TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum

ALLGEMEINES

IMG_20180120_144826Das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum (KJM) sind zwei durch einen unterirdischen Gang miteinander verbundene Museen auf dem Bergiselplateau in Innsbruck, Tirol. Letzteres eröffnete bereits im Oktober 1880 und beschäftigt sich mit der infanteristischen Gruppe der k.u.k Kaiserjäger in Innsbruck. Als Regimentsmuseum gewährt es Einblick in die Militärgeschichte Tirols vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Zu sehen sind hier außerdem die Andreas Hofer Galerie und die Tiroler Ehrenhalle.

IMG_20180120_124721Das im März 2011 eröffnete Tirolpanorama hingegen thematisiert laut Website den „Mythos Tirol“, erzählt in Der Schauplatz Tirol Geschichten über Menschen, Religion, Politik und Natur und beherbergt außerdem das Innsbrucker Riesenrundgemälde, das auf einer Fläche von 1000m2 den Tiroler Freiheitskampf vom August 1809 am Bergisel zeigt.

ERFAHRUNGSBERICHT

Zunächst sei erwähnt, dass ich 1) das Museum nicht zufällig besuchte und 2) nicht alleine dort war. Tatsächlich begleiteten mich dieses Mal Freunde, weswegen ich zumindest zu Beginn meinte, mich beeilen zu müssen. Auch war das ein wesentlicher Grund für die Entscheidung das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum zu besichtigen: Da wir ein relativ volles Programm hatten, wollte ich ein möglichst kleines Museum sehen, das im besten Fall alle interessierte. Zudem versprach der Beschreibungstext auf einer Website die reflexive Auseinandersetzung mit dem „Mythos Tirol in all seiner Widersprüchlichkeit und Faszination„. Was würde ich also in Tirol über den Mythos Tirol erfahren können?

Insgesamt verbrachte ich zwei Stunden im Tirol Panorama, dem Bereich „Der Schauplatz Tirol“ und dem KJM. Tatsächlich widmete ich dem KJM nur 20 Minuten dieser Zeit, da ich auf Grund der Unmenge der dort ausgestellten Objekte überfordert war und bald nicht mehr wusste, wohin ich meinen Blick lenken sollte.

Der das KJM mit dem Tirol Panorama verbindende unterirdische Gang führte zum Schauplatz Tirol, wo die inhaltliche Schwerpunktlegung Mensch, Religion, Politik und Natur auch durch die räumliche Anordnung von Vitrinen und Objekten sichtbar gemacht wurde. So befanden sich Objekte, die mit Religion assoziiert wurden im hinteren Bereich, also in der Nähe des Durchgangs. Dem Menschen waren Kästen bzw. Vitrinen gewidmet, die Baumstämmen glichen, während sich Objekte im Zusammenhang mit Politik vor allem mittig fanden. Tirols Natur wurde durch Gegenstände in einer fast raumgreifenden Vitrine entlang einer Wand veranschaulicht. Auch hier hielt ich mich nicht besonders lang auf.

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Abfahrt Richtung Riesenrundgemälde. Rechts hinten führt die Rolltreppe ins EG und damit zum Eingang des Museums.

Um zum Riesenrundgemälde zu gelangen, fuhr ich mittels Rolltreppe noch ein Stockwerk tiefer. Zuvor die im Erdgeschoss angebrachten Texte zu den Tiroler Freiheitskämpfen gelesen und einige wichtige Figuren dieser Kämpfe in der „Säulenhalle“ (ich nenne das jetzt einfach mal so) kennen gelernt zu haben, half außerdem Gesehenes historisch zu kontextualisieren.

BESONDERHEITEN

Audio Guides für Lesefaule?

Ich bin eine unglaublich schlechte Zuhörerin und daher kein Fan von Audio Guides: Kaum sehe ich ein Objekt, vergesse ich die Stimme, die mir erzählt, was ich zu wissen habe und erkunde auf eigene Faust. Üblicherweise greife ich daher nicht zu diesen Geräten. Da er aber kostenlos angeboten wurde, nahm ich das Angebot auch an. Allerdings benutzte ich ihn kaum, weswegen mir erst im Kaiserjägermuseum auffiel, dass im wesentlichen Raum- und Bereichstexte, die ich gelesen hatte, in sehr ähnlichem Wortlaut wieder gegeben wurden.

Einerseits könnte das für all jene, die sich von Textmengen rasch überfordert fühlen oder einfach lieber zuhören, als zu lesen durchaus von Vorteil sein. Andererseits hatte der Audio Guide für mich persönlich mit einer einzigen Ausnahme keinen besonderen Mehrwert.

Diese Ausnahme war jener Raum, der das Riesenrundgemälde beherbergte. Hier wurde das Bild mit Hilfe des Audio Guides decodiert. Einzelne Elemente wurden hervorgehoben, Figuren und deren Bedeutung erörtert. Auch machte mich die Stimme im Ohr darauf aufmerksam, dass der Maler Michael Zeno Diemer (1867-1939) einige Aspekte erfand und malte, um bestimmte Botschaften zu vermitteln. So konnte ich das Bild betrachten und gleichzeitig meinen Blick lenken lassen, um Gesehenem durch die auditiv vermittelten Informationen Sinn zu geben.

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Ausschnitt des Riesenrundgemäldes

Im Nachhinein bereute ich allerdings, dass ich im Raum angekommen sofort zum Audio Guide griff und den gehörten Anweisungen Folge leistete. So nahm ich mir die Möglichkeit das Bild auch unvoreingenommen zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

Die unsichtbaren sichtbaren ProtagonistInnen der Tiroler Freiheitskämpfe

Jener Bereich im EG fiel mir zunächst negativ auf. Im ersten Moment sah ich nur Text. Bevor ich zu lesen anfing, ging ich also ein Stück weiter, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Texte in angemessener Zeit lesen könnte und dass diesen schließlich Objekte folgten. Als ich die Säulen mit den 13 Figuren der Protagonisten von 1809 sah (ich habe diesen Bereich weiter oben bereits frei erfunden  „Säulenhalle“ genannt), war ich zumindest beruhigt genug, um mich zum Anfang zurück zu begeben und zu lesen.

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Ausschnitt der „Säulenhalle“ im Tirol Panorama

Danach versuchte ich kurz den Erläuterungen des Audio Guides zu folgen und rannte den Blick gehoben kreuz und quer an den Säulen vorbei. Natürlich waren 13 Männer ausgestellt. Da ich außer dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer niemanden erkannte, suchte ich nach Beschriftungen und richtete den Blick schließlich auf den Boden. Vor jeder Säule war eine Tafel mit Namen und Jahreszahlen angebracht.

Erst jetzt fiel mir auf, dass auf einigen der Säulen keine Figuren thronten, diese aber dennoch beschriftet waren. Dort standen die durch unsere Geschichtsschreibung unsichtbar gemachten FreiheitskämpferInnen als Personengruppen, anonym, aber sichtbar gemacht. Die Säulen waren u.a. Frauen, dem Landvolk oder Beamten gewidmet. Ich hatte zu rasch geurteilt und konnte mich glücklicherweise doch noch positiv überraschen lassen.

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Eine der zahlreichen Beschriftungen, die ich zu Beginn übersehen hatte.

FAZIT

Zwei Stunden sind eindeutig zu kurz, um sich tatsächlich mit ausgestellten Inhalten beschäftigen zu können. Ob sich ein zweiter Besuch lohnt, ist fraglich. Trotzdem ein kleines Museum, das man gesehen haben kann (wenn man sowieso schon am Bergisel ist), aber nicht gesehen haben muss.

 

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Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.