Das Internationale Manga-Museum Kyoto, Kyoto

ALLGEMEINES

Das Internationale Manga-Museum Kyoto liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in einem ehemaligen Schulgebäude Kyotos in der Nähe einer der bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt, der Nijo-Burg. Von dort aus ist das Museum leicht in einem 10-minütigen Fußmarsch zu erreichen.

Vorderansicht des Museums

Es entstand als Projekt der Stadt sowie einer ihrer Bildungsinstitutionen, der Kyoto Seika Universität, und eröffnete 2006. Seine Sammlung umfasst mittlerweile über 300.000 Objekte, die von Holzschnitten mit Karikaturen aus der Edo-Periode (Beginn Anfang 17. Jahrhundert) über Magazine der Meiji-Ära (1868-1912) bis in die Gegenwart zu verschiedensten Publikationen weltweit reichen.

Zu den Aufgaben des Museums zählen nicht nur übliche, mit Museen häufig assoziierte Arbeitsfelder (sammeln, bewahren, ausstellen). Auch dient die Institution der Forschung, der Wissensvermittlung aktueller Forschungserkenntnisse auf diesem Gebiet durch Ausstellungen, Seminare, Workshops und anderen Events sowie als Bibliothek. Das Lesen eines Großteils der Exponate vor Ort ist hier nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Die Website des Museums ist zweisprachig. Informationen zum Museum, seinen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen, Veranstaltungen und anderen Angeboten sowie dem dazugehörigen Shop und Restaurant können hier auf Japanisch und Englisch nachgelesen werden. Außerdem gibt es eine Online Datenbank mit der zumindest ein Teil der museumseigenen Sammlung auch auf diesem Wege zugänglich ist.

ERFAHRUNGSBERICHT

Mein letzter Tag in Japan: Bereits am Nachmittag sollte ich mit dem Shinkansen zurück nach Tokyo und von der Shinagawa Station mit den passenden Verbindungen zum Flughafen Haneda fahren. Ich hatte also kaum Zeit, war an diesem Tag aber früh aufgestanden, da ich ein letztes Mal das Frühstück des Hotels in Anspruch nehmen wollte (Ich wohne sonst nie in Hotels. Die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen) und bereits am Vormittag zum Check-Out musste (Tipp: Am Bahnhof in Kyoto gibt es ausreichend Schließfächer, um auch großes, sperriges Gepäck gegen einige Münzen sicher zu verwahren. Wer also nur durchreist, Kyoto aber besichtigen will, muss das Gepäck nicht bei sich tragen).

Prinzipiell war das ganz gut so. Doch wie die letzten Stunden nutzen? Zwar gab es in Kyoto den Aussichtsturm, den futuristischen Bahnhof, die Altstadt, Tempel und einige Museen, doch hatte ich diese Attraktionen entweder schon besichtigt, oder konnte die Aktivität zeitlich nicht unterbringen. Nach kurzer Recherche entschied ich mich für das Manga-Museum. Über dieses hatte in meinem Reiseführer gelesen. Es schien klein zu sein und war vom Bahnhof via JR Line und einem kurzen Gehweg gut zu erreichen.

Der einzige Weg in und aus dem Museum führte mich durch den Museumsshop. Gleich im darauf folgenden Raum waren verschiedensten Ländern zugeordnete Manga und Comics in Regalen ausgestellt. Es gab bereits hier einige Sitzmöglichkeiten, um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, Bücher Magazine und Hefte zu entnehmen und zu schmökern (Hinweis: Die meisten Hefte, Magazine und Bücher waren auf Japanisch. Wer lesen möchte, sollte also Japanisch-Kenntnisse mitbringen).

Zu sehen waren, verteilt auf drei Ebenen, verschiedenste Manga. Im zweiten Stock gab es außerdem die Hauptgalerie. Präsentiert wurden hier einerseits „Meisterstücke“ von 1945 bis 2005. Andererseits erhielten BesucherInnen auch Informationen zum Zusammenhang von Manga und Anime, Kommerz, zur Herstellung von Manga oder grundlegenden Zeichenprinzipien.

Raumansicht Hauptgalerie

Weiters gab es einen großen hellen Leseraum, Vitrinen mit Spielzeugen für Mädchen, einen Bereich in denen Gusshände verschiedener Manga-KünstlerInnen mit Unterschriften ausgestellt waren, einen Raum mit Künstlern, die heute als Pioniere des Manga gelten, ein Zimmer, in dem die Geschichte des Gebäudes gezeigt wurde, einen Platz, um zu zeichnen sowie einen Bereich für Kamishibai-Performances (Kamishibai ist eine mit Illustrationen arbeitende Form japanischen Straßentheaters).

Alles in allem verging die Zeit auch in diesem kleinen Museum sehr schnell. Sogar ich konnte das Museum in nur drei Stunden besichtigen, muss dem aber hinzufügen, dass ich die meisten dort ausgestellten Manga nicht einmal hätte lesen können. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich auch in diesem Museum mehr Zeit verbracht.

BESONDERHEITEN

Von Bibliotheken, Texten und Kunst

Dieses Museum war nicht nur ein Museum. Die Institution lud durch entsprechende Gestaltung der Räumlichkeiten ein, länger zu verweilen und zu lesen. Viele der Ausstellungsobjekte waren Hefte, Magazine und Bücher, die vor Ort entnommen werden konnten, was mehr an öffentliche Lesesäle in Bibliotheken als an Museen erinnerte.

Interessanterweise waren Texte hier kaum Ausstellungsobjekte, obwohl ich das von einem solchen Museum erwartet hätte. Texte schienen hier – anders als in einem Literaturmuseum – auch gar nicht im Mittelpunkt zu stehen. Doch worum ging es dann?

Im Nachhinein betrachtet, lag der Fokus wohl eher auf Manga als Kunstform. Immerhin gab es zwei Räume, die sich Manga-KünstlerInnen und einer Theaterform, die von Bildern, Illustrationen und Zeichnungen abhängig war, widmeten. Ein anderer Bereich wiederum sollte BesucherInnen selbst die Möglichkeit geben zu zeichnen. Auch war die Rede hauptsächlich von „KünstlerInnen“, nie aber von beispielsweise Zeichnern oder Illustratoren.

FAZIT

Das Museum ist allen zu empfehlen, die Manga mögen. Wer sich allerdings nicht für Kontextinformationen interessiert und einfach nur lesen will, ist gut beraten vor einem Besuch die japanische Sprache zu meistern (Viel Glück damit!). Wen historische und sozialwissenschaftliche Fakten zum Thema Manga interessieren, wird hier auch ohne Japanisch-Kenntnisse fündig.

– Text von K. –