellung, suche nach Informationen, finde einen viel zu kurzen Bereichstext, knappe Objektlabels und darf mich dann fragen, was die Gesamtkonstruktion eigentlich soll. In Mit Haut und Haar dagegen findet einen Mittelweg und arbeitet v.a. mit drei klar strukturierten Textebenen: 1) Ausstellungstext, 2) Kapiteltexte und 3) Objekttexte.

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Raumansicht – Kapitel 4 „Körperzeichen“

1) Der Ausstellungstext ist direkt am Eingang zu den Räumlichkeiten angebracht. Noch bevor BesucherInnen Objekte überhaupt sehen, oder sich mit Inhalten auseinandersetzen können, wird hier erklärt, wovon die Ausstellung erzählt. Auch wird sogleich der Aufbau durch Bekanntgabe der einzelnen Kapitel offengelegt.

2) Insgesamt gibt es in der Ausstellung vier Kapitel, die jeweils von sehr kurzen Texten eingeleitet werden, den Fokus legen, damit natürlich den Blick des Publikums lenken und Interpretationsmöglichkeiten anbieten, gleichzeitig aber die Objekte kontextualisieren. Letztere sind 3) natürlich auch beschriftet. Informationen, die die Objekte begleiten, sind u.a. Objekttitel, Datierung und Provenienz bzw. LeihgeberIn.

FAZIT

Da die Texte knapp gehalten wurden, gleichzeitig aber ausreichend Informationen gaben, war ich nicht gezwungen übermäßig viel zu lesen, konnte mich aber zwei Stunden lang an Objekten, der Ausstellungsgestaltung und dem strukturierten Aufbau erfreuen. Was mir später jedoch klar wurde, war, dass ich kaum neue Inhalte oder Anreize mitgenommen hatte. Dass Körper kulturell formbar und historisch wandelbar sind, wusste ich bereits.

Fairerweise muss ich anmerken, dass das aber durchaus mit meinem persönlichen Hintergrund, meinem früheren Studium der Kultur- und Sozialanthropologie und entsprechenden Schwerpunktlegungen zu tun haben könnte. Dennoch vermute ich, dass dieser Umstand zumindest teilweise dem Weniger an Texten geschuldet ist: Weniger Text bedeutet eben auch, BesucherInnen weniger Theorien und Hintergrundwissen präsentieren zu können.  Allerdings sind die Möglichkeiten eines Museums begrenzt. Wer lesen will, kann das auch zu Hause tun – v.a. wenn das Thema interessiert. Insofern eine gelungene Ausstellung!