Naturmuseum Winterthur

DAS MUSEUM

1916 gegründet, befindet sich das Naturmuseum Winterthur heute im selben Gebäude wie das Kunstmuseum|Beim Stadthaus und die Stadtbibliothek in der Museumstrasse. In den 2000ern wurde es umgebaut und eröffnete 2005 schließlich neu. Die Sammlungen des Museums umfassen über 125.000 Objekte aus den Bereichen Biologie, Erdwissenschaften und Ethnologie.

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In der Dauerausstellung werden verschiedenste Lebensräume von Fauna und Flora, Landschaftsentwicklung der Region sowie deren Konsequenzen für Habitate, die Eiszeit und die Erdzeitalter thematisiert. Ausgestellt sind neben Tierpräparaten außerdem Fossilien, Gesteine und einige wenige Exponate aus der ethnologischen Sammlung des Museums. Die aktuelle Wanderausstellung „Wild auf Wald“ ist noch bis zum 26. August 2018 zu besichtigen.

VON VORURTEILEN UND ANGENEHMEN ÜBERRASCHUNGEN

Zwei Erwartungshaltungen prägten meinen Museumsbesuch. Erstens hatte ich auf Grund einiger Gespräche, der Gestaltung der Website sowie dem Inhalt einer Informationsbroschüre ein Kindermuseum erwartet. Dieses Kindermuseum, das ich im Kopf hatte, war aber eine Mischung aus allen Negativbeispielen, die ich in den Wochen und Monaten davor gesammelt hatte. Vor meinem geistigen Auge, waren sämtliche Ausstellungstexte banal und wenig aussagekräftig, die Gestaltung bunt und verwirrend, was wiederum die Vermittlung erschwerte und, last but not least war es unerträglich laut, weil sämtliche Objekte durch Bildschirme und Mitmach-Stationen ersetzt worden waren.

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Raumansicht EG: Lebensräume von Haus und Garten über Wälder bis hin zu Gewässern

Meine Erwartungen wurden erfüllt, insofern das Naturmuseum Winterthur ein Kindermuseum ist. Das äußert sich durchaus auch an den Inhalten, den Texten und der Gestaltung (insbesondere der Sonderausstellung) oder aber an den Produkten, die im Museumsshop gekauft werden können. Gleichzeitig ist diese Ausstellung aber auch so konzipiert, dass Erwachsene sich an Display und Inhalten erfreuen, Neues erfahren können, oder sich zumindest nicht langweilen – vorausgesetzt das nötige Interesse wird mitgebracht.

Zweitens habe ich bei jedem Besuch in solchen Museen das NHM Wien meiner Kindheit sofort wieder präsent. Also erwarte ich vor jedem Aufenthalt vollgestopfte, nicht besonders ansehnlich gestaltete Vitrinen sowie zu spärlich beschriftete Objekte. Außerdem hielt ich die Ausstellungsfläche insgesamt für größer. Auch hier wurde ich eines besseren belehrt. Letztere ist deutlich kleiner, als gedacht. Die Wanderausstellung ist beispielsweise in einem einzigen Raum untergebracht. Die Dauerausstellung dagegen fühlt sich in Bezug auf ihre Größe wie eine Sonderausstellung an. Angenehm!

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Raumansicht „Wild auf Wald“

Ebenfalls angenehm war das Verhältnis von Objekten zu Texten sowie Audio- und Videoinstallationen: Kein Zuviel und daher keine rasche Ermüdung oder Überforderung, beispielsweise auf Grund einer ohnehin nicht zu bewältigenden Menge an Exponaten.

TIERPRÄPARATE ALS PERSÖNLICHES HIGHLIGHT

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, tatsächlich sind mir aber vor allem zwei Stationen im Gedächtnis geblieben. So zeigte die erste Station Teile einer Käfersammlung. Bisher hatte ich Käfersammlungen in keinem Museum etwas abgewinnen können: Kleine tote Tierchen, gepfählt, in Reih und Glied aneinandergereiht, dazu die korrekten Bezeichnungen. Solche Präsentationen hatten stets mehr von Spielereien mit optischen Attraktionen, als vom Wunsch, Wissen welcher Art auch immer zu vermitteln. Hier dagegen, erfuhr ich durch Texte in den Läden nicht nur die Namen der Käfer, sondern erhielt auch einige wenige Kontextinformationen.

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An der zweiten Station stand an einer mit ausgestopften Vögeln gefüllten Wand eine Tastatur, die an jene von Klavieren oder Key-Boards erinnerte. An den Tasten waren die Namen verschiedener Vögel verzeichnet. Sobald ich eine Taste spielte, konnte ich das Gezwitscher dieser Vogelart hören. Gleichzeitig wurde der jeweils entsprechende Vogel in der Wand beleuchtet, wodurch ich die physische Erscheinung des Vogels mit dem Gezwitscher und der korrekten Bezeichnung in Verbindung bringen konnte.

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Raumansicht EG: Die im Text erwähnte Station ist rechts hinten zu sehen

Leider muss ich zugeben, dass ich mir nichts gemerkt habe. Ich war zu sehr damit beschäftigt, herauszufinden, ob ich alle Tasten gleichzeitig anschlagen könnte und es daraufhin ein wildes durcheinander an zwitschernden und leuchtenden Vögeln gäbe. Ebenso wollte ich wissen, wie lange das Gezwitscher wohl anhalten würde, wenn ich die Tasten gedrückt hielte…

FAZIT

Im Wesentlichen ist das Naturmuseum Winterthur ein kleines, aber feines Museum, dass in sehr kurzer Zeit besichtigt werden kann. Ich war bis zu zwei Stunden vor Ort, habe aber nicht das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben. Sollte ich jemals wieder in Winterthur stranden, schaue ich sicher vorbei. Einfach nur, weil das Museum Laune macht und weil ich in solchen Museen unweigerlich in meine Kindheit zurückversetzt werde und für kurze Zeit wieder Kind sein kann.

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Haus der Natur Salzburg

ALLGEMEIN

Das Haus der Natur Salzburg – Museum für Natur und Technik wurde im Jahr 1924 gegründet. Zunächst war es in den Hofstallungen, übersiedelte aber 1959 an seinen heutigen Standort am Museumsplatz. 2008 schloss das Museum für fast ein Jahr, um das Gebäude aktuellen Sicherheitsvorschriften anzupassen, es barrierefrei zu gestalten sowie das ehemalige Museum Carolino Augusteum zu sanieren und mit dem Haus der Natur Salzburg zu verbinden. Im Zuge dessen wurde auch das Science Center eingerichtet. Das Museum eröffnete, so wie es auch heute zu besichtigen ist, im Sommer 2009 wieder.

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Gegenwärtig ist das Haus der Natur mit einer Ausstellungsfläche von 7000m2 das größte Museum Salzburgs. Es ist ein naturhistorisches Museum, das über Aquarien sowie Terrarien und ein Science Center verfügt und versteht sich insofern als 3-Spartenhaus mit regionaler und internationaler Ausrichtung. Als Natur-Kompetenzzentrum widmet es sich außerdem der Dokumentation und Erforschung der Natur von Salzburg (Stadt und Land) und dem Nationalpark Hohe Tauern. Basis für die wissenschaftliche Arbeit sind die eigenen Sammlungen und Datenbanken. Neben der Dauerausstellung, die auf fünf Ebenen gezeigt wird, sind derzeit die Sonderausstellungen Dahoam im Wandel: 200 Jahre Lebensraum Salzburg und Himmelsbilder. Astrofotografie am Haus der Natur zu sehen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Wochenende in Salzburg verbrachte ich mit zwei Museumsbesuchen in Salzburg. Bereits am Samstag war ich für zwei Stunden mit Begleitung dort. Wir hatten uns nicht informiert, was es zu sehen geben könnte, steuerten in Richtung Sonderausstellung Dahoam im Wandel und landeten schließlich für zwei Stunden im Science Center. Das Science Center befindet sich in jenem Gebäudetrakt, der früher einmal das Carolino Augusteum gewesen war. Auf drei Stockwerken laden verschiedenste Stationen zum Mitmachen ein und geben so Einblick in u.a. Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness, Schall, Energie und Heben.

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Überblicksfoto Science Center „Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness“

Zwar hatten wir dort viel Spaß und blieben an jeder Station hängen, doch schien dieser Besuch meine bisherigen Vermutungen zu bestätigen: Das Museum sei, so dachte ich, ein Museum, das im Zusammenhang mit Inhalten, Sprache und Gestaltung vor allem die Zielgruppen „Familie“ sowie „Schulklassen“ und damit Kinder bediene.

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Bereich „Körper & Fitness“: Beim Wett-Rudern

Auf dem Weg hinaus machten wir jedoch einen Abstecher durch die Aquarien im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, wo mir klar wurde, dass wir vom Museum kaum etwas gesehen hatten und ich keinen Blogeintrag schreiben könnte ohne ein weiteres Mal – möglichst alleine, in meinem Tempo und ohne Zeitdruck – wieder zu kommen und die restlichen Bereiche zu besichtigen. Ich beschloss also, das gleich am nächsten Tag vor der Heimreise zu tun.

Am zweiten Tag verbrachte ich drei Stunden im Museum, marschierte durch die sogenannte Saurierhalle und das Aquarium im Erdgeschoss, besah den Bereich Erdwissenschaften sowie die zweite Sonderausstellung im 1. Stock, durchlief auf der Ebene darüber den Reptilienzoo, die Christian Doppler Schau, die Abschnitte Tierwelt Europas, Weltraum, Lebensader Salzach und einen schmalen Gang Richtung Toiletten, der genutzt wurde, um medizinische Technologien zu präsentieren. Danach war mein Hirn Matsch. Ich entschied mich also gegen die letzten beiden Stockwerke und für einen Besuch im Café und im Museumsshop.

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Das Stadtcafé im Haus der Natur Salzburg 

FAZIT

Als ich nach dem zweiten Aufenthalt die ersten Zeilen ins Tagebuch schrieb und mir Gedanken zu Museum und Ausstellung machte, wurde mir klar, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein Museum als Touristin besucht und mich einfach amüsiert hatte. Hätte ich Kinder und würde in Salzburg oder Umgebung leben – ich wäre wohl ständig dort. Auch ohne Kinder werde ich das Haus der Natur Salzburg allerdings wieder besichtigen.

Naturhistorisches Museum der Stadt Genf

ALLGEMEIN

Das erste naturhistorische Museum der Stadt Genf (MHN) wurde 1820 unter dem Namen Musée Académique begründet. Auf Grund wachsender Sammlungen und dem damit verbundenen Platzmangel übersiedelte das Museum 1872 in größere Räumlichkeiten mit einer Fläche von 5000m2. Fast ein Jahrhundert danach, im Jahr 1970, entstand das neue Museum am heutigen Standort in Malagnou. _DSC9377.JPG

Das MHN verfügt heute über eine Ausstellungsfläche von 10.000m2 und mit über 15 Millionen Objekten über die größte museale Sammlung der Schweiz. In Reiseführern wird das Museum vor allem im Zusammenhang mit seinen zahlreichen Dioramen hervorgehoben. Die Präsentation ausgestopfter Tiere zieht sich vom Erdgeschoss über die erste bis zur zweiten Etage. Nur im dritten und letzten Stockwerk gibt es keine Dioramen mehr. Zu sehen sind hier Mineralien und Ausschnitte der Menschheitsgeschichte. Der Zugang zu diesen Dauerausstellungen ist übrigens gratis, während Tickets für Sonderausstellungen gelöst werden müssen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Mein Ostersonntag im MHN begann um 10:30 mit einer positiven Überraschung. Ich hatte bereits meine Mitgliedskarte des International Council of Museums (ICOM) gezückt, um in Folge die Dauerausstellung des Museums unentgeltlich besuchen zu können. Im Vorhinein hatte ich nicht wirklich recherchiert, wollte mich einfach von diesem angeblichen Kinderparadies bezaubern lassen und durfte vor Ort erfreulicherweise feststellen, dass für den Zutritt zur Dauerausstellung kein Ticket gelöst werden musste. Meine Karte immer noch in der Hand lief ich also begeistert zur Garderobe, legte ab und rannte in den erstbesten Raum. Zunächst begegnete mir eine zweiköpfige lebende Schildkröte, die auch das Maskottchen des Museums ist. Einige Schritt weiter stand ich bereits vor präparierten Tigern und war mitten im Geschehen.IMG_20180401_103921

BESONDERHEITEN

MULTILINGUAL WAR GESTERN?

Nach mehreren Stunden musste ich leider feststellen, dass ein Großteil der Texte in der Dauerausstellung einsprachig, also auf Französisch, war.  Im EG entdeckte ich kein anderssprachiges Wort. Im ersten Stock waren Tiernamen vereinzelt mehrsprachig gekennzeichnet, weitere Informationen jedoch nach wie vor nicht. Erst im zweiten Stock gab es einen Bereich, wo konsequent zweisprachig – Französisch und Englisch – gearbeitet wurde.

Seit meinem Aufenthalt dort frage ich mich wirklich, wie ein Museum, dass sich zumindest auf der Website als Museum von Weltrang präsentiert im 21. Jahrhundert ausschließlich einsprachig arbeiten kann. Im Zusammenhang mit Forschungsarbeiten, Publikationen und Veranstaltungen kann ich das nachvollziehen. Solche Dinge sind immer auch eine Frage der Finanzierung. In einer Dauerausstellung erwarte ich allerdings mindestens Zweisprachigkeit. Auch in Museen im englischsprachigen Raum ist das nicht üblich. Stimmt! Diese haben aber den Vorteil, dass Englisch von ca. 1,5 Billionen Menschen als Erst- oder Zweitsprache beherrscht wird und damit von mehr Leuten verstanden wird als Französisch (370 Millionen) oder Deutsch (185 Millionen; siehe Sprachkreis Deutsch, Stand April 2018).

GRATIS INS MUSEUM

Endlich wieder ein Museum, dessen Dauerausstellung unentgeltlich zu besichtigen ist! Die übliche Notwendigkeit Tickets für den Eintritt zu kaufen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen: Ja, Museen brauchen Geld. Sie sind Bildungsstätte, sollten Forschungsinstitution sein und  insofern Wissen vermitteln. Sie bewahren sogenanntes Kulturerbe, dessen Erhalt und Erweiterung ebenfalls kostet. Hinzu kommen WissenschaftlerInnen, Pädagoginnen, RestauratorInnen, Sammlungs- und ObjektmanagerInnen sowie viele weitere MitarbeiterInnen, die bezahlt werden wollen. In Österreich werden staatliche Museen hauptsächlich über Kulturbudgets und Sponsoring (noch unüblich) finanziert. Einnahmen durch Eintrittskarten sind in Anbetracht der benötigten Gelder eine eher vernachlässigend kleine Menge. Zudem werden SteuerzahlerInnen so zweimal zur Kassa gebeten.  Zunächst wird durch Abgabe von Steuern das Kulturbudget mitfinanziert. Dann wird eine Eintrittskarte gekauft, um zu sehen, was bereits mit bezahlt wurde – eigentlich unfair! Daher auch ein großes Kompliment an Museen, die BesucherInnen unentgeltlich in die eigenen Ausstellungsräumlichkeiten lassen. Bisher kannte ich das nur aus einigen Museen in London und dem Volkskundemuseum Wien.

Im Sinne eines weiterführenden Gedankenspiels ist gratis Eintritt in Museen zwar toll, vielleicht aber auch „nur“ eine Möglichkeit BesucherInnenzahlen zu steigern. Oft ist trotz freien Eintritts in die Dauerausstellungen nämlich durchaus ein Ticket für Sonderausstellungen zu lösen. Letztere bieten Neues, Unbekanntes und damit mehr Anreiz, für die Besichtigung eines Museums zu bezahlen. Dauerausstellungen sind dagegen irgendwann alt und vertraut. Freier Eintritt könnte hier dagegen durchaus Anstoß liefern, nach der Arbeit, der Schule oder einfach so kurz vorbei zu schauen, um einen Blick auf Highlight- oder Lieblingsobjekte zu werfen.

FAZIT

Das Museum ist riesig. Nach einem vierstündigen Aufenthalt, hatte ich zwei Etagen genauer betrachtet und zwei weitere einfach nur durchlaufen, um zumindest das Ausmaß der Dauerausstellung erahnen zu können. Insgesamt kam ich absolut auf meine Kosten, da sämtliche Objekte liebevoll und scheinbar auch mit wissenschaftlichem Anspruch drapiert worden waren. Auch dass in Reiseführern vor allem Dioramen im Zusammenhang mit diesem Museum genannt werden, konnte ich nach dem Besuch nachvollziehen – diese scheinen durchaus eine Spezialität des Hauses zu sein.

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Blick auf Dioramen in der 1. Etage

Mit der Einsprachigkeit des Museums kann ich mich dennoch nicht anfreunden. Ich frage mich noch immer, ob ich in meiner Objekt-bezogenen Begeisterung möglicherweise irgendetwas übersehen haben könnte, dass all diese Texte auch in mehreren oder zumindest einer zweiten Sprache für BesucherInnen zur Verfügung stellt. Ich befürchte allerdings, dass ich ausreichend gesucht habe und hoffe tatsächlich, dass die vereinzelte Zwei- und Mehrsprachigkeit der Anfang einer Überarbeitung dieser musealen Texte sind.

 

Haus der Geschichte Niederösterreich, St. Pölten

ALLGEMEIN

Das Haus der Geschichte Niederösterreich (HGNÖ) ist gemeinsam mit dem Haus der Natur Bestandteil des Museums Niederösterreich in St. Pölten. 2014 begannen die konzeptionellen Arbeiten am HGNÖ. Dabei wurden auch die wesentlichen Richtlinien für Ausstellung, Forschung und Service beschlossen. Das Museum eröffnete schließlich im Herbst 2017.IMG_20180404_113734

Der Fokus des HGNÖ liegt auf der Geschichte Niederösterreichs, Österreichs sowie Zentraleuropas, startet mit der ersten Besiedlung der Region und endet in der Gegenwart mit Fragen nach der Zukunft. Besondere Aufmerksamkeit wird aber historischen Entwicklungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewidmet. In diese Ausstellung sollen im Sinne einer Exhibition in Progress regelmäßig neue Forschungsergebnisse eingearbeitet werden.

Neben dieser Dauerausstellung gibt es einen Bereich für Sonderausstellungen. Die derzeitige Schwerpunktausstellung „Die umkämpfte Republik“ thematisiert die Entwicklung der Republik Österreich und ist noch bis März 2019 zu sehen. Gegenstand dieses Blogeintrags ist aber ausschließlich die geschichtliche Dauerausstellung.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ich verbrachte zwei Nachmittage im HGNÖ, wobei zwischen diesen Besuchen mehrere Monate lagen. Das erste Mal war ich kurz nach Eröffnung des Hauses im September 2017 in St. Pölten, gefolgt von einem weiteren Aufenthalt Mitte März im darauffolgenden Jahr. Die Eindrücke meiner ersten Besichtigung bestätigten sich durch den wiederholten Gang durch die Ausstellungsräumlichkeiten. Die wesentlichsten seien hier angeführt:

1) Sehr viel Inhalt auf sehr kleinem Raum. Im ersten Moment erschlagen von der Fülle, an Objekten und Texten vorbei, doch noch einen Weg findend, irrte ich durch das EG ins OG und musste feststellen, dass Farbcodes nicht ausreichen, um dermaßen umfangreichen Stoff auch nur annähernd im Raum zu strukturieren, Wege zu definieren oder zumindest einen roten Faden erkennen zu lassen.

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Mehr räumlicher Überblick als hier ist stellenweise nicht möglich.

2) Texte, Ausstellungsgestaltung und Vermittlung für Kinder. Vieles im HGNÖ erweckte den Eindruck eigentlich Kinder, nicht aber deren erwachsene Begleitung ansprechen zu wollen. Sämtliche Texte und Illustrationen versetzten mich unwillkürlich zurück in den Sachkundeunterricht meines 8. und 9. Lebensjahres, in denen ich von der Geschichte meiner Heimatstadt lernen durfte. Einfache Sprache, einfache Bilder… Nichts, das ich nicht ebenso gut in komplexer, detaillierte Ausführung zu Hause auf der Couch hätte lesen können. Tatsächlich werden Familien sowie Schulklassen, also Kinder, als primäre Zielgruppe genannt. Ich behaupte aber, auch Kindern ist mehr zuzutrauen, als banale Sätze auf buntem Hintergrund und absurde Vermittlungsspielchen, bei denen Wissen zwar reproduziert, nicht aber hinterfragt wird, zu verstehen.IMG_20180404_114500

3) Objekte haben mit dem Ausstellungsthema nichts zu tun. Beispielsweise ist eine Guy Fawkes-Maske im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hierarchien im Mittelalter ausgestellt. BesucherInnen erfahren dort einiges über die Ständeordnung und damit verbundene Lebensentwürfe. Was eine Maske, die Symbol für politischen Widerstand ist, dort zu suchen hat, ist mir ein Rätsel. Sie wird zudem mit keinem Wort erwähnt.

Ein zweites Beispiel ist ein kleiner Bereich im Erdgeschoss, der sich der Wissenschaft vom Körper, Volksfrömmigkeit und dem damit verbundenen Umgang beispielsweise in Krankenfällen widmet. Der Bereich ist gut aufgebaut. Ein Gemälde vereint die beiden Erzählstränge schließlich auch visuell.

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Vitrine zum Thema „Volksfrömmigkeit“

Inmitten verschiedenster Objekte, die sich inhaltlich mit den Texten verbinden lassen, steht allerdings eine Handdruckpresse aus dem 18. Jahrhundert. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Objekt und dem eigentlich darzustellenden Thema.

BESONDERHEITEN

KEINE SAMMLUNG – TROTZDEM EIN MUSEUM?

Ich liebe Sammlungen: Sammlungen sind – so wäre ich bis vor kurzem absolut überzeugt gewesen – das Herzstück eines Museums. So repräsentieren und definieren Sammlungen dessen Forschungs- und Bildungsauftrag und schärfen sein Profil.

Das HGNÖ, das sich explizit als innovatives, lebendiges Museum sieht, sammelt nicht. Die Dauerausstellung besteht ausschließlich aus Leihobjekten, wobei ein Großteil der Exponate aus den Sammlungen des Landes Niederösterreich bezogen wird. Diese Sammlungen verfügen über 6 Millionen Objekte, die den Kategorien Natur, Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte zugeordnet werden und verfolgen das Ziel „materielles Erbe Niederösterreichs und seiner Bevölkerung (…) zu Forschungs- und Bildungszwecken“ (siehe Landessammlungen Niederösterreich, Stand 2. April 2018) zu bewahren, zu dokumentieren und vor allem in Niederösterreichs Ausstellungshäusern und Museen zu zeigen. Das Bewahren und Dokumentieren musealer Objekte wird insofern direkt mit der Sammlung und ihrem Auftrag verbunden. Laut dem International Council of Museums (ICOM) haben auch Museen einem Sammlungsauftrag Folge zu leisten:

„A Museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its developement, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purpose of education, study and enjoyment.“ (siehe ICOM Museum Definition, Stand 2. April 2018)

Insofern ist das HGNÖ kein Museum und wird eher der Eigendefinition eines multimedialen Erlebnisraums gerecht. Dennoch führt diese Auseinandersetzung zwangsläufig zu der Frage nach der Notwendigkeit einer Sammlung, um eine Institution als „Museum“ bezeichnen zu können. In weiterer Folge drängt sich ebenso die Frage auf, was ein Museum war, ist und im 21. Jahrhundert zu sein hat. Der ICOM-Definition zufolge, ist nicht nur die Sammlung ausschlaggebend. Ebenso wird geforscht, kommuniziert, ausgestellt. Wie viele Museen werden heute im Zeitalter diverser Budget- und Personalkürzungen im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich diesem Forschungsauftrag gerecht? Das Tempo, in dem manche Museen in Österreich Ausstellungen produzieren, lässt wirkliche Forschung gar nicht zu. Einer Exhibition in Progress Folge leisten zu wollen, ist daher ein spannender Ansatz, aber schwer umzusetzen.

In Anbetracht aktueller Entwicklungen und der heutigen Vielfalt an Museen (Museen, die nur ein Objekt beherbergen; Museen, die keinem spezifischen Sammlungsauftrag Folge leisten und Museen, die gar nicht sammeln etc.) sowie der Tatsache, das beispielsweise auch ICOM den Begriff „Sammlung“ nur lose definiert, plädiert auch Paul F. Donahue dafür, die Existenz einer Sammlung nicht als Voraussetzung für die Begriffsbezeichnung und Bestimmung heutiger Museen zu machen (siehe Collection = Museum?, Stand 2. April 2018).

Noch bin ich zwar nicht von meinem Standpunkt Sammlungen seien das Herz eines jeden Museums abgekommen, doch frage ich mich seit meiner Beschäftigung mit dem HGNÖ und damit verbunden dem Umgang mit Sammlungen, ob Museen im 21. Jahrhundert über eine solche verfügen müssen, oder ob Sammeln ganz im Sinne Donahues nicht obligatorisch, sondern optional sein sollte.

FAZIT

Es gibt Museen und Ausstellungen, die begeistern. Es gibt solche, die im Grunde nichts wollen, nichts sagen und in Folge nichts bewirken. Und es gibt Museen und Ausstellungen, die im ersten Moment abschrecken, die überfüllt, unübersichtlich, banal erscheinen, all das vielleicht auch sind, mich aber trotzdem nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Das HGNÖ ordne ich der letzten Kategorie zu.

 

National Technical Museum Prague

ALLGEMEIN

Das National Technical Museum (NTM) in Prag wird 1908 gegründet, wobei seine Anfänge durch die Sammeltätigkeit eines Maschinenbaukonzerns bis ins 18. Jahrhundert reichen. Das erste thematisch ähnlich orientierte Museum, dessen Sammlungsbestände z.T. später Eingang in die heutigen Sammlungen des Museums finden, wird mit dem Czech Industrial Museum 1874 begründet. IMG_20180224_101125

In die heutigen Ausstellungsräumlichkeiten übersiedelt das Museum 1990. In den Jahren 2003 bis 2013 wird das Gebäude renoviert. Die ersten fünf Bereiche der Dauerausstellung – nämlich jene Bereiche zu Verkehrsmitteln, Architektur, Astronomie, Druck und Fotografie – sind der Öffentlichkeit aber bereits 2011 zugänglich. Später folgen  Astronomie, Bergbau, Metallurgie, Verfahren der Zeitmessung, Haustechnologien und der Merkur Playroom. Weitere Informationen zu diesen Bereichen sowie ein längerer Bericht zur Geschichte des Hauses finden sich außerdem auf der Website des NTM.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und leicht zu finden: An der naheliegenden Haltestelle verschiedenster Straßenbahnen sind zudem Schilder angebracht, die sowohl zum NTM als auch zu seinem unmittelbaren Nachbarn, dem National Museum of Agriculture, verweisen. Das Museum ist groß genug, um dort einen gesamten Tag zu verbringen. Ich war allerdings nur wenige Stunden, nämlich von 10:00 bis 13:00 dort. Von diesen drei Stunden verbrachte ich eine im Bereich für Verkehrsmittel – was laut eigener Website die beliebteste Dauerausstellung im Museum ist – und ungefähr 1,5 Stunden im Bereich für Haushaltstechnologien, dem eigentlichen Grund für meinen Besuch. Den Rest der Zeit verbrachte ich sowohl mit der Anfertigung von Notizen, als auch im Museumsshop.

Die Halle, in der Verkehrsmittel von den ersten Automobilen mit Dampf- und Verbrennungsmotoren, über Motorräder seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Flugzeuge und Bahntechnik bis hin zu einigen Exponaten und Geschichten im Zusammenhang mit Boot-Transporten ausgestellt sind, war leicht zu finden. Sogar der Herr am Ticketschalter verwies mich wild gestikulierend – sein Englisch konnte ich leider nicht verstehen – dort hin. Außerdem drückte er mir einen Lageplan des Museums in die Hand, von dem ich später feststellen musste, dass ich auf Grund der Sprache keine der Beschriftungen lesen konnte. Jede Etage, jeder einzelne Bereich war zwar adäquat, doch leider nur auf Tschechisch gekennzeichnet.

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Der I. Stock

Da jene Angestellten, die ich nach den Household Appliances fragte und die mich entweder nicht verstanden, oder nicht antworten konnten, verließ ich mich schließlich auf meine nicht vorhandenen Tschechisch-Kenntnisse und schlussfolgerte, dass der Bereich Technika V Domácnosti wohl in irgendeiner Form mit Haushalt zu tun haben müsste, was schließlich auch stimmte. Abgesehen davon sind aber sämtliche Raum-, Bereichs- und Objekttexte auf Tschechisch und auf Englisch angebracht.

BESONDERHEITEN

Verkehrsmittel im NTM

Die Ausstellungsordnung der Objekte in der Halle mit den Verkehrsmitteln folgt üblichen und nachvollziehbaren Prinzipien. Im EG befinden sich große, schwere, sperrige Exponate, wie Zugabteile, Automobile und ein Boot. Im ersten Stockwerk werden Motorräder, gefolgt von mit Flugtransport in Verbindung stehenden Objekten in der zweiten sowie Fahrrädern und den Wassertransport thematisierende Dinge in der dritten Etage gezeigt. Von der Decke baumeln einige Flugzeuge sowie ein Heißluftballon. IMG_20180224_111310Zweitens hatte diese Ordnung ihren Preis. Überall im Raum waren Schilder angebracht, die dem Publikum vorschrieben, in welche Richtung zu gehen war. Sogar Einbahnstraßen waren entsprechend gekennzeichnet.NTM VerkehrsschilderAb dem ersten Stockwerk konnte ich das nachvollziehen, da ich in jeder Etage an der Wand entlang die Halle umrundete. Links von mir befanden sich Objekte und Texte. Rechts von mir hatte ich stets freien Blick auf die Halle unter mir. Die Gänge waren teilweise sehr schmal. Hier Richtungen vorzugeben, trägt an stark besuchten Tagen wahrscheinlich wirklich zur Sicherheit der Besucherinnen und Besucher bei. Im EG hatte ich dafür jedoch kein Verständnis: Ich suche mir meine Wege gerne selber – auch im Museum.

Haushaltstechnologien

Einen Großteil meines Aufenthalts verbrachte ich in jenem Bereich, der den Haushaltstechnologien gewidmet war. Als ich den kleinen Raum betrat, war ich zunächst überfordert. Der Raum war bunt, er war düster, wobei die einzelnen Objektvitrinen aber gut ausgeleuchtet waren. Ein Gang, dessen Seiten Säulen flankierten, führte ans hintere Ende des Raumes. An den Säulen waren Jahreszahlen und Texte angebracht.

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Perspektive vom Eingang in den Ausstellungsraum

Die Zweisprachigkeit – Tschechisch und Englisch – fiel mir hier zunächst nicht auf. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den Farben Sinn zu geben. Ich vermutete ein simples Ordnungsschema dahinter und wurde fündig, als ich den Raumtext las. Jede Farbe markierte bestimmte Zeitabschnitte, die im Kontext technischer Entwicklungen bedeutend gewesen waren. Schließlich entdeckte ich auch die an die Wand gemalte Jahreszahlen, die die einzelnen Abschnitte gemeinsam mit dem Farbsystem gliederten.

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Perspektive vom hinteren Drittel des Raumes in den vorderen Bereich

Ähnliche Systeme kenne ich aus anderen Museen, in denen die Arbeit mit Farben, um Zusammengehörigkeit zu markieren, auf Grund der Größe von einzelnen Bereichen und den Räumen nicht mehr strukturiert und ordnet, sondern verwirrt. In diesem Fall ist das Ordnungssystem zwar grenzwertig, da es im ersten Moment verwirrt, funktioniert in Folge aber doch.

FAZIT: TECHNISCHE MUSEEN. SO WHAT?

Bereits nach der ersten Verschriftlichung meiner Gedanken gleich nach dem Museumsbesuch hatte ich das Gefühl, dass, abgesehen von den oben erwähnten Dingen, nichts wirklich Eindruck hinterlassen hatte. Dabei liebe ich  technische Museen. Ich liebe die vielen alltäglichen, manchmal befremdlichen Objekte, die sich hier zeigen und Geschichten erzählen dürfen. Dennoch bleibt selten mehr als die unmittelbare Lust am Betrachten. Ich möchte mich in einem Museum aber mit den Ausstellungsinhalten auseinandersetzen und ich möchte das Gebäude mit einem Kopf voller Ideen und Fragestellungen verlassen. Ich möchte mich nicht nur an einem oder mehreren Objekten erfreuen ohne diese in irgendeiner Form kontextualisieren zu können oder Inhalte reproduziert wissen, die ich ebensogut in einem Buch lesen könnte. Oft ist das aber so, was schade ist. Technische Museen müssen doch bitte mehr leisten können. Technologien durchdringen unsere Leben heut in vielfältiger Weise. Sie sind nicht wegzudenken aus dem Alltag, aus medizinischen Bereichen, aus der Industrie oder der Wirtschaft. Es gab unendliche viele Entdeckungen und Erfindungen, die das Potenzial hatten und haben ganze Gesellschaften im Hinblick auf ihre Möglichkeiten zu verändern. Wo wären wir ohne Elektrizität, ohne die Industrialisierung?  Wohin führt der Weg im Zusammenhang mit Überwachungstechnologien? – man denke nur an aktuelle Entwicklungen in China. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind relevant – auch in Museen. Die Frage ist nur, wie all diese Themen durch das Medium Ausstellung vermittelt werden können ohne ausschließlich die Schaulust zu bedienen und es dabei zu belassen.

TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum

ALLGEMEINES

IMG_20180120_144826Das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum (KJM) sind zwei durch einen unterirdischen Gang miteinander verbundene Museen auf dem Bergiselplateau in Innsbruck, Tirol. Letzteres eröffnete bereits im Oktober 1880 und beschäftigt sich mit der infanteristischen Gruppe der k.u.k Kaiserjäger in Innsbruck. Als Regimentsmuseum gewährt es Einblick in die Militärgeschichte Tirols vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Zu sehen sind hier außerdem die Andreas Hofer Galerie und die Tiroler Ehrenhalle.

IMG_20180120_124721Das im März 2011 eröffnete Tirolpanorama hingegen thematisiert laut Website den „Mythos Tirol“, erzählt in Der Schauplatz Tirol Geschichten über Menschen, Religion, Politik und Natur und beherbergt außerdem das Innsbrucker Riesenrundgemälde, das auf einer Fläche von 1000m2 den Tiroler Freiheitskampf vom August 1809 am Bergisel zeigt.

ERFAHRUNGSBERICHT

Zunächst sei erwähnt, dass ich 1) das Museum nicht zufällig besuchte und 2) nicht alleine dort war. Tatsächlich begleiteten mich dieses Mal Freunde, weswegen ich zumindest zu Beginn meinte, mich beeilen zu müssen. Auch war das ein wesentlicher Grund für die Entscheidung das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum zu besichtigen: Da wir ein relativ volles Programm hatten, wollte ich ein möglichst kleines Museum sehen, das im besten Fall alle interessierte. Zudem versprach der Beschreibungstext auf einer Website die reflexive Auseinandersetzung mit dem „Mythos Tirol in all seiner Widersprüchlichkeit und Faszination„. Was würde ich also in Tirol über den Mythos Tirol erfahren können?

Insgesamt verbrachte ich zwei Stunden im Tirol Panorama, dem Bereich „Der Schauplatz Tirol“ und dem KJM. Tatsächlich widmete ich dem KJM nur 20 Minuten dieser Zeit, da ich auf Grund der Unmenge der dort ausgestellten Objekte überfordert war und bald nicht mehr wusste, wohin ich meinen Blick lenken sollte.

Der das KJM mit dem Tirol Panorama verbindende unterirdische Gang führte zum Schauplatz Tirol, wo die inhaltliche Schwerpunktlegung Mensch, Religion, Politik und Natur auch durch die räumliche Anordnung von Vitrinen und Objekten sichtbar gemacht wurde. So befanden sich Objekte, die mit Religion assoziiert wurden im hinteren Bereich, also in der Nähe des Durchgangs. Dem Menschen waren Kästen bzw. Vitrinen gewidmet, die Baumstämmen glichen, während sich Objekte im Zusammenhang mit Politik vor allem mittig fanden. Tirols Natur wurde durch Gegenstände in einer fast raumgreifenden Vitrine entlang einer Wand veranschaulicht. Auch hier hielt ich mich nicht besonders lang auf.

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Abfahrt Richtung Riesenrundgemälde. Rechts hinten führt die Rolltreppe ins EG und damit zum Eingang des Museums.

Um zum Riesenrundgemälde zu gelangen, fuhr ich mittels Rolltreppe noch ein Stockwerk tiefer. Zuvor die im Erdgeschoss angebrachten Texte zu den Tiroler Freiheitskämpfen gelesen und einige wichtige Figuren dieser Kämpfe in der „Säulenhalle“ (ich nenne das jetzt einfach mal so) kennen gelernt zu haben, half außerdem Gesehenes historisch zu kontextualisieren.

BESONDERHEITEN

Audio Guides für Lesefaule?

Ich bin eine unglaublich schlechte Zuhörerin und daher kein Fan von Audio Guides: Kaum sehe ich ein Objekt, vergesse ich die Stimme, die mir erzählt, was ich zu wissen habe und erkunde auf eigene Faust. Üblicherweise greife ich daher nicht zu diesen Geräten. Da er aber kostenlos angeboten wurde, nahm ich das Angebot auch an. Allerdings benutzte ich ihn kaum, weswegen mir erst im Kaiserjägermuseum auffiel, dass im wesentlichen Raum- und Bereichstexte, die ich gelesen hatte, in sehr ähnlichem Wortlaut wieder gegeben wurden.

Einerseits könnte das für all jene, die sich von Textmengen rasch überfordert fühlen oder einfach lieber zuhören, als zu lesen durchaus von Vorteil sein. Andererseits hatte der Audio Guide für mich persönlich mit einer einzigen Ausnahme keinen besonderen Mehrwert.

Diese Ausnahme war jener Raum, der das Riesenrundgemälde beherbergte. Hier wurde das Bild mit Hilfe des Audio Guides decodiert. Einzelne Elemente wurden hervorgehoben, Figuren und deren Bedeutung erörtert. Auch machte mich die Stimme im Ohr darauf aufmerksam, dass der Maler Michael Zeno Diemer (1867-1939) einige Aspekte erfand und malte, um bestimmte Botschaften zu vermitteln. So konnte ich das Bild betrachten und gleichzeitig meinen Blick lenken lassen, um Gesehenem durch die auditiv vermittelten Informationen Sinn zu geben.

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Ausschnitt des Riesenrundgemäldes

Im Nachhinein bereute ich allerdings, dass ich im Raum angekommen sofort zum Audio Guide griff und den gehörten Anweisungen Folge leistete. So nahm ich mir die Möglichkeit das Bild auch unvoreingenommen zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

Die unsichtbaren sichtbaren ProtagonistInnen der Tiroler Freiheitskämpfe

Jener Bereich im EG fiel mir zunächst negativ auf. Im ersten Moment sah ich nur Text. Bevor ich zu lesen anfing, ging ich also ein Stück weiter, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Texte in angemessener Zeit lesen könnte und dass diesen schließlich Objekte folgten. Als ich die Säulen mit den 13 Figuren der Protagonisten von 1809 sah (ich habe diesen Bereich weiter oben bereits frei erfunden  „Säulenhalle“ genannt), war ich zumindest beruhigt genug, um mich zum Anfang zurück zu begeben und zu lesen.

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Ausschnitt der „Säulenhalle“ im Tirol Panorama

Danach versuchte ich kurz den Erläuterungen des Audio Guides zu folgen und rannte den Blick gehoben kreuz und quer an den Säulen vorbei. Natürlich waren 13 Männer ausgestellt. Da ich außer dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer niemanden erkannte, suchte ich nach Beschriftungen und richtete den Blick schließlich auf den Boden. Vor jeder Säule war eine Tafel mit Namen und Jahreszahlen angebracht.

Erst jetzt fiel mir auf, dass auf einigen der Säulen keine Figuren thronten, diese aber dennoch beschriftet waren. Dort standen die durch unsere Geschichtsschreibung unsichtbar gemachten FreiheitskämpferInnen als Personengruppen, anonym, aber sichtbar gemacht. Die Säulen waren u.a. Frauen, dem Landvolk oder Beamten gewidmet. Ich hatte zu rasch geurteilt und konnte mich glücklicherweise doch noch positiv überraschen lassen.

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Eine der zahlreichen Beschriftungen, die ich zu Beginn übersehen hatte.

FAZIT

Zwei Stunden sind eindeutig zu kurz, um sich tatsächlich mit ausgestellten Inhalten beschäftigen zu können. Ob sich ein zweiter Besuch lohnt, ist fraglich. Trotzdem ein kleines Museum, das man gesehen haben kann (wenn man sowieso schon am Bergisel ist), aber nicht gesehen haben muss.

 

Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.