„Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ im MAK, Wien

ALLGEMEIN

Das Museum für angewandte Kunst, Wien (MAK) – mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie beispielsweise der U3 (Stubentor), der U4 (Landstraße), der Straßenbahnlinie 2 und zwei Buslinien (3A, 74A) leicht zu erreichen – präsentiert auf 2700 m2 Dauer- und Sonderausstellungen, die sich der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Design, Architektur und Gegenwartskunst widmen. Gesellschaftspolitische Fragen sollen innerhalb der Ausstellungen mit Ansätzen aus eben diesen Bereichen ergänzt werden, um neue Perspektiven zu entwickeln, Grenzbereiche auszuloten und so Nutzen für den Alltag zu schaffen.

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Haupteingang Museum für angewandte Kunst, Wien

Die Sonderausstellung Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine wird im Rahmen der Vienna Biennale 2017 Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft gezeigt, die sich mit der ökologisch und sozial nachhaltigen Gestaltung unserer künftigen, digitalen Welt beschäftigt. Sie fokussiert laut Ausstellungstext auf die ambivalente Beziehung des Menschen zu neuen Technologien, auf ethische und politische Fragen, die sich durch technologische Fortschritte aufdrängen und im speziellen auf Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit Robotik.

ERFAHRUNGSBERICHT

Die Ausstellung Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine im Erdgeschoss des MAK ist nicht leicht zu finden. Der schnellste Weg führt über den Haupteingang durch das Foyer, wobei sich BesucherInnen in der Säulenhalle links halten sollten. Kurz vor dem Durchgang zur eigentlichen Ausstellungshalle werden Suchende fündig: Ein kleines Poster lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums in jenen Gang, der dann auch tatsächlich in den ersten Abschnitt der Ausstellung führt.

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Der erste Wegweiser in die Ausstellung

Im Rundgang führen Texte, Objekte und Pfeile durch vier Bereiche: 1) Science Fiction thematisiert Roboter als fremde Spezies, Freund oder Feind, stellt Fragen nach ersten Begegnungen, nach Vertrauen oder nach der tatsächlichen Notwendigkeit von Robotern.

2) Programmiert auf Arbeit verbindet die angeblich weit verbreitete Angst vor dem durch moderne Technologien und Robotern verursachten Jobverlust mit Chancen, die sich durch diesen Verlust, oder zumindest durch eine Reduktion der Arbeitszeit ergeben könnten: Freizeit oder – noch besser (?) – der Wandel vom Konsumenten zum Produzenten und die Rückkehr zur Selbstversorgung.

3) In Freund und Helfer werden u.a. Roboter ausgestellt, denen wir im Alltag begegnen können und die sich – so will es der Ausstellungstext – um den Menschen kümmern, ihn pflegen, für dessen Wohlbefinden sorgen wollen, sexuell stimulieren, auf Kinder achten oder Familie, Bekannte und Freunde am Sterbebett ersetzen.

4) Eins werden untersucht Möglichkeiten der Optimierung des menschlichen Organismus durch Technologien und möchte wissen, ob der Mensch mittlerweile über die nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie technischen Mittel verfügt, um Mensch und Maschine tatsächlich verschmelzen zu lassen.

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Kapitel 4: Raumansicht Eins werden

Die einzelnen Ausstellungskapitel sind räumlich getrennt, klar strukturiert. Die Ausstellungsästhetik ist nüchtern, vorherrschende Farben sind Schwarz und Weiß. Fragen, die für die einzelnen Bereiche wichtig sind, wurden außerdem hängend über den entsprechenden Objektgruppen angebracht und lenken so nicht nur Blick, sondern auch Gedanken.

BESONDERHEITEN

Roboter… Was bitte genau?

Im ersten Raum durfte ich zunächst Objekte bewundern, die mir aus der Popkultur, Science Fiction und insbesondere aus Filmen vertraut waren und sind: Ich sah dort Maschinen, die Menschen ähneln sollten, Szenen aus I-Robot (Roboter übernehmen gegen den Willen der Menschheit die Führung, um sie zu retten, machen ihre Rechnung aber leider ohne Det. Del Spooner bzw. Will Smith), Star Wars (R2D2 war natürlich auch vertreten), der Serie Knight Rider (David Hasselhoff rettete von 1982 bis 1986 als Michael Knight mit seinem denkenden, sich selbst wahrnehmenden Auto KITT zwar nicht die Welt, scheint aber nach wie vor bekannt zu sein) und musste schließlich staunen: Was tat dort der Staubsaugerroboter Roomba 650 zwischen all den Fantastereien und dem scheinbaren Wunsch – oder der Angst – Maschinen zu vermenschlichen oder gar intelligente, fühlende, dem Menschen ebenbürtige und gleichgestellte Technologien zu erschaffen?

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Kapitel 1: Science Fiction, Roomba 650

Auch in den folgenden Räumen, musste ich feststellen, dass meine Definition des Begriffs „Roboter“ sehr viel enger gefasst war, als jener, der in der Ausstellung zur Anwendung kam, was verschiedene Fragen aufwarf: Was waren und sind Roboter nun eigentlich? Und waren alle dort ausgestellten Objekte Roboter? Oder hatten sie in welcher Form auch immer „nur“ mit Robotertechnik zu tun?

Die Ausstellung selbst hatte zwar keine Antwort parat, doch war im Museumsshop ein Buch zu finden – Roboter von John Jordan (2016) – das die Frage teilweise beantworten konnte und wahrscheinlich die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung wesentlich beeinflusst hat:

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs.  Es scheint viel einfacher, zu beschreiben, was Roboter tun, oder festzulegen, was sie nicht sind, als zu bestimmen, was sie sind. Da Technologien und Robotik außerdem schnell weiter entwickelt werden, erfreuen sich flexible und offene Begriffsbestimmungen,  die möglichst viel Objekte umfassen, größerer Beliebtheit, was im Zuge wissenschaftlicher Diskussionen durchaus sinnvoll sein kann. In einer Ausstellung ist das dagegen schwieriger: Was verbindet all die Objekte? All die Themen? Welchen Positionen kann ich zustimmen, wo mich verweigern, wenn es nichts gibt, das verbindet, das vernetzt, das eine Meinung hat?

Fühlende Maschinen – Rhetorik rund um Roboter

Roboter sind also alles – oder eben nichts wirklich. Trotzdem gibt es ein bindendes Element: Sprache! Quer durch die Ausstellung werden Technologien vermenschlicht. Sie sind intelligent, sie fühlen, sie kümmern sich um die Menschen, sie sind Freunde oder Feinde, sie beschützen und zerstören, sie helfen und kontrollieren.

In den Bereichstexten werden Utopien, aber vor allem Dystopien entworfen: So sind wir beispielsweise von Robotern und robotischen Systemen umgeben, die jede physische oder digitale Form annehmen können. Offensichtlich erwarten wir daher alle – bewusst oder unbewusst – schon bald mit Robotern zu leben oder uns, die Menschheit, verteidigen zu müssen, um nicht durch Maschinen ersetzt zu werden. Wenigstens sind diese intelligenten Objekte auch hilfsbereit und zuvorkommend, tendieren dabei aber leider auch dazu, uns zu überwachen.

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Kapitel 1: Raumansicht Science Fiction

BesucherInnen der Ausstellung werden mit all diesen (Horror-) Szenarien jedoch nicht allein gelassen und bekommen Handlungsanweisungen mit auf den Weg, um nicht nur für die gegenwärtige Welt, sondern auch für die Zukunft gewappnet zu sein: Wir müssen uns also der digitalen Revolution bewusst werden und uns aktiv in deren Entwicklung und Gestaltung einbringen!

Interessant sind diese Formulierungen aus folgendem Grund: In der Ausstellung wird zwar durchaus versucht zwischen Robotern aus der Popkultur und Robotern, wie sie mit unserem gegenwärtigen Wissensstand tatsächlich gebaut, programmiert, entwickelt werden können, zu unterscheiden, doch wird dieses Anliegen kontinuierlich durch die Texte unterlaufen. Wir können keine fühlenden Maschinen bauen. Trotzdem sind sie hilfsbereit und wollen sich kümmern, sich sorgen oder sexuell stimulieren.

FAZIT

Obwohl ich mit Herangehensweisen, Formulierungen und Themen nicht zwangsläufig einverstanden bin, lohnt sich ein Besuch: Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine ist ästhetisch ansprechend, zeigt spannende Objekte, ist sogar für mich in nur 2,5 Stunden zu bewältigen und regt trotzdem irgendwie zum Nachdenken an.

– Text von K. –