Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.

– Text von K. –

Museumsmarathon London

ERFAHRUNGSBERICHT

Ende Mai verschlug mich das Leben für drei Tage nach London, wo ich zwar kaum etwas von der Stadt selbst sah, dafür aber umso mehr Museen unsicher machen konnte. Mein Abenteuer begann im Imperial War Museum London und führte mich am ersten Tag über das Royal Observatory Greenwich bis zum National Maritime Museum.

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Blick auf London – Royal Observatory Greenwich

Den zweiten Tag verbrachte ich im Science Museum (wo ich mich mit Mathematik und Robotern beschäftigte), im Victoria and Albert Museum (das ich mit Ausnahme der audio-visuellen Ausstellung Pink Floyd: Their Mortal Remains nicht wirklich besichtigte) und im Design Museum (an das ich mich leider nicht mehr erinnern kann, weil ich nicht mehr aufnahmefähig war).

In der Wellcome Collection besichtigte ich am dritten und letzten Tag die Sonderausstellung Electricity: The Spark of Life sowie die Dauerausstellung Medicine Man. Daraufhin verlor ich mich im Lärm des London Transport Museum, wo mich eine Insel der Ruhe, die vorübergehende Ausstellung Sounds of the City, rettete. Meine letzten Stunden in London verbrachte ich mit Bond in Motion. Original James Bond Vehicles im London Film Museum.

In jedem dieser Museen bzw. Ausstellungen verbrachte ich ein bis zwei Stunden. Wer bereits andere Reviews von mir gelesen hat, weiß, dass ich Museen üblicherweise mit dem Ziel ein bis zwei Stunden zu bleiben, betrete und bleibe, bis ich gehen muss, weil das Museum schließt. Das ist auch die Zeit, die ich brauche, um mich tatsächlich positionieren und berichten zu können. Es ist mir also unmöglich eine fundierte Meinung zu all diesen Museen, Ausstellungen, Inhalten, Displays, Erzählweisen oder Objekten zu haben.

Was ich mitnehmen konnte, sind dafür unglaublich viele Eindrücke und Ideen, von denen ich im Zusammenhang mit dem Imperial War Museum London und dem Science Museum exemplarisch einige wenige möglichst kurz festhalten will:

IMPERIAL WAR MUSEUM (IWM) LONDON

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Imperial War Museum (IWM) London

Das IWM London öffnete im Juni 1920 mit dem Auftrag Objekte und Materialien, die mit dem ersten Weltkrieg in Verbindung zu bringen sind, zu sammeln, zu bewahren und auszustellen, im Crystal Palace. Im Juli 1936 wurde der Standort des Museums an seinen heutigen Sitz in der Lambeth Road, einem früheren Teil des Bethlehem Royal Hospital, verlegt.

Von 1940 bis 1946 schloss das IWM London vorübergehend und verlagerte empfindliche Bestandteile der Sammlung in Depots außerhalb der Stadt. Nach dem zweiten Weltkrieg erweiterte es seinen Sammlungsauftrag auch auf diesen Krieg. 1953 wurden diesen Sammlungsschwerpunkten außerdem Militäroperationen, in die Großbritannien oder der Commonwealth seit 1914 involviert waren, hinzugefügt.

Auf den Ebenen 0 bis 5 sind verschiedenste Dauer- und Sonderausstellungen zu sehen. Zu letzteren zählen Syria: A Conflict Explored, People Power: Fighting for Peace, Edmund Clark: War of Terror und Afghanistan: Reflections on Helmand. Die Dauerausstellungen umfassen The Holocaust Exhibition, A Family in Wartime, Secret War, Witnesses to War, die Lord Ashcroft Gallery, Curiosities of War, Peace and Security: 1945-2014 und last but not least Turning Points: 1934-1945.

VON KRIEGEN UND HELDEN

Ausschlaggebend für die folgenden Ausführungen war nicht nur, aber vor allem die Lord Ashcroft Gallery. Zu sehen sind dort Heldenporträts. Ihre besonderen Leistungen werden beschrieben, Medaillen, Filme und Fotos ausgestellt – mit dem Ziel die Konzepte Mut und Tapferkeit zu befragen, zu verstehen und BesucherInnen zu mutigen Taten zu motivieren.

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Raumansicht Lord Ashcroft Gallery

Kurz vor diesem Besuch erzählte mir außerdem jemand vom Anspruch des Museums Porträts von Kriegshelden möglichst differenziert auszustellen: Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Was passierte während und nach den Kriegen oder militärischen Operationen? Dieses Versprechen wurde definitiv nicht eingelöst. Der Fokus lag ganz eindeutig auf einzelnen Heldentaten. Dieser Widerspruch sowie eine weitere Diskussion führten sowohl zu einer Erkenntnis, als auch zu vielen offenen Fragen im Hinblick darauf, wie Krieg auszustellen sei.

Meine Beobachtung ist wahrscheinlich trivial: Krieg und kriegsrelevante Inhalte auszustellen gehört mitunter zu den schwierigsten kuratorischen Tätigkeiten. Natürlich sollen interessante Objekte zu sehen sein. Natürlich werden Fakten präsentiert. Aber wie werden diese Objekte ausgewählt? Wer sucht sie aus? Auf welche Fakten wird fokussiert? Wie werden diese präsentiert? Die Darstellung von den meisten Thematiken ist abhängig von ErzählerInnen. Und v.a. im Zusammenhang mit Krieg fällt dies auf. Die Geschichten der Verlierernationen sind andere, als jene der Sieger. Die Geschichten von SoldatInnen sind andere als jene von Zivilpersonen. Ich habe selten Ausstellungen gesehen, in denen mehr als nur eine dieser Perspektiven tatsächlich auch gezeigt wurde. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass diese ganz bewusst einander gegenüber gestellt worden wären, um ein differenziertes Bild zu schaffen, um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, zu hinterfragen, zu glauben, zu wissen, zu diskutieren und sich eine ausdifferenzierte Meinung zu bilden – abseits von der Idealisierung einzelner Kriegshelden oder der Abscheu vor Gewalt.

SCIENCE MUSEUM

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Das  Science Museum

Die Anfänge des Science Museum reichen zurück bis zur Gründung des South Kensington Museum (SKM) im Jahr 1857. 1862 wurden wissenschaftliche und technische Sammlungsbereiche erstmals vom Gesamtbestand getrennt und in ein eigenes Gebäude in der Exhibition Road, dem heutigen Standort, gebracht. 1909 trennten sich diese auch administrativ vom SKM. Im Zuge dessen kam es zu Umbenennungen, wobei das „SKM“ zum „Victoria and Albert Museum“ wurde und sich für das neue Haus der Name „Science Museum“ etablierte. Seit 1984 lautet der offizielle Name des Science Museum „National Museum of Science and Technology“.

Das Science Museum ist heute Mitglied einer Gruppe technisch und wissenschaftlich orientierter Museen. Zu diesen gehören das National Railway Museum, das Museum of Science and Industry und das National Science and Media Museum.

Aktuell werden einige Sonderausstellungen, darunter Engineer Your Future (eine interaktive Ausstellung für Teenager, um über Berufe im Maschinenbau nachzudenken), Robots (Geschichte der Entwicklung des Roboters) und Journeys through Medicine (Medizingeschichte mit Bezug auf Henry Wellcome) sowie verschiedene Dauerausstellungen gezeigt. Letztere reichen von u.a. der Beschäftigung mit der Beschaffenheit unterschiedlicher Materialien (Challenge of Materials) über Weltraumfahrt (Exploring Space) und der ersten Frau im Weltall (Valentina Tereshkova) bis hin zur erst kürzlich eröffneten Ausstellung Mathematics: The Winton Gallery, die auch Gegenstand der weiteren Ausführungen sein wird.

VERNETZTES DENKEN

Die Dauerausstellung Mathematics: The Winton Gallery lädt BesucherInnen ein, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Sie sucht nach Möglichkeiten, Menschen zu inspirieren: durch Objekte und ihre Geschichten, durch Menschen, die damit in Verbindung stehen. Sie versucht zu zeigen, wofür Mathematik benötigt wird, wie das Fach Gesellschaften, Kulturen und die Menschheit verändern konnte und kann. Mathematik wird in Verbindung gebracht mit medizinischen Erkenntnissen, Leben und Tod, Geld, Glücksspiel, Handel, Reisen, Politik und vielem mehr. Sowohl Lebens-, als auch Sammelbereiche werden durch ein übergeordnetes Thema miteinander verbunden.

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Raumansicht Mathematics: The Winton Gallery

Das ist eine Ausstellung, die sich von vielen anderen Ausstellungen in wissenschaftlichen und technischen Museen unterscheidet, weil sie BesucherInnen im Leben abholt, ihnen Gedanken und Ideen mit auf den Weg gibt. In vielen Ausstellungen sind die dort vorgestellten Inhalte auch von zu Hause aus gut (und vor allem bequem) zu erarbeiten. Diese aber zeigt Verbindungen auf, die abseits vom Museum nicht leicht angeeignet werden können. Sie entlässt mit dem Wunsch mehr zu erfahren und nachzulesen, was vor Ort keinen Platz hatte.

All das führt schließlich zu der Frage, was Museen in einer vernetzten Welt, in der Informationen relativ schnell abgerufen werden können und (Wissens-) Austausch verhältnismäßig leicht und schnell ermöglicht wird, leisten müssen oder sollen. Wissen nicht nur zu reproduzieren, sondern in welcher Art auch immer zu verbinden und weiterzuführen, ist möglicherweise ein erster Lösungsansatz.

FAZIT

Ich habe wieder einmal erlebt, dass ich, um mich zu einem Museum oder einer Ausstellung positionieren zu können, mindestens einen halben Tag vor Ort verbringen, darüber nachdenken und im besten Fall auch darüber sprechen muss. Insofern träume ich von einer Rückkehr nach London, um zumindest das Science Museum, das IWM London und die Wellcome Collection noch einmal besichtigen zu können.

Das IWM London und die Wellcome Collection dürften für mich noch eingiges an Ideen und Überraschungen bereit halten. Die Mathematik-Galerie im Science Museum dagegen sei all jenen empfohlen, die mit dieser Disziplin bisher nichts anfangen konnten. Sie könnte tatsächlich Perspektiven auf das Fach ändern. Wer sich unmittelbar mit Mathematik verbundene Objekte, Informationen und Fakten erhofft, wird hier aber nicht auf seine Kosten kommen.

– Text von K. –

 

Das Internationale Manga-Museum Kyoto, Kyoto

ALLGEMEINES

Das Internationale Manga-Museum Kyoto liegt, wie der Name schon vermuten lässt, in einem ehemaligen Schulgebäude Kyotos in der Nähe einer der bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt, der Nijo-Burg. Von dort aus ist das Museum leicht in einem 10-minütigen Fußmarsch zu erreichen.

Vorderansicht des Museums

Es entstand als Projekt der Stadt sowie einer ihrer Bildungsinstitutionen, der Kyoto Seika Universität, und eröffnete 2006. Seine Sammlung umfasst mittlerweile über 300.000 Objekte, die von Holzschnitten mit Karikaturen aus der Edo-Periode (Beginn Anfang 17. Jahrhundert) über Magazine der Meiji-Ära (1868-1912) bis in die Gegenwart zu verschiedensten Publikationen weltweit reichen.

Zu den Aufgaben des Museums zählen nicht nur übliche, mit Museen häufig assoziierte Arbeitsfelder (sammeln, bewahren, ausstellen). Auch dient die Institution der Forschung, der Wissensvermittlung aktueller Forschungserkenntnisse auf diesem Gebiet durch Ausstellungen, Seminare, Workshops und anderen Events sowie als Bibliothek. Das Lesen eines Großteils der Exponate vor Ort ist hier nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Die Website des Museums ist zweisprachig. Informationen zum Museum, seinen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen, Veranstaltungen und anderen Angeboten sowie dem dazugehörigen Shop und Restaurant können hier auf Japanisch und Englisch nachgelesen werden. Außerdem gibt es eine Online Datenbank mit der zumindest ein Teil der museumseigenen Sammlung auch auf diesem Wege zugänglich ist.

ERFAHRUNGSBERICHT

Mein letzter Tag in Japan: Bereits am Nachmittag sollte ich mit dem Shinkansen zurück nach Tokyo und von der Shinagawa Station mit den passenden Verbindungen zum Flughafen Haneda fahren. Ich hatte also kaum Zeit, war an diesem Tag aber früh aufgestanden, da ich ein letztes Mal das Frühstück des Hotels in Anspruch nehmen wollte (Ich wohne sonst nie in Hotels. Die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen) und bereits am Vormittag zum Check-Out musste (Tipp: Am Bahnhof in Kyoto gibt es ausreichend Schließfächer, um auch großes, sperriges Gepäck gegen einige Münzen sicher zu verwahren. Wer also nur durchreist, Kyoto aber besichtigen will, muss das Gepäck nicht bei sich tragen).

Prinzipiell war das ganz gut so. Doch wie die letzten Stunden nutzen? Zwar gab es in Kyoto den Aussichtsturm, den futuristischen Bahnhof, die Altstadt, Tempel und einige Museen, doch hatte ich diese Attraktionen entweder schon besichtigt, oder konnte die Aktivität zeitlich nicht unterbringen. Nach kurzer Recherche entschied ich mich für das Manga-Museum. Über dieses hatte in meinem Reiseführer gelesen. Es schien klein zu sein und war vom Bahnhof via JR Line und einem kurzen Gehweg gut zu erreichen.

Der einzige Weg in und aus dem Museum führte mich durch den Museumsshop. Gleich im darauf folgenden Raum waren verschiedensten Ländern zugeordnete Manga und Comics in Regalen ausgestellt. Es gab bereits hier einige Sitzmöglichkeiten, um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, Bücher Magazine und Hefte zu entnehmen und zu schmökern (Hinweis: Die meisten Hefte, Magazine und Bücher waren auf Japanisch. Wer lesen möchte, sollte also Japanisch-Kenntnisse mitbringen).

Zu sehen waren, verteilt auf drei Ebenen, verschiedenste Manga. Im zweiten Stock gab es außerdem die Hauptgalerie. Präsentiert wurden hier einerseits „Meisterstücke“ von 1945 bis 2005. Andererseits erhielten BesucherInnen auch Informationen zum Zusammenhang von Manga und Anime, Kommerz, zur Herstellung von Manga oder grundlegenden Zeichenprinzipien.

Raumansicht Hauptgalerie

Weiters gab es einen großen hellen Leseraum, Vitrinen mit Spielzeugen für Mädchen, einen Bereich in denen Gusshände verschiedener Manga-KünstlerInnen mit Unterschriften ausgestellt waren, einen Raum mit Künstlern, die heute als Pioniere des Manga gelten, ein Zimmer, in dem die Geschichte des Gebäudes gezeigt wurde, einen Platz, um zu zeichnen sowie einen Bereich für Kamishibai-Performances (Kamishibai ist eine mit Illustrationen arbeitende Form japanischen Straßentheaters).

Alles in allem verging die Zeit auch in diesem kleinen Museum sehr schnell. Sogar ich konnte das Museum in nur drei Stunden besichtigen, muss dem aber hinzufügen, dass ich die meisten dort ausgestellten Manga nicht einmal hätte lesen können. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich auch in diesem Museum mehr Zeit verbracht.

BESONDERHEITEN

Von Bibliotheken, Texten und Kunst

Dieses Museum war nicht nur ein Museum. Die Institution lud durch entsprechende Gestaltung der Räumlichkeiten ein, länger zu verweilen und zu lesen. Viele der Ausstellungsobjekte waren Hefte, Magazine und Bücher, die vor Ort entnommen werden konnten, was mehr an öffentliche Lesesäle in Bibliotheken als an Museen erinnerte.

Interessanterweise waren Texte hier kaum Ausstellungsobjekte, obwohl ich das von einem solchen Museum erwartet hätte. Texte schienen hier – anders als in einem Literaturmuseum – auch gar nicht im Mittelpunkt zu stehen. Doch worum ging es dann?

Im Nachhinein betrachtet, lag der Fokus wohl eher auf Manga als Kunstform. Immerhin gab es zwei Räume, die sich Manga-KünstlerInnen und einer Theaterform, die von Bildern, Illustrationen und Zeichnungen abhängig war, widmeten. Ein anderer Bereich wiederum sollte BesucherInnen selbst die Möglichkeit geben zu zeichnen. Auch war die Rede hauptsächlich von „KünstlerInnen“, nie aber von beispielsweise Zeichnern oder Illustratoren.

FAZIT

Das Museum ist allen zu empfehlen, die Manga mögen. Wer sich allerdings nicht für Kontextinformationen interessiert und einfach nur lesen will, ist gut beraten vor einem Besuch die japanische Sprache zu meistern (Viel Glück damit!). Wen historische und sozialwissenschaftliche Fakten zum Thema Manga interessieren, wird hier auch ohne Japanisch-Kenntnisse fündig.

– Text von K. –

Das Edo-Tokyo-Museum, Tokyo

ALLGEMEINES

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Edo-Tokyo-Museum: Frontansicht

Das Edo-Tokyo-Museum liegt im Stadtteil Ryogoku, Sumida und eröffnete im März 1993. Das historische Museum fokussiert in seiner Dauerausstellung auf die Stadtentwicklung Tokyos der letzten 400 Jahre. Gezeigt werden sowohl Originale, als auch Replika und Modelle. Außerdem gibt es mehrmals im Jahr Sonderausstellungen und andere Veranstaltungen, wie beispielsweise themenrelevante Workshops.

Das Museum gilt seit seiner Eröffnung als Touristenattraktion und versucht zudem Ort des Austauschs, der Ruhe und regionaler Förderung zu sein. Weitere Informationen zum Museum, seinen Richtlinien, zu Dauer- und Sonderausstellungen, zu Öffnungszeiten oder Eintrittspreisen können einer fünfsprachigen Website – darunter auch Englisch – entnommen werden.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum – ich reiste via U-Bahn mit der Oedo Line an und stieg in der Station Ryogoku aus – war leicht zu finden (Tipp: Gehört man zu jenen TouristInnen, die gerne möglichst viele Aktivitäten in einen Tag packen, empfiehlt sich bei einem Kurzbesuch des Museums auch die Erkundung dieses Stadtteils. Hier befinden sich nämlich u.a. der größte Austragungsort des Sumo-Ringens, Kokugikan, ein Sumo-Museum ein öffentliches Bad und die Villa des Fürsten Kira. Letzterer könnte aus der Geschichte der 47 Ronin bekannt sein). Bereits am Ausgang der Station waren Tafeln, auf denen das Museum angeschrieben war, aufgestellt. Um auch nicht in die falsche Richtung gehen zu können (man könnte ja meinen, die Tafeln seien nur aufgestellt, um die Aufmerksamkeit potenzieller BesucherInnen zu ergattern oder sie aber von der Richtigkeit der Wahl des U-Bahnausganges zu überzeugen) waren zusätzlich große Pfeile angebracht. Ich folgte also Pfeilen und Beschilderung. Als ich das Ziel erreicht hatte, hielt ich inne: Das Gebäude war beeindruckend. Es war nicht nur groß, sondern unterschied sich auch architektonisch von den Bauwerken der Umgebung. Zudem stand es freier als diese und konnte so auf Passanten wirken. Es schien über allem zu schweben. Dieses Museum wäre auch ohne Wegweiser kaum zu übersehen gewesen.

Bevor ich die tatsächlichen Ausstellungsräume überhaupt betreten konnte, war eine Treppe zu überwinden, die auf einen ebenfalls sehr großen und weiten Platz führte. Dort waren im Außenbereich auch gleich Tickets für Dauer- und Sonderausstellung zu kaufen. Ich wollte die Dauerausstellung sehen. Vom Ticketschalter aus ging es dann via Rolltreppe im Außenbereich des Gebäudes durch eine Röhre ins eigentliche Museum.

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Platz vor dem Museum. Die Rolltreppe in Rot.

Die Wände waren mit lebensgroßen Abbildungen von JapanerInnen in der Kleidung unterschiedlicher Epochen geschmückt. Dann, endlich im Museum angekommen, wurden Tickets kontrolliert, konnten aber nicht erworben werden. Auch stellte ich erst hier fest, dass Garderoben und Spind in einem anderen Bereich des Museums waren, den ich auf dem Weg gar nicht passiert hatte.

Da ich erst gegen 13:00 im Museum angekommen war, wollte ich keine Zeit mit der Suche nach Abgabemöglichkeiten für Jacke und Rucksack verschwenden und entschied mich daher alles bei mir zu tragen. Weil meine Kamera im Gepäck war, sollte sich das später als vorteilhaft herausstellen. Im Museum gab es viele beeindruckende und zum Teil lebensgroße Modelle, die ich gerne fotografierte. Fotografiert werden, durfte im Übrigen alles – ohne Blitz. Ausnahmen wurden extra gekennzeichnet.

Was sofort positiv auffiel, waren Orientierungshilfen und die Mehrsprachigkeit des Museums. Gleich zu Beginn waren Folder in mehreren Sprachen erhältlich. Diese enthielten wesentliche Informationen einerseits. Andererseits waren die Räumlichkeiten abgedruckt und inhaltlich gekennzeichnet. Ein solcher Lageplan fand sich auch unmittelbar vor dem Gang, der zu den ersten Exponaten führte. Ebenfalls überraschend war die Möglichkeit gratis Führungen  in verschiedensten Sprachen (was engagierte ehrenamtliche MitarbeiterInnen erst ermöglichten): Japanisch, Englisch, Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Deutsch und Spanisch (Tipp: diese Führungen werden nur von 10:00 bis 15:00 angeboten. Es empfiehlt sich außerdem im Voraus eine Führung zu vereinbaren, da nicht ständig Führungen in all diesen Sprachen angeboten werden können).

Die Exponate befanden sich in einer riesigen Halle auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene, die schnell durchgangen war, wurde die Geschichte des Edo-jo, der größten Burg Japans und Sitz des Tokugawa-Shoguns, sowie die damalige Bezirksentwicklung dargestellt.

Die zweite Ebene war in eine „Edo Zone“ sowie in eine „Tokyo Zone“ unterteilt. Letztere begann mit der Meiji-Ära, deren Anfang mit 1868 definiert wird, und endete in der Gegenwart. Die Edo-Periode, die Anfang des 17. Jahrhunderts beginnt, widmete sich dem alltäglichen Leben der BewohnerInnen Edos jener Zeit, Kommerz, ästhetischen Prinzipien, Informationskanälen und vielem mehr. Getrennt wurden die beiden Bereiche durch eine Fläche mit Sitzmöglichkeiten und den Museumsshop.

Auch hier wurde ich – wieder einmal – mit meinem üblichen Problem in Ausstellungen und Museen, die mich thematisch interessieren, konfrontiert: Zeitmangel! Ich wollte nicht lange bleiben bzw. wenigstens die gesamte Dauerausstellung in nur 4,5 Stunden sehen, da das Museum dann schließen würde. Nach drei Stunden hatte ich die Bereiche zu Edo gesehen. Dabei hatte ich durchaus versucht, mich zu beeilen! Die restliche Zeit verbrachte ich im Museumsshop und mit wenigen Kapiteln der Tokyo Zone.

BESONDERHEITEN

Mehrsprachigkeit – Das Non Plus Ultra für TouristInnen

Wie bereits weiter oben erwähnt, wurde Multilingualität in diesem Museum groß geschrieben. Einerseits wurden gratis Führungen in verschiedensten Sprachen – nämlich  auf Japanisch, Englisch, Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Deutsch und Spanisch – angeboten. Andererseits waren die meisten Texte vor Ort nicht nur auf Japanisch, sondern auch auf Englisch verfasst. Für ein Museum, das als Touristenattraktion gilt und deswegen auch mit BesucherInnen, die kein Japanisch sprechen, zu rechnen hat, ist das unverzichtbar (wobei ich der Meinung bin, dass es sich in Bildungsinstitutionen, die auch dem Austausch dienen, prinzipiell lohnt mehrsprachig zu denken, zu sprechen und zu handeln, um möglichst viele Personen auch tatsächlich erreichen zu können – egal, ob das nun UrlauberInnen sind oder nicht).

Spannend war allerdings, dass einige der Texte mittels im Raum angebrachter Computer und Touchscreen auch in anderen Sprachen zu lesen waren.

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Computer mit Touchscreen neben regulären Beschriftungen

Diese Computer gab es fast überall. Jene Informationen, die unmittelbar auf Tafeln verschiedene Bereiche und Exponate auf Japanisch und Englisch erklärten, konnten so auch in neun weiteren Sprachen gelesen werden.

Zwar war ich von diesem Angebot positiv überrascht und auch beeindruckt, doch ertappte ich mich öfters dabei, von Text zu Text zu wandern – es gab unglaublich viel zu lesen – statt die dort ausgestellten Objekte zu betrachten. Erst als ich kaum mehr in der Lage war, Informationen in Textform aufzunehmen, begann ich, mich auf die Objekte einzulassen und überhaupt zu sehen, was sich im Raum befand. Diesbezüglich gab es allerdings Ausnahmen: Lebensgroße Modelle waren, ebenso wie Miniaturmodelle, die direkt auf dem Weg zum nächsten Text aufgestellt sind, schwer zu übersehen.

Seither frage ich mich, wie viel Text ein Museum benötigt: Macht es immer Sinn BesucherInnen textliche Informationen zu geben? Natürlich entspricht das unseren Sehgewohnheiten und unseren Erwartungshaltungen. Wir gehen in ein Museum. Wir sehen Objekte. Wir erhalten in schriftlicher Form weitere Informationen zu diesen Objekten und zu den Bereichen und Räumen, denen sie zugeordnet werden. So kontextualisieren wir, was wir gezeigt bekommen. Was wäre aber, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden würden? Könnte es Ausstellungen geben, die vom Mangel oder gar von der Abwesenheit diverser Texte profitieren könnten? Und sollten wir uns für Texte entscheiden, in welchem Ausmaß fordern wir welche Informationen? Um zu lesen, muss schließlich niemand eine Ausstellung besuchen. Die Auseinandersetzung mit Texten in Museen ist wahrscheinlich widersprüchlich. Klare Antworten gibt es kaum und sie sind wohl auch immer abhängig vom Kontext: Ort, Inhalt, Zeit, Menschen, individuelle Vorlieben.

Modelle, Modelle, Modelle – Was noch?

Zwar wird auf der Website des Museums kurz erwähnt, dass sowohl Originale, als auch Nachahmungen ausgestellt werden und die Sammlung außerdem über 590.000 Objekte fasst, doch kann ich mich leider kaum an die Objekte erinnern. Ein Grund hierfür ist natürlich diese unglaubliche Menge an Texten (ich gebe zu, ich hätte nicht versuchen müssen ALLES zu lesen). Der andere Grund sind die dort ausgestellten Modelle.

Ja, Modelle sind auch Objekte, die ausgestellt werden können. In einem historischen Museum hätte ich nur nicht damit gerechnet, hauptsächlich auf kleinste, sehr detailreiche Nachbauten verschiedener Gebäude zu stoßen. Andere Modelle, wie beispielsweise der Nachbau eines Kabuki-Theaters basierend auf historischen Quellen, sind lebensgroß und könnten begangen werden.

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Nachbau des Kabuki-Theaters

BesucherInnen erhalten außerdem die Möglichkeit auszuprobieren wie schwer beispielsweise die Last eines Fischverkäufers durchschnittlich war. Hier dürfen also einige Dinge angefasst und gehoben werden. Was mit Originalen auch aus im Hinblick auf Bewahrung der Gegenstände und Restauration nicht möglich ist, wird mit Hilfe von Modellen in diesem Punkt also ermöglicht. Auch ist die Liebe zum Detail jedes einzelnen Modells faszinierend und bereitet Freude.

Auch konnte ich wieder Fragen aus dem Museum mitnehmen, weil meine üblichen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Wie ist das nun mit den Texten in Museen? Und welche Objekte hätte ich denn in einem historischen Museum erwartet? Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Aber ich plane, mir in naher Zukunft weitere (stadt-)historische Museen anzusehen, um vergleichen zu können und möglicherweise sogar Antworten auf meine Fragen zu finden. Ich werde berichten…

FAZIT

Auch dieses Museum ist einen Besuch wert – vorausgesetzt man bringt entweder Interesse an der Entwicklung Tokyos, oder aber Liebe zu Modellbauten mit. Auch im letzteren Fall könnten BesucherInnen auf Ihre Kosten kommen. Wie intensiv man sich mit den Inhalten der Dauerausstellung auseinandersetzen will, ist jedem selbst überlassen. Wer durcheilt und nur hier und da stehen bleibt, wird wahrscheinlich bis zu zwei Stunden (Museumsshop inklusive) für einen Besuch benötigen. Wer Museen so besucht wie ich, sollte besser einen Tag für die Besichtigung der Dauerausstellung einplanen.

– Text von K. –