Mit Haut und Haar, Wien Museum Karlsplatz

ALLGEMEIN

Der erste Vorläufer des heutigen Wien Museums, das Historische Museum der Stadt Wien, eröffnete 1888  im damaligen Rathaus. Bereits 1900 thematisierte der Gemeinderat Wien aber einen Neubau des Museums, da die architektonischen Rahmenbedingungen nur bedingt als Ausstellungsort geeignet waren und zudem nicht ausreichend Raum für Exponate zur Verfügung stand. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dieses Vorhaben dann realisiert. Das Wien Museum Karlsplatz, damals noch unter anderem Namen, eröffnete 1959 am heutigen Standort (siehe WAISSENBERGER, Robert [Hg.] 1984: Schausammlung. Historisches Museum der Stadt Wien).

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Heute verfügt das Wien Museum über verschiedenste Standorte. Zu diesen zählen neben dem Museum am Karlsplatz, u.a. auch das Uhrenmuseum, das Römermuseum oder das Pratermuseum sowie diverse Musikerwohnungen, wie z.B. Schuberts Geburtshaus oder dessen Sterbewohnung.

Neben der Dauerausstellung zeigt das Wien Museum Karlsplatz regelmäßig Wechselausstellungen. Die Räumlichkeiten für diese befinden sich im Erdgeschoß in unmittelbarer Nähe zu Kassa und Museumsshop, der Zugang ist nicht zu übersehen.

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MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN.

Die Sonderausstellung MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN eröffnete am 19. April 2018 und ist bis zum 6. Januar 2019 anberaumt. Thematisiert werden Praktiken und Bedeutungen der Körperpflege seit dem 18. Jahrhundert, wobei der Fokus auf frisieren, rasieren und Kosmetik in Wien liegt. Prämisse ist außerdem, dass die Gestaltung des Körpers eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit ist und Körper immer auch kulturell geformt werden.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Freitag Vormittag im Museum bedeutet meistens relativ leere Räumlichkeiten und damit ausreichend Platz, um in aller Ruhe Texte lesen und Objekte betrachten zu können. Großartig! Nach zwei Stunden hatte ich gesehen, was ich sehen wollte, sämtliche Ausstellungstexte gelesen und war total begeistert, ohne genau zu wissen, was mich an dieser Ausstellung so faszinierte.

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Raumansicht – Kapitel 2 „Arbeit am Körper“

Ursprünglich wollte ich daher auf einen Blogeintrag verzichten – möglicherweise hatte ich ja einfach nur einen guten Tag, wollte nicht analysieren und meine Meinung nicht begründen. Trotzdem griff ich zum Tagebuch, um mir für den Fall der Fälle wenigsten Notizen zu machen. Im Schreiben fand ich meine Antworten: Den AusstellungsmacherInnen von Mit Haut und Haar war es gelungen, den Fokus auf Objekte zu legen, statt Objekte zur Illustration von Ausstellungstexten zu verwenden. Diesen Ausstellungsbesuch hatte ich daher hauptsächlich in der Auseinandersetzung mit Objekten, nicht aber im Lesen von Texten verbracht.

DAS VERHÄLTNIS VON TEXT ZU OBJEKT

Die Auseinandersetzung mit Texten im musealen Bereich beschäftigt mich bereits seit den letzten Einträgen: Im Haus der Geschichte Niederösterreich, waren mir die Texte zu banal, während mich im naturhistorischen Museum der Stadt Genf die Einsprachigkeit ärgerte. Im Zusammenhang mit der Sonderausstellung Zwischen den Kriegen im Schlossmuseum Linz freute ich mich in Folge zumindest über die Umsetzung von Mehrsprachigkeit in kleinen Ausstellungen. Was mir hier deutlichst vor Augen geführt wurde, ist die schiere Textmenge mit der BesucherInnen in Ausstellungen oft konfrontiert werden. Oft habe ich den Eindruck, dermaßen viel Text bewältigen zu müssen, dass ich vom eigentlichen Museumsbesuch nichts habe, weil ich permanent lese. Oder aber ich stehe in einer Ausstellung, suche nach Informationen, finde einen viel zu kurzen Bereichstext, knappe Objektlabels und darf mich dann fragen, was die Gesamtkonstruktion eigentlich soll. In Mit Haut und Haar dagegen findet einen Mittelweg und arbeitet v.a. mit drei klar strukturierten Textebenen: 1) Ausstellungstext, 2) Kapiteltexte und 3) Objekttexte.

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Raumansicht – Kapitel 4 „Körperzeichen“

1) Der Ausstellungstext ist direkt am Eingang zu den Räumlichkeiten angebracht. Noch bevor BesucherInnen Objekte überhaupt sehen, oder sich mit Inhalten auseinandersetzen können, wird hier erklärt, wovon die Ausstellung erzählt. Auch wird sogleich der Aufbau durch Bekanntgabe der einzelnen Kapitel offengelegt.

2) Insgesamt gibt es in der Ausstellung vier Kapitel, die jeweils von sehr kurzen Texten eingeleitet werden, den Fokus legen, damit natürlich den Blick des Publikums lenken und Interpretationsmöglichkeiten anbieten, gleichzeitig aber die Objekte kontextualisieren. Letztere sind 3) natürlich auch beschriftet. Informationen, die die Objekte begleiten, sind u.a. Objekttitel, Datierung und Provenienz bzw. LeihgeberIn.

FAZIT

Da die Texte knapp gehalten wurden, gleichzeitig aber ausreichend Informationen gaben, war ich nicht gezwungen übermäßig viel zu lesen, konnte mich aber zwei Stunden lang an Objekten, der Ausstellungsgestaltung und dem strukturierten Aufbau erfreuen. Was mir später jedoch klar wurde, war, dass ich kaum neue Inhalte oder Anreize mitgenommen hatte. Dass Körper kulturell formbar und historisch wandelbar sind, wusste ich bereits.

Fairerweise muss ich anmerken, dass das aber durchaus mit meinem persönlichen Hintergrund, meinem früheren Studium der Kultur- und Sozialanthropologie und entsprechenden Schwerpunktlegungen zu tun haben könnte. Dennoch vermute ich, dass dieser Umstand zumindest teilweise dem Weniger an Texten geschuldet ist: Weniger Text bedeutet eben auch, BesucherInnen weniger Theorien und Hintergrundwissen präsentieren zu können.  Allerdings sind die Möglichkeiten eines Museums begrenzt. Wer lesen will, kann das auch zu Hause tun – v.a. wenn das Thema interessiert. Insofern eine gelungene Ausstellung!

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Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938, Schlossmuseum Linz

ALLGEMEIN

Das Schloss wurde 799 erstmal in einer Urkunde erwähnt, diente im Laufe der Jahrhunderte als Wohnsitz, Militärspital, Provinzialstrafhaus und Kaserne, bis die Stadt Linz 1952 die kulturelle Verwendung des Gebäudes und 1963 dessen ausschließliche Nutzung als Landesmuseum beschloss. Die Eröffnung des Schlossmuseums Linz – Oberösterreichisches Landesmuseum fand schließlich 1966 statt. IMG_20180429_101715

Heute zeigt das Museum auf einer Fläche von über 10.000m2 Fläche Dauerausstellungen zu Oberösterreichs Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte. Sonderausstellungen greifen aktuelle regionale und internationale Themen auf. Seit dem 2. Februar 2018 präsentiert das Schlossmuseum Linz die Sonderausstellung „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938„. Diese ist noch bis zum 13. Januar 2019 zu besichtigen und Gegenstand dieses Eintrags.

ERFAHRUNGSBERICHT

Die Sonderausstellung befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes. Um dorthin zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten. BesucherInnen können entweder durch einen Teil der Dauerausstellungen gehen, oder aber mit dem Lift bequem ins untere Geschoss fahren. Dort begrüßt eine große Texttafel alle Ankommenden auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Wer den Museumsbesuch von hier aus im Jahr 1918 beginnen will, geht zunächst einen Gang entlang und biegt an dessen Ende links ab. Zu sehen sind hier bereits einführende Ausstellungselemente. Auch ein fiktiver Charakter, ein Heimkehrer aus dem ersten Weltkrieg, wird hier vorgestellt. Dieser führt teilweise durch die Ausstellung und gewährt durch seine Biografie sowie jene seiner Familie Einblick in Menschenleben dieser Zeit. IMG_20180429_103831

Biegen BesucherInnen dagegen gleich zu Beginn dieses Gangs links ab, startet die Ausstellung mit Österreichs Anschluss an Nazi-Deutschland und Hitlers Einmarsch in Linz.

Der Aufbau der Ausstellung ist chronologisch, wobei sich jeder Raum außerdem einem oder mehreren Themen widmet, die besonders gut in bestimmte Perioden der Jahre 1918 bis 1938 zu passen scheinen. So sind im ersten Raum, der sich mit Kriegsende, Heimkehr und der Ausrufung der Republik beschäftigt, die Jahre 1918 bis 1924 zentral. Der zweite Raum dagegen thematisiert den wirtschaftlichen Aufschwung der 1920er und zeigt beispielsweise Neuheiten in Mode, Technik und Tourismus.

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Blick durch die Räumlichkeiten der Ausstellung ausgehend von Raum 2

Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit der Wirtschaftskrise und antidemokratischen Kräften, wo vor allem auf die unterschiedlichen Parteien eingegangen wird. Die Zeitleiste dieses Bereichs, der im Übrigen zwei Räume und einen kleinen Vermittlungsbereich umfasst, beginnt mit 1930 und endet vier Jahre darauf. Niedergang und Ende der Demokratie beschließen mit einer Zeitleiste von 1935 bis 1938, entsprechenden Objekten und Texten schließlich die Sonderausstellung.

BESONDERHEITEN

GEGEN DIE EINSPRACHIGKEIT

In meinem letzten Blogeintrag „Naturhistorisches Museum der Stadt Genf“ habe ich mich über die Einsprachigkeit in öffentlichen Museen des 21. Jahrhunderts geärgert – v.a. bei gleichzeitiger Betonung der globalen Relevanz diverser Museumsinhalte. Die Vermittlung dieser hat nämlich keine Bedeutung, wenn sie auf Grund sprachlicher Schwierigkeiten nicht verstanden werden kann.

Umso größer meine Freude gleich zu Beginn dieses Ausstellungsbesuchs: Zwar sind sämtliche Texte in der Ausstellung – wahrscheinlich auch aus Platzgründen – ausschließlich auf Deutsch angeführt, doch werden für BesucherInnen Hefte mit den gleichen Texten auf Englisch und Tschechisch angeboten. Die Broschüren sind unmittelbar beim ebenfalls dreisprachigen Einführungstext gratis zu entnehmen.

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Text zur Ausstellung auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Die Broschüren enthalten die Ausstellungstexte auf Englisch und Tschechisch.

Für eine Dauerausstellung mag das keine passende Lösung sein, doch ist diese Variante Mehrsprachigkeit im Museum zu etablieren für eine Sonderausstellung in dieser Größenordnung eine absolut akzeptable und pragmatische Lösung.

FAZIT

Die Ausstellung hat mich im Zusammenhang mit Inhalten oder Präsentationsarten kaum überrascht: Die Inhalte entsprechen letztendlich dem üblichen Schulstoff, ergänzt um einige Objekte. Der Aufbau ist streng chronologisch und übersichtlich. In den einzelnen Räumen werden, wie oben beschrieben, überdies auch Themenschwerpunkte gelegt, die zum linearen Ablauf der musealen Erzählung passen. Auf Grund der zahlreichen Verbindungen zwischen Ausstellungsmaterialien sowie der Stadt Linz und Oberösterreich ist „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938“ für BesucherInnen mit regionalem Bezug wahrscheinlich spannender. Auch für Schulklassen könnte diese Ausstellung eine interessante Vertiefung des aktuellen Schulstoffs darstellen. Alles in allem bin ich daher froh, die Ausstellung gesehen zu haben, muss aber kein zweites Mal hin.

Haus der Geschichte Niederösterreich, St. Pölten

ALLGEMEIN

Das Haus der Geschichte Niederösterreich (HGNÖ) ist gemeinsam mit dem Haus der Natur Bestandteil des Museums Niederösterreich in St. Pölten. 2014 begannen die konzeptionellen Arbeiten am HGNÖ. Dabei wurden auch die wesentlichen Richtlinien für Ausstellung, Forschung und Service beschlossen. Das Museum eröffnete schließlich im Herbst 2017.IMG_20180404_113734

Der Fokus des HGNÖ liegt auf der Geschichte Niederösterreichs, Österreichs sowie Zentraleuropas, startet mit der ersten Besiedlung der Region und endet in der Gegenwart mit Fragen nach der Zukunft. Besondere Aufmerksamkeit wird aber historischen Entwicklungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewidmet. In diese Ausstellung sollen im Sinne einer Exhibition in Progress regelmäßig neue Forschungsergebnisse eingearbeitet werden.

Neben dieser Dauerausstellung gibt es einen Bereich für Sonderausstellungen. Die derzeitige Schwerpunktausstellung „Die umkämpfte Republik“ thematisiert die Entwicklung der Republik Österreich und ist noch bis März 2019 zu sehen. Gegenstand dieses Blogeintrags ist aber ausschließlich die geschichtliche Dauerausstellung.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ich verbrachte zwei Nachmittage im HGNÖ, wobei zwischen diesen Besuchen mehrere Monate lagen. Das erste Mal war ich kurz nach Eröffnung des Hauses im September 2017 in St. Pölten, gefolgt von einem weiteren Aufenthalt Mitte März im darauffolgenden Jahr. Die Eindrücke meiner ersten Besichtigung bestätigten sich durch den wiederholten Gang durch die Ausstellungsräumlichkeiten. Die wesentlichsten seien hier angeführt:

1) Sehr viel Inhalt auf sehr kleinem Raum. Im ersten Moment erschlagen von der Fülle, an Objekten und Texten vorbei, doch noch einen Weg findend, irrte ich durch das EG ins OG und musste feststellen, dass Farbcodes nicht ausreichen, um dermaßen umfangreichen Stoff auch nur annähernd im Raum zu strukturieren, Wege zu definieren oder zumindest einen roten Faden erkennen zu lassen.

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Mehr räumlicher Überblick als hier ist stellenweise nicht möglich.

2) Texte, Ausstellungsgestaltung und Vermittlung für Kinder. Vieles im HGNÖ erweckte den Eindruck eigentlich Kinder, nicht aber deren erwachsene Begleitung ansprechen zu wollen. Sämtliche Texte und Illustrationen versetzten mich unwillkürlich zurück in den Sachkundeunterricht meines 8. und 9. Lebensjahres, in denen ich von der Geschichte meiner Heimatstadt lernen durfte. Einfache Sprache, einfache Bilder… Nichts, das ich nicht ebenso gut in komplexer, detaillierte Ausführung zu Hause auf der Couch hätte lesen können. Tatsächlich werden Familien sowie Schulklassen, also Kinder, als primäre Zielgruppe genannt. Ich behaupte aber, auch Kindern ist mehr zuzutrauen, als banale Sätze auf buntem Hintergrund und absurde Vermittlungsspielchen, bei denen Wissen zwar reproduziert, nicht aber hinterfragt wird, zu verstehen.IMG_20180404_114500

3) Objekte haben mit dem Ausstellungsthema nichts zu tun. Beispielsweise ist eine Guy Fawkes-Maske im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hierarchien im Mittelalter ausgestellt. BesucherInnen erfahren dort einiges über die Ständeordnung und damit verbundene Lebensentwürfe. Was eine Maske, die Symbol für politischen Widerstand ist, dort zu suchen hat, ist mir ein Rätsel. Sie wird zudem mit keinem Wort erwähnt.

Ein zweites Beispiel ist ein kleiner Bereich im Erdgeschoss, der sich der Wissenschaft vom Körper, Volksfrömmigkeit und dem damit verbundenen Umgang beispielsweise in Krankenfällen widmet. Der Bereich ist gut aufgebaut. Ein Gemälde vereint die beiden Erzählstränge schließlich auch visuell.

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Vitrine zum Thema „Volksfrömmigkeit“

Inmitten verschiedenster Objekte, die sich inhaltlich mit den Texten verbinden lassen, steht allerdings eine Handdruckpresse aus dem 18. Jahrhundert. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Objekt und dem eigentlich darzustellenden Thema.

BESONDERHEITEN

KEINE SAMMLUNG – TROTZDEM EIN MUSEUM?

Ich liebe Sammlungen: Sammlungen sind – so wäre ich bis vor kurzem absolut überzeugt gewesen – das Herzstück eines Museums. So repräsentieren und definieren Sammlungen dessen Forschungs- und Bildungsauftrag und schärfen sein Profil.

Das HGNÖ, das sich explizit als innovatives, lebendiges Museum sieht, sammelt nicht. Die Dauerausstellung besteht ausschließlich aus Leihobjekten, wobei ein Großteil der Exponate aus den Sammlungen des Landes Niederösterreich bezogen wird. Diese Sammlungen verfügen über 6 Millionen Objekte, die den Kategorien Natur, Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte zugeordnet werden und verfolgen das Ziel „materielles Erbe Niederösterreichs und seiner Bevölkerung (…) zu Forschungs- und Bildungszwecken“ (siehe Landessammlungen Niederösterreich, Stand 2. April 2018) zu bewahren, zu dokumentieren und vor allem in Niederösterreichs Ausstellungshäusern und Museen zu zeigen. Das Bewahren und Dokumentieren musealer Objekte wird insofern direkt mit der Sammlung und ihrem Auftrag verbunden. Laut dem International Council of Museums (ICOM) haben auch Museen einem Sammlungsauftrag Folge zu leisten:

„A Museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its developement, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purpose of education, study and enjoyment.“ (siehe ICOM Museum Definition, Stand 2. April 2018)

Insofern ist das HGNÖ kein Museum und wird eher der Eigendefinition eines multimedialen Erlebnisraums gerecht. Dennoch führt diese Auseinandersetzung zwangsläufig zu der Frage nach der Notwendigkeit einer Sammlung, um eine Institution als „Museum“ bezeichnen zu können. In weiterer Folge drängt sich ebenso die Frage auf, was ein Museum war, ist und im 21. Jahrhundert zu sein hat. Der ICOM-Definition zufolge, ist nicht nur die Sammlung ausschlaggebend. Ebenso wird geforscht, kommuniziert, ausgestellt. Wie viele Museen werden heute im Zeitalter diverser Budget- und Personalkürzungen im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich diesem Forschungsauftrag gerecht? Das Tempo, in dem manche Museen in Österreich Ausstellungen produzieren, lässt wirkliche Forschung gar nicht zu. Einer Exhibition in Progress Folge leisten zu wollen, ist daher ein spannender Ansatz, aber schwer umzusetzen.

In Anbetracht aktueller Entwicklungen und der heutigen Vielfalt an Museen (Museen, die nur ein Objekt beherbergen; Museen, die keinem spezifischen Sammlungsauftrag Folge leisten und Museen, die gar nicht sammeln etc.) sowie der Tatsache, das beispielsweise auch ICOM den Begriff „Sammlung“ nur lose definiert, plädiert auch Paul F. Donahue dafür, die Existenz einer Sammlung nicht als Voraussetzung für die Begriffsbezeichnung und Bestimmung heutiger Museen zu machen (siehe Collection = Museum?, Stand 2. April 2018).

Noch bin ich zwar nicht von meinem Standpunkt Sammlungen seien das Herz eines jeden Museums abgekommen, doch frage ich mich seit meiner Beschäftigung mit dem HGNÖ und damit verbunden dem Umgang mit Sammlungen, ob Museen im 21. Jahrhundert über eine solche verfügen müssen, oder ob Sammeln ganz im Sinne Donahues nicht obligatorisch, sondern optional sein sollte.

FAZIT

Es gibt Museen und Ausstellungen, die begeistern. Es gibt solche, die im Grunde nichts wollen, nichts sagen und in Folge nichts bewirken. Und es gibt Museen und Ausstellungen, die im ersten Moment abschrecken, die überfüllt, unübersichtlich, banal erscheinen, all das vielleicht auch sind, mich aber trotzdem nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Das HGNÖ ordne ich der letzten Kategorie zu.

 

National Technical Museum Prague

ALLGEMEIN

Das National Technical Museum (NTM) in Prag wird 1908 gegründet, wobei seine Anfänge durch die Sammeltätigkeit eines Maschinenbaukonzerns bis ins 18. Jahrhundert reichen. Das erste thematisch ähnlich orientierte Museum, dessen Sammlungsbestände z.T. später Eingang in die heutigen Sammlungen des Museums finden, wird mit dem Czech Industrial Museum 1874 begründet. IMG_20180224_101125

In die heutigen Ausstellungsräumlichkeiten übersiedelt das Museum 1990. In den Jahren 2003 bis 2013 wird das Gebäude renoviert. Die ersten fünf Bereiche der Dauerausstellung – nämlich jene Bereiche zu Verkehrsmitteln, Architektur, Astronomie, Druck und Fotografie – sind der Öffentlichkeit aber bereits 2011 zugänglich. Später folgen  Astronomie, Bergbau, Metallurgie, Verfahren der Zeitmessung, Haustechnologien und der Merkur Playroom. Weitere Informationen zu diesen Bereichen sowie ein längerer Bericht zur Geschichte des Hauses finden sich außerdem auf der Website des NTM.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und leicht zu finden: An der naheliegenden Haltestelle verschiedenster Straßenbahnen sind zudem Schilder angebracht, die sowohl zum NTM als auch zu seinem unmittelbaren Nachbarn, dem National Museum of Agriculture, verweisen. Das Museum ist groß genug, um dort einen gesamten Tag zu verbringen. Ich war allerdings nur wenige Stunden, nämlich von 10:00 bis 13:00 dort. Von diesen drei Stunden verbrachte ich eine im Bereich für Verkehrsmittel – was laut eigener Website die beliebteste Dauerausstellung im Museum ist – und ungefähr 1,5 Stunden im Bereich für Haushaltstechnologien, dem eigentlichen Grund für meinen Besuch. Den Rest der Zeit verbrachte ich sowohl mit der Anfertigung von Notizen, als auch im Museumsshop.

Die Halle, in der Verkehrsmittel von den ersten Automobilen mit Dampf- und Verbrennungsmotoren, über Motorräder seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Flugzeuge und Bahntechnik bis hin zu einigen Exponaten und Geschichten im Zusammenhang mit Boot-Transporten ausgestellt sind, war leicht zu finden. Sogar der Herr am Ticketschalter verwies mich wild gestikulierend – sein Englisch konnte ich leider nicht verstehen – dort hin. Außerdem drückte er mir einen Lageplan des Museums in die Hand, von dem ich später feststellen musste, dass ich auf Grund der Sprache keine der Beschriftungen lesen konnte. Jede Etage, jeder einzelne Bereich war zwar adäquat, doch leider nur auf Tschechisch gekennzeichnet.

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Der I. Stock

Da jene Angestellten, die ich nach den Household Appliances fragte und die mich entweder nicht verstanden, oder nicht antworten konnten, verließ ich mich schließlich auf meine nicht vorhandenen Tschechisch-Kenntnisse und schlussfolgerte, dass der Bereich Technika V Domácnosti wohl in irgendeiner Form mit Haushalt zu tun haben müsste, was schließlich auch stimmte. Abgesehen davon sind aber sämtliche Raum-, Bereichs- und Objekttexte auf Tschechisch und auf Englisch angebracht.

BESONDERHEITEN

Verkehrsmittel im NTM

Die Ausstellungsordnung der Objekte in der Halle mit den Verkehrsmitteln folgt üblichen und nachvollziehbaren Prinzipien. Im EG befinden sich große, schwere, sperrige Exponate, wie Zugabteile, Automobile und ein Boot. Im ersten Stockwerk werden Motorräder, gefolgt von mit Flugtransport in Verbindung stehenden Objekten in der zweiten sowie Fahrrädern und den Wassertransport thematisierende Dinge in der dritten Etage gezeigt. Von der Decke baumeln einige Flugzeuge sowie ein Heißluftballon. IMG_20180224_111310Zweitens hatte diese Ordnung ihren Preis. Überall im Raum waren Schilder angebracht, die dem Publikum vorschrieben, in welche Richtung zu gehen war. Sogar Einbahnstraßen waren entsprechend gekennzeichnet.NTM VerkehrsschilderAb dem ersten Stockwerk konnte ich das nachvollziehen, da ich in jeder Etage an der Wand entlang die Halle umrundete. Links von mir befanden sich Objekte und Texte. Rechts von mir hatte ich stets freien Blick auf die Halle unter mir. Die Gänge waren teilweise sehr schmal. Hier Richtungen vorzugeben, trägt an stark besuchten Tagen wahrscheinlich wirklich zur Sicherheit der Besucherinnen und Besucher bei. Im EG hatte ich dafür jedoch kein Verständnis: Ich suche mir meine Wege gerne selber – auch im Museum.

Haushaltstechnologien

Einen Großteil meines Aufenthalts verbrachte ich in jenem Bereich, der den Haushaltstechnologien gewidmet war. Als ich den kleinen Raum betrat, war ich zunächst überfordert. Der Raum war bunt, er war düster, wobei die einzelnen Objektvitrinen aber gut ausgeleuchtet waren. Ein Gang, dessen Seiten Säulen flankierten, führte ans hintere Ende des Raumes. An den Säulen waren Jahreszahlen und Texte angebracht.

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Perspektive vom Eingang in den Ausstellungsraum

Die Zweisprachigkeit – Tschechisch und Englisch – fiel mir hier zunächst nicht auf. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den Farben Sinn zu geben. Ich vermutete ein simples Ordnungsschema dahinter und wurde fündig, als ich den Raumtext las. Jede Farbe markierte bestimmte Zeitabschnitte, die im Kontext technischer Entwicklungen bedeutend gewesen waren. Schließlich entdeckte ich auch die an die Wand gemalte Jahreszahlen, die die einzelnen Abschnitte gemeinsam mit dem Farbsystem gliederten.

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Perspektive vom hinteren Drittel des Raumes in den vorderen Bereich

Ähnliche Systeme kenne ich aus anderen Museen, in denen die Arbeit mit Farben, um Zusammengehörigkeit zu markieren, auf Grund der Größe von einzelnen Bereichen und den Räumen nicht mehr strukturiert und ordnet, sondern verwirrt. In diesem Fall ist das Ordnungssystem zwar grenzwertig, da es im ersten Moment verwirrt, funktioniert in Folge aber doch.

FAZIT: TECHNISCHE MUSEEN. SO WHAT?

Bereits nach der ersten Verschriftlichung meiner Gedanken gleich nach dem Museumsbesuch hatte ich das Gefühl, dass, abgesehen von den oben erwähnten Dingen, nichts wirklich Eindruck hinterlassen hatte. Dabei liebe ich  technische Museen. Ich liebe die vielen alltäglichen, manchmal befremdlichen Objekte, die sich hier zeigen und Geschichten erzählen dürfen. Dennoch bleibt selten mehr als die unmittelbare Lust am Betrachten. Ich möchte mich in einem Museum aber mit den Ausstellungsinhalten auseinandersetzen und ich möchte das Gebäude mit einem Kopf voller Ideen und Fragestellungen verlassen. Ich möchte mich nicht nur an einem oder mehreren Objekten erfreuen ohne diese in irgendeiner Form kontextualisieren zu können oder Inhalte reproduziert wissen, die ich ebensogut in einem Buch lesen könnte. Oft ist das aber so, was schade ist. Technische Museen müssen doch bitte mehr leisten können. Technologien durchdringen unsere Leben heut in vielfältiger Weise. Sie sind nicht wegzudenken aus dem Alltag, aus medizinischen Bereichen, aus der Industrie oder der Wirtschaft. Es gab unendliche viele Entdeckungen und Erfindungen, die das Potenzial hatten und haben ganze Gesellschaften im Hinblick auf ihre Möglichkeiten zu verändern. Wo wären wir ohne Elektrizität, ohne die Industrialisierung?  Wohin führt der Weg im Zusammenhang mit Überwachungstechnologien? – man denke nur an aktuelle Entwicklungen in China. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind relevant – auch in Museen. Die Frage ist nur, wie all diese Themen durch das Medium Ausstellung vermittelt werden können ohne ausschließlich die Schaulust zu bedienen und es dabei zu belassen.

TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum

ALLGEMEINES

IMG_20180120_144826Das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum (KJM) sind zwei durch einen unterirdischen Gang miteinander verbundene Museen auf dem Bergiselplateau in Innsbruck, Tirol. Letzteres eröffnete bereits im Oktober 1880 und beschäftigt sich mit der infanteristischen Gruppe der k.u.k Kaiserjäger in Innsbruck. Als Regimentsmuseum gewährt es Einblick in die Militärgeschichte Tirols vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Zu sehen sind hier außerdem die Andreas Hofer Galerie und die Tiroler Ehrenhalle.

IMG_20180120_124721Das im März 2011 eröffnete Tirolpanorama hingegen thematisiert laut Website den „Mythos Tirol“, erzählt in Der Schauplatz Tirol Geschichten über Menschen, Religion, Politik und Natur und beherbergt außerdem das Innsbrucker Riesenrundgemälde, das auf einer Fläche von 1000m2 den Tiroler Freiheitskampf vom August 1809 am Bergisel zeigt.

ERFAHRUNGSBERICHT

Zunächst sei erwähnt, dass ich 1) das Museum nicht zufällig besuchte und 2) nicht alleine dort war. Tatsächlich begleiteten mich dieses Mal Freunde, weswegen ich zumindest zu Beginn meinte, mich beeilen zu müssen. Auch war das ein wesentlicher Grund für die Entscheidung das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum zu besichtigen: Da wir ein relativ volles Programm hatten, wollte ich ein möglichst kleines Museum sehen, das im besten Fall alle interessierte. Zudem versprach der Beschreibungstext auf einer Website die reflexive Auseinandersetzung mit dem „Mythos Tirol in all seiner Widersprüchlichkeit und Faszination„. Was würde ich also in Tirol über den Mythos Tirol erfahren können?

Insgesamt verbrachte ich zwei Stunden im Tirol Panorama, dem Bereich „Der Schauplatz Tirol“ und dem KJM. Tatsächlich widmete ich dem KJM nur 20 Minuten dieser Zeit, da ich auf Grund der Unmenge der dort ausgestellten Objekte überfordert war und bald nicht mehr wusste, wohin ich meinen Blick lenken sollte.

Der das KJM mit dem Tirol Panorama verbindende unterirdische Gang führte zum Schauplatz Tirol, wo die inhaltliche Schwerpunktlegung Mensch, Religion, Politik und Natur auch durch die räumliche Anordnung von Vitrinen und Objekten sichtbar gemacht wurde. So befanden sich Objekte, die mit Religion assoziiert wurden im hinteren Bereich, also in der Nähe des Durchgangs. Dem Menschen waren Kästen bzw. Vitrinen gewidmet, die Baumstämmen glichen, während sich Objekte im Zusammenhang mit Politik vor allem mittig fanden. Tirols Natur wurde durch Gegenstände in einer fast raumgreifenden Vitrine entlang einer Wand veranschaulicht. Auch hier hielt ich mich nicht besonders lang auf.

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Abfahrt Richtung Riesenrundgemälde. Rechts hinten führt die Rolltreppe ins EG und damit zum Eingang des Museums.

Um zum Riesenrundgemälde zu gelangen, fuhr ich mittels Rolltreppe noch ein Stockwerk tiefer. Zuvor die im Erdgeschoss angebrachten Texte zu den Tiroler Freiheitskämpfen gelesen und einige wichtige Figuren dieser Kämpfe in der „Säulenhalle“ (ich nenne das jetzt einfach mal so) kennen gelernt zu haben, half außerdem Gesehenes historisch zu kontextualisieren.

BESONDERHEITEN

Audio Guides für Lesefaule?

Ich bin eine unglaublich schlechte Zuhörerin und daher kein Fan von Audio Guides: Kaum sehe ich ein Objekt, vergesse ich die Stimme, die mir erzählt, was ich zu wissen habe und erkunde auf eigene Faust. Üblicherweise greife ich daher nicht zu diesen Geräten. Da er aber kostenlos angeboten wurde, nahm ich das Angebot auch an. Allerdings benutzte ich ihn kaum, weswegen mir erst im Kaiserjägermuseum auffiel, dass im wesentlichen Raum- und Bereichstexte, die ich gelesen hatte, in sehr ähnlichem Wortlaut wieder gegeben wurden.

Einerseits könnte das für all jene, die sich von Textmengen rasch überfordert fühlen oder einfach lieber zuhören, als zu lesen durchaus von Vorteil sein. Andererseits hatte der Audio Guide für mich persönlich mit einer einzigen Ausnahme keinen besonderen Mehrwert.

Diese Ausnahme war jener Raum, der das Riesenrundgemälde beherbergte. Hier wurde das Bild mit Hilfe des Audio Guides decodiert. Einzelne Elemente wurden hervorgehoben, Figuren und deren Bedeutung erörtert. Auch machte mich die Stimme im Ohr darauf aufmerksam, dass der Maler Michael Zeno Diemer (1867-1939) einige Aspekte erfand und malte, um bestimmte Botschaften zu vermitteln. So konnte ich das Bild betrachten und gleichzeitig meinen Blick lenken lassen, um Gesehenem durch die auditiv vermittelten Informationen Sinn zu geben.

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Ausschnitt des Riesenrundgemäldes

Im Nachhinein bereute ich allerdings, dass ich im Raum angekommen sofort zum Audio Guide griff und den gehörten Anweisungen Folge leistete. So nahm ich mir die Möglichkeit das Bild auch unvoreingenommen zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

Die unsichtbaren sichtbaren ProtagonistInnen der Tiroler Freiheitskämpfe

Jener Bereich im EG fiel mir zunächst negativ auf. Im ersten Moment sah ich nur Text. Bevor ich zu lesen anfing, ging ich also ein Stück weiter, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Texte in angemessener Zeit lesen könnte und dass diesen schließlich Objekte folgten. Als ich die Säulen mit den 13 Figuren der Protagonisten von 1809 sah (ich habe diesen Bereich weiter oben bereits frei erfunden  „Säulenhalle“ genannt), war ich zumindest beruhigt genug, um mich zum Anfang zurück zu begeben und zu lesen.

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Ausschnitt der „Säulenhalle“ im Tirol Panorama

Danach versuchte ich kurz den Erläuterungen des Audio Guides zu folgen und rannte den Blick gehoben kreuz und quer an den Säulen vorbei. Natürlich waren 13 Männer ausgestellt. Da ich außer dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer niemanden erkannte, suchte ich nach Beschriftungen und richtete den Blick schließlich auf den Boden. Vor jeder Säule war eine Tafel mit Namen und Jahreszahlen angebracht.

Erst jetzt fiel mir auf, dass auf einigen der Säulen keine Figuren thronten, diese aber dennoch beschriftet waren. Dort standen die durch unsere Geschichtsschreibung unsichtbar gemachten FreiheitskämpferInnen als Personengruppen, anonym, aber sichtbar gemacht. Die Säulen waren u.a. Frauen, dem Landvolk oder Beamten gewidmet. Ich hatte zu rasch geurteilt und konnte mich glücklicherweise doch noch positiv überraschen lassen.

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Eine der zahlreichen Beschriftungen, die ich zu Beginn übersehen hatte.

FAZIT

Zwei Stunden sind eindeutig zu kurz, um sich tatsächlich mit ausgestellten Inhalten beschäftigen zu können. Ob sich ein zweiter Besuch lohnt, ist fraglich. Trotzdem ein kleines Museum, das man gesehen haben kann (wenn man sowieso schon am Bergisel ist), aber nicht gesehen haben muss.

 

Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.

 

Museumsmarathon London

ERFAHRUNGSBERICHT

Ende Mai verschlug mich das Leben für drei Tage nach London, wo ich zwar kaum etwas von der Stadt selbst sah, dafür aber umso mehr Museen unsicher machen konnte. Mein Abenteuer begann im Imperial War Museum London und führte mich am ersten Tag über das Royal Observatory Greenwich bis zum National Maritime Museum.

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Blick auf London – Royal Observatory Greenwich

Den zweiten Tag verbrachte ich im Science Museum (wo ich mich mit Mathematik und Robotern beschäftigte), im Victoria and Albert Museum (das ich mit Ausnahme der audio-visuellen Ausstellung Pink Floyd: Their Mortal Remains nicht wirklich besichtigte) und im Design Museum (an das ich mich leider nicht mehr erinnern kann, weil ich nicht mehr aufnahmefähig war).

In der Wellcome Collection besichtigte ich am dritten und letzten Tag die Sonderausstellung Electricity: The Spark of Life sowie die Dauerausstellung Medicine Man. Daraufhin verlor ich mich im Lärm des London Transport Museum, wo mich eine Insel der Ruhe, die vorübergehende Ausstellung Sounds of the City, rettete. Meine letzten Stunden in London verbrachte ich mit Bond in Motion. Original James Bond Vehicles im London Film Museum.

In jedem dieser Museen bzw. Ausstellungen verbrachte ich ein bis zwei Stunden. Wer bereits andere Reviews von mir gelesen hat, weiß, dass ich Museen üblicherweise mit dem Ziel ein bis zwei Stunden zu bleiben, betrete und bleibe, bis ich gehen muss, weil das Museum schließt. Das ist auch die Zeit, die ich brauche, um mich tatsächlich positionieren und berichten zu können. Es ist mir also unmöglich eine fundierte Meinung zu all diesen Museen, Ausstellungen, Inhalten, Displays, Erzählweisen oder Objekten zu haben.

Was ich mitnehmen konnte, sind dafür unglaublich viele Eindrücke und Ideen, von denen ich im Zusammenhang mit dem Imperial War Museum London und dem Science Museum exemplarisch einige wenige möglichst kurz festhalten will:

IMPERIAL WAR MUSEUM (IWM) LONDON

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Imperial War Museum (IWM) London

Das IWM London öffnete im Juni 1920 mit dem Auftrag Objekte und Materialien, die mit dem ersten Weltkrieg in Verbindung zu bringen sind, zu sammeln, zu bewahren und auszustellen, im Crystal Palace. Im Juli 1936 wurde der Standort des Museums an seinen heutigen Sitz in der Lambeth Road, einem früheren Teil des Bethlehem Royal Hospital, verlegt.

Von 1940 bis 1946 schloss das IWM London vorübergehend und verlagerte empfindliche Bestandteile der Sammlung in Depots außerhalb der Stadt. Nach dem zweiten Weltkrieg erweiterte es seinen Sammlungsauftrag auch auf diesen Krieg. 1953 wurden diesen Sammlungsschwerpunkten außerdem Militäroperationen, in die Großbritannien oder der Commonwealth seit 1914 involviert waren, hinzugefügt.

Auf den Ebenen 0 bis 5 sind verschiedenste Dauer- und Sonderausstellungen zu sehen. Zu letzteren zählen Syria: A Conflict Explored, People Power: Fighting for Peace, Edmund Clark: War of Terror und Afghanistan: Reflections on Helmand. Die Dauerausstellungen umfassen The Holocaust Exhibition, A Family in Wartime, Secret War, Witnesses to War, die Lord Ashcroft Gallery, Curiosities of War, Peace and Security: 1945-2014 und last but not least Turning Points: 1934-1945.

VON KRIEGEN UND HELDEN

Ausschlaggebend für die folgenden Ausführungen war nicht nur, aber vor allem die Lord Ashcroft Gallery. Zu sehen sind dort Heldenporträts. Ihre besonderen Leistungen werden beschrieben, Medaillen, Filme und Fotos ausgestellt – mit dem Ziel die Konzepte Mut und Tapferkeit zu befragen, zu verstehen und BesucherInnen zu mutigen Taten zu motivieren.

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Raumansicht Lord Ashcroft Gallery

Kurz vor diesem Besuch erzählte mir außerdem jemand vom Anspruch des Museums Porträts von Kriegshelden möglichst differenziert auszustellen: Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Was passierte während und nach den Kriegen oder militärischen Operationen? Dieses Versprechen wurde definitiv nicht eingelöst. Der Fokus lag ganz eindeutig auf einzelnen Heldentaten. Dieser Widerspruch sowie eine weitere Diskussion führten sowohl zu einer Erkenntnis, als auch zu vielen offenen Fragen im Hinblick darauf, wie Krieg auszustellen sei.

Meine Beobachtung ist wahrscheinlich trivial: Krieg und kriegsrelevante Inhalte auszustellen gehört mitunter zu den schwierigsten kuratorischen Tätigkeiten. Natürlich sollen interessante Objekte zu sehen sein. Natürlich werden Fakten präsentiert. Aber wie werden diese Objekte ausgewählt? Wer sucht sie aus? Auf welche Fakten wird fokussiert? Wie werden diese präsentiert? Die Darstellung von den meisten Thematiken ist abhängig von ErzählerInnen. Und v.a. im Zusammenhang mit Krieg fällt dies auf. Die Geschichten der Verlierernationen sind andere, als jene der Sieger. Die Geschichten von SoldatInnen sind andere als jene von Zivilpersonen. Ich habe selten Ausstellungen gesehen, in denen mehr als nur eine dieser Perspektiven tatsächlich auch gezeigt wurde. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass diese ganz bewusst einander gegenüber gestellt worden wären, um ein differenziertes Bild zu schaffen, um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, zu hinterfragen, zu glauben, zu wissen, zu diskutieren und sich eine ausdifferenzierte Meinung zu bilden – abseits von der Idealisierung einzelner Kriegshelden oder der Abscheu vor Gewalt.

SCIENCE MUSEUM

ScienceMuseum
Das  Science Museum

Die Anfänge des Science Museum reichen zurück bis zur Gründung des South Kensington Museum (SKM) im Jahr 1857. 1862 wurden wissenschaftliche und technische Sammlungsbereiche erstmals vom Gesamtbestand getrennt und in ein eigenes Gebäude in der Exhibition Road, dem heutigen Standort, gebracht. 1909 trennten sich diese auch administrativ vom SKM. Im Zuge dessen kam es zu Umbenennungen, wobei das „SKM“ zum „Victoria and Albert Museum“ wurde und sich für das neue Haus der Name „Science Museum“ etablierte. Seit 1984 lautet der offizielle Name des Science Museum „National Museum of Science and Technology“.

Das Science Museum ist heute Mitglied einer Gruppe technisch und wissenschaftlich orientierter Museen. Zu diesen gehören das National Railway Museum, das Museum of Science and Industry und das National Science and Media Museum.

Aktuell werden einige Sonderausstellungen, darunter Engineer Your Future (eine interaktive Ausstellung für Teenager, um über Berufe im Maschinenbau nachzudenken), Robots (Geschichte der Entwicklung des Roboters) und Journeys through Medicine (Medizingeschichte mit Bezug auf Henry Wellcome) sowie verschiedene Dauerausstellungen gezeigt. Letztere reichen von u.a. der Beschäftigung mit der Beschaffenheit unterschiedlicher Materialien (Challenge of Materials) über Weltraumfahrt (Exploring Space) und der ersten Frau im Weltall (Valentina Tereshkova) bis hin zur erst kürzlich eröffneten Ausstellung Mathematics: The Winton Gallery, die auch Gegenstand der weiteren Ausführungen sein wird.

VERNETZTES DENKEN

Die Dauerausstellung Mathematics: The Winton Gallery lädt BesucherInnen ein, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Sie sucht nach Möglichkeiten, Menschen zu inspirieren: durch Objekte und ihre Geschichten, durch Menschen, die damit in Verbindung stehen. Sie versucht zu zeigen, wofür Mathematik benötigt wird, wie das Fach Gesellschaften, Kulturen und die Menschheit verändern konnte und kann. Mathematik wird in Verbindung gebracht mit medizinischen Erkenntnissen, Leben und Tod, Geld, Glücksspiel, Handel, Reisen, Politik und vielem mehr. Sowohl Lebens-, als auch Sammelbereiche werden durch ein übergeordnetes Thema miteinander verbunden.

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Raumansicht Mathematics: The Winton Gallery

Das ist eine Ausstellung, die sich von vielen anderen Ausstellungen in wissenschaftlichen und technischen Museen unterscheidet, weil sie BesucherInnen im Leben abholt, ihnen Gedanken und Ideen mit auf den Weg gibt. In vielen Ausstellungen sind die dort vorgestellten Inhalte auch von zu Hause aus gut (und vor allem bequem) zu erarbeiten. Diese aber zeigt Verbindungen auf, die abseits vom Museum nicht leicht angeeignet werden können. Sie entlässt mit dem Wunsch mehr zu erfahren und nachzulesen, was vor Ort keinen Platz hatte.

All das führt schließlich zu der Frage, was Museen in einer vernetzten Welt, in der Informationen relativ schnell abgerufen werden können und (Wissens-) Austausch verhältnismäßig leicht und schnell ermöglicht wird, leisten müssen oder sollen. Wissen nicht nur zu reproduzieren, sondern in welcher Art auch immer zu verbinden und weiterzuführen, ist möglicherweise ein erster Lösungsansatz.

FAZIT

Ich habe wieder einmal erlebt, dass ich, um mich zu einem Museum oder einer Ausstellung positionieren zu können, mindestens einen halben Tag vor Ort verbringen, darüber nachdenken und im besten Fall auch darüber sprechen muss. Insofern träume ich von einer Rückkehr nach London, um zumindest das Science Museum, das IWM London und die Wellcome Collection noch einmal besichtigen zu können.

Das IWM London und die Wellcome Collection dürften für mich noch eingiges an Ideen und Überraschungen bereit halten. Die Mathematik-Galerie im Science Museum dagegen sei all jenen empfohlen, die mit dieser Disziplin bisher nichts anfangen konnten. Sie könnte tatsächlich Perspektiven auf das Fach ändern. Wer sich unmittelbar mit Mathematik verbundene Objekte, Informationen und Fakten erhofft, wird hier aber nicht auf seine Kosten kommen.