Haus der Natur Salzburg

ALLGEMEIN

Das Haus der Natur Salzburg – Museum für Natur und Technik wurde im Jahr 1924 gegründet. Zunächst war es in den Hofstallungen, übersiedelte aber 1959 an seinen heutigen Standort am Museumsplatz. 2008 schloss das Museum für fast ein Jahr, um das Gebäude aktuellen Sicherheitsvorschriften anzupassen, es barrierefrei zu gestalten sowie das ehemalige Museum Carolino Augusteum zu sanieren und mit dem Haus der Natur Salzburg zu verbinden. Im Zuge dessen wurde auch das Science Center eingerichtet. Das Museum eröffnete, so wie es auch heute zu besichtigen ist, im Sommer 2009 wieder.

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Gegenwärtig ist das Haus der Natur mit einer Ausstellungsfläche von 7000m2 das größte Museum Salzburgs. Es ist ein naturhistorisches Museum, das über Aquarien sowie Terrarien und ein Science Center verfügt und versteht sich insofern als 3-Spartenhaus mit regionaler und internationaler Ausrichtung. Als Natur-Kompetenzzentrum widmet es sich außerdem der Dokumentation und Erforschung der Natur von Salzburg (Stadt und Land) und dem Nationalpark Hohe Tauern. Basis für die wissenschaftliche Arbeit sind die eigenen Sammlungen und Datenbanken. Neben der Dauerausstellung, die auf fünf Ebenen gezeigt wird, sind derzeit die Sonderausstellungen Dahoam im Wandel: 200 Jahre Lebensraum Salzburg und Himmelsbilder. Astrofotografie am Haus der Natur zu sehen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Wochenende in Salzburg verbrachte ich mit zwei Museumsbesuchen in Salzburg. Bereits am Samstag war ich für zwei Stunden mit Begleitung dort. Wir hatten uns nicht informiert, was es zu sehen geben könnte, steuerten in Richtung Sonderausstellung Dahoam im Wandel und landeten schließlich für zwei Stunden im Science Center. Das Science Center befindet sich in jenem Gebäudetrakt, der früher einmal das Carolino Augusteum gewesen war. Auf drei Stockwerken laden verschiedenste Stationen zum Mitmachen ein und geben so Einblick in u.a. Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness, Schall, Energie und Heben.

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Überblicksfoto Science Center „Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness“

Zwar hatten wir dort viel Spaß und blieben an jeder Station hängen, doch schien dieser Besuch meine bisherigen Vermutungen zu bestätigen: Das Museum sei, so dachte ich, ein Museum, das im Zusammenhang mit Inhalten, Sprache und Gestaltung vor allem die Zielgruppen „Familie“ sowie „Schulklassen“ und damit Kinder bediene.

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Bereich „Körper & Fitness“: Beim Wett-Rudern

Auf dem Weg hinaus machten wir jedoch einen Abstecher durch die Aquarien im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, wo mir klar wurde, dass wir vom Museum kaum etwas gesehen hatten und ich keinen Blogeintrag schreiben könnte ohne ein weiteres Mal – möglichst alleine, in meinem Tempo und ohne Zeitdruck – wieder zu kommen und die restlichen Bereiche zu besichtigen. Ich beschloss also, das gleich am nächsten Tag vor der Heimreise zu tun.

Am zweiten Tag verbrachte ich drei Stunden im Museum, marschierte durch die sogenannte Saurierhalle und das Aquarium im Erdgeschoss, besah den Bereich Erdwissenschaften sowie die zweite Sonderausstellung im 1. Stock, durchlief auf der Ebene darüber den Reptilienzoo, die Christian Doppler Schau, die Abschnitte Tierwelt Europas, Weltraum, Lebensader Salzach und einen schmalen Gang Richtung Toiletten, der genutzt wurde, um medizinische Technologien zu präsentieren. Danach war mein Hirn Matsch. Ich entschied mich also gegen die letzten beiden Stockwerke und für einen Besuch im Café und im Museumsshop.

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Das Stadtcafé im Haus der Natur Salzburg 

FAZIT

Als ich nach dem zweiten Aufenthalt die ersten Zeilen ins Tagebuch schrieb und mir Gedanken zu Museum und Ausstellung machte, wurde mir klar, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein Museum als Touristin besucht und mich einfach amüsiert hatte. Hätte ich Kinder und würde in Salzburg oder Umgebung leben – ich wäre wohl ständig dort. Auch ohne Kinder werde ich das Haus der Natur Salzburg allerdings wieder besichtigen.

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Mit Haut und Haar, Wien Museum Karlsplatz

ALLGEMEIN

Der erste Vorläufer des heutigen Wien Museums, das Historische Museum der Stadt Wien, eröffnete 1888  im damaligen Rathaus. Bereits 1900 thematisierte der Gemeinderat Wien aber einen Neubau des Museums, da die architektonischen Rahmenbedingungen nur bedingt als Ausstellungsort geeignet waren und zudem nicht ausreichend Raum für Exponate zur Verfügung stand. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dieses Vorhaben dann realisiert. Das Wien Museum Karlsplatz, damals noch unter anderem Namen, eröffnete 1959 am heutigen Standort (siehe WAISSENBERGER, Robert [Hg.] 1984: Schausammlung. Historisches Museum der Stadt Wien).

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Heute verfügt das Wien Museum über verschiedenste Standorte. Zu diesen zählen neben dem Museum am Karlsplatz, u.a. auch das Uhrenmuseum, das Römermuseum oder das Pratermuseum sowie diverse Musikerwohnungen, wie z.B. Schuberts Geburtshaus oder dessen Sterbewohnung.

Neben der Dauerausstellung zeigt das Wien Museum Karlsplatz regelmäßig Wechselausstellungen. Die Räumlichkeiten für diese befinden sich im Erdgeschoß in unmittelbarer Nähe zu Kassa und Museumsshop, der Zugang ist nicht zu übersehen.

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MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN.

Die Sonderausstellung MIT HAUT UND HAAR. FRISIEREN, RASIEREN, VERSCHÖNERN eröffnete am 19. April 2018 und ist bis zum 6. Januar 2019 anberaumt. Thematisiert werden Praktiken und Bedeutungen der Körperpflege seit dem 18. Jahrhundert, wobei der Fokus auf frisieren, rasieren und Kosmetik in Wien liegt. Prämisse ist außerdem, dass die Gestaltung des Körpers eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit ist und Körper immer auch kulturell geformt werden.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Freitag Vormittag im Museum bedeutet meistens relativ leere Räumlichkeiten und damit ausreichend Platz, um in aller Ruhe Texte lesen und Objekte betrachten zu können. Großartig! Nach zwei Stunden hatte ich gesehen, was ich sehen wollte, sämtliche Ausstellungstexte gelesen und war total begeistert, ohne genau zu wissen, was mich an dieser Ausstellung so faszinierte.

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Raumansicht – Kapitel 2 „Arbeit am Körper“

Ursprünglich wollte ich daher auf einen Blogeintrag verzichten – möglicherweise hatte ich ja einfach nur einen guten Tag, wollte nicht analysieren und meine Meinung nicht begründen. Trotzdem griff ich zum Tagebuch, um mir für den Fall der Fälle wenigsten Notizen zu machen. Im Schreiben fand ich meine Antworten: Den AusstellungsmacherInnen von Mit Haut und Haar war es gelungen, den Fokus auf Objekte zu legen, statt Objekte zur Illustration von Ausstellungstexten zu verwenden. Diesen Ausstellungsbesuch hatte ich daher hauptsächlich in der Auseinandersetzung mit Objekten, nicht aber im Lesen von Texten verbracht.

DAS VERHÄLTNIS VON TEXT ZU OBJEKT

Die Auseinandersetzung mit Texten im musealen Bereich beschäftigt mich bereits seit den letzten Einträgen: Im Haus der Geschichte Niederösterreich, waren mir die Texte zu banal, während mich im naturhistorischen Museum der Stadt Genf die Einsprachigkeit ärgerte. Im Zusammenhang mit der Sonderausstellung Zwischen den Kriegen im Schlossmuseum Linz freute ich mich in Folge zumindest über die Umsetzung von Mehrsprachigkeit in kleinen Ausstellungen. Was mir hier deutlichst vor Augen geführt wurde, ist die schiere Textmenge mit der BesucherInnen in Ausstellungen oft konfrontiert werden. Oft habe ich den Eindruck, dermaßen viel Text bewältigen zu müssen, dass ich vom eigentlichen Museumsbesuch nichts habe, weil ich permanent lese. Oder aber ich stehe in einer Ausstellung, suche nach Informationen, finde einen viel zu kurzen Bereichstext, knappe Objektlabels und darf mich dann fragen, was die Gesamtkonstruktion eigentlich soll. In Mit Haut und Haar dagegen findet einen Mittelweg und arbeitet v.a. mit drei klar strukturierten Textebenen: 1) Ausstellungstext, 2) Kapiteltexte und 3) Objekttexte.

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Raumansicht – Kapitel 4 „Körperzeichen“

1) Der Ausstellungstext ist direkt am Eingang zu den Räumlichkeiten angebracht. Noch bevor BesucherInnen Objekte überhaupt sehen, oder sich mit Inhalten auseinandersetzen können, wird hier erklärt, wovon die Ausstellung erzählt. Auch wird sogleich der Aufbau durch Bekanntgabe der einzelnen Kapitel offengelegt.

2) Insgesamt gibt es in der Ausstellung vier Kapitel, die jeweils von sehr kurzen Texten eingeleitet werden, den Fokus legen, damit natürlich den Blick des Publikums lenken und Interpretationsmöglichkeiten anbieten, gleichzeitig aber die Objekte kontextualisieren. Letztere sind 3) natürlich auch beschriftet. Informationen, die die Objekte begleiten, sind u.a. Objekttitel, Datierung und Provenienz bzw. LeihgeberIn.

FAZIT

Da die Texte knapp gehalten wurden, gleichzeitig aber ausreichend Informationen gaben, war ich nicht gezwungen übermäßig viel zu lesen, konnte mich aber zwei Stunden lang an Objekten, der Ausstellungsgestaltung und dem strukturierten Aufbau erfreuen. Was mir später jedoch klar wurde, war, dass ich kaum neue Inhalte oder Anreize mitgenommen hatte. Dass Körper kulturell formbar und historisch wandelbar sind, wusste ich bereits.

Fairerweise muss ich anmerken, dass das aber durchaus mit meinem persönlichen Hintergrund, meinem früheren Studium der Kultur- und Sozialanthropologie und entsprechenden Schwerpunktlegungen zu tun haben könnte. Dennoch vermute ich, dass dieser Umstand zumindest teilweise dem Weniger an Texten geschuldet ist: Weniger Text bedeutet eben auch, BesucherInnen weniger Theorien und Hintergrundwissen präsentieren zu können.  Allerdings sind die Möglichkeiten eines Museums begrenzt. Wer lesen will, kann das auch zu Hause tun – v.a. wenn das Thema interessiert. Insofern eine gelungene Ausstellung!

Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938, Schlossmuseum Linz

ALLGEMEIN

Das Schloss wurde 799 erstmal in einer Urkunde erwähnt, diente im Laufe der Jahrhunderte als Wohnsitz, Militärspital, Provinzialstrafhaus und Kaserne, bis die Stadt Linz 1952 die kulturelle Verwendung des Gebäudes und 1963 dessen ausschließliche Nutzung als Landesmuseum beschloss. Die Eröffnung des Schlossmuseums Linz – Oberösterreichisches Landesmuseum fand schließlich 1966 statt. IMG_20180429_101715

Heute zeigt das Museum auf einer Fläche von über 10.000m2 Fläche Dauerausstellungen zu Oberösterreichs Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte. Sonderausstellungen greifen aktuelle regionale und internationale Themen auf. Seit dem 2. Februar 2018 präsentiert das Schlossmuseum Linz die Sonderausstellung „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938„. Diese ist noch bis zum 13. Januar 2019 zu besichtigen und Gegenstand dieses Eintrags.

ERFAHRUNGSBERICHT

Die Sonderausstellung befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes. Um dorthin zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten. BesucherInnen können entweder durch einen Teil der Dauerausstellungen gehen, oder aber mit dem Lift bequem ins untere Geschoss fahren. Dort begrüßt eine große Texttafel alle Ankommenden auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Wer den Museumsbesuch von hier aus im Jahr 1918 beginnen will, geht zunächst einen Gang entlang und biegt an dessen Ende links ab. Zu sehen sind hier bereits einführende Ausstellungselemente. Auch ein fiktiver Charakter, ein Heimkehrer aus dem ersten Weltkrieg, wird hier vorgestellt. Dieser führt teilweise durch die Ausstellung und gewährt durch seine Biografie sowie jene seiner Familie Einblick in Menschenleben dieser Zeit. IMG_20180429_103831

Biegen BesucherInnen dagegen gleich zu Beginn dieses Gangs links ab, startet die Ausstellung mit Österreichs Anschluss an Nazi-Deutschland und Hitlers Einmarsch in Linz.

Der Aufbau der Ausstellung ist chronologisch, wobei sich jeder Raum außerdem einem oder mehreren Themen widmet, die besonders gut in bestimmte Perioden der Jahre 1918 bis 1938 zu passen scheinen. So sind im ersten Raum, der sich mit Kriegsende, Heimkehr und der Ausrufung der Republik beschäftigt, die Jahre 1918 bis 1924 zentral. Der zweite Raum dagegen thematisiert den wirtschaftlichen Aufschwung der 1920er und zeigt beispielsweise Neuheiten in Mode, Technik und Tourismus.

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Blick durch die Räumlichkeiten der Ausstellung ausgehend von Raum 2

Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit der Wirtschaftskrise und antidemokratischen Kräften, wo vor allem auf die unterschiedlichen Parteien eingegangen wird. Die Zeitleiste dieses Bereichs, der im Übrigen zwei Räume und einen kleinen Vermittlungsbereich umfasst, beginnt mit 1930 und endet vier Jahre darauf. Niedergang und Ende der Demokratie beschließen mit einer Zeitleiste von 1935 bis 1938, entsprechenden Objekten und Texten schließlich die Sonderausstellung.

BESONDERHEITEN

GEGEN DIE EINSPRACHIGKEIT

In meinem letzten Blogeintrag „Naturhistorisches Museum der Stadt Genf“ habe ich mich über die Einsprachigkeit in öffentlichen Museen des 21. Jahrhunderts geärgert – v.a. bei gleichzeitiger Betonung der globalen Relevanz diverser Museumsinhalte. Die Vermittlung dieser hat nämlich keine Bedeutung, wenn sie auf Grund sprachlicher Schwierigkeiten nicht verstanden werden kann.

Umso größer meine Freude gleich zu Beginn dieses Ausstellungsbesuchs: Zwar sind sämtliche Texte in der Ausstellung – wahrscheinlich auch aus Platzgründen – ausschließlich auf Deutsch angeführt, doch werden für BesucherInnen Hefte mit den gleichen Texten auf Englisch und Tschechisch angeboten. Die Broschüren sind unmittelbar beim ebenfalls dreisprachigen Einführungstext gratis zu entnehmen.

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Text zur Ausstellung auf Deutsch, Englisch und Tschechisch. Die Broschüren enthalten die Ausstellungstexte auf Englisch und Tschechisch.

Für eine Dauerausstellung mag das keine passende Lösung sein, doch ist diese Variante Mehrsprachigkeit im Museum zu etablieren für eine Sonderausstellung in dieser Größenordnung eine absolut akzeptable und pragmatische Lösung.

FAZIT

Die Ausstellung hat mich im Zusammenhang mit Inhalten oder Präsentationsarten kaum überrascht: Die Inhalte entsprechen letztendlich dem üblichen Schulstoff, ergänzt um einige Objekte. Der Aufbau ist streng chronologisch und übersichtlich. In den einzelnen Räumen werden, wie oben beschrieben, überdies auch Themenschwerpunkte gelegt, die zum linearen Ablauf der musealen Erzählung passen. Auf Grund der zahlreichen Verbindungen zwischen Ausstellungsmaterialien sowie der Stadt Linz und Oberösterreich ist „Zwischen den Kriegen. Oberösterreich 1918-1938“ für BesucherInnen mit regionalem Bezug wahrscheinlich spannender. Auch für Schulklassen könnte diese Ausstellung eine interessante Vertiefung des aktuellen Schulstoffs darstellen. Alles in allem bin ich daher froh, die Ausstellung gesehen zu haben, muss aber kein zweites Mal hin.

Haus der Geschichte Niederösterreich, St. Pölten

ALLGEMEIN

Das Haus der Geschichte Niederösterreich (HGNÖ) ist gemeinsam mit dem Haus der Natur Bestandteil des Museums Niederösterreich in St. Pölten. 2014 begannen die konzeptionellen Arbeiten am HGNÖ. Dabei wurden auch die wesentlichen Richtlinien für Ausstellung, Forschung und Service beschlossen. Das Museum eröffnete schließlich im Herbst 2017.IMG_20180404_113734

Der Fokus des HGNÖ liegt auf der Geschichte Niederösterreichs, Österreichs sowie Zentraleuropas, startet mit der ersten Besiedlung der Region und endet in der Gegenwart mit Fragen nach der Zukunft. Besondere Aufmerksamkeit wird aber historischen Entwicklungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewidmet. In diese Ausstellung sollen im Sinne einer Exhibition in Progress regelmäßig neue Forschungsergebnisse eingearbeitet werden.

Neben dieser Dauerausstellung gibt es einen Bereich für Sonderausstellungen. Die derzeitige Schwerpunktausstellung „Die umkämpfte Republik“ thematisiert die Entwicklung der Republik Österreich und ist noch bis März 2019 zu sehen. Gegenstand dieses Blogeintrags ist aber ausschließlich die geschichtliche Dauerausstellung.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ich verbrachte zwei Nachmittage im HGNÖ, wobei zwischen diesen Besuchen mehrere Monate lagen. Das erste Mal war ich kurz nach Eröffnung des Hauses im September 2017 in St. Pölten, gefolgt von einem weiteren Aufenthalt Mitte März im darauffolgenden Jahr. Die Eindrücke meiner ersten Besichtigung bestätigten sich durch den wiederholten Gang durch die Ausstellungsräumlichkeiten. Die wesentlichsten seien hier angeführt:

1) Sehr viel Inhalt auf sehr kleinem Raum. Im ersten Moment erschlagen von der Fülle, an Objekten und Texten vorbei, doch noch einen Weg findend, irrte ich durch das EG ins OG und musste feststellen, dass Farbcodes nicht ausreichen, um dermaßen umfangreichen Stoff auch nur annähernd im Raum zu strukturieren, Wege zu definieren oder zumindest einen roten Faden erkennen zu lassen.

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Mehr räumlicher Überblick als hier ist stellenweise nicht möglich.

2) Texte, Ausstellungsgestaltung und Vermittlung für Kinder. Vieles im HGNÖ erweckte den Eindruck eigentlich Kinder, nicht aber deren erwachsene Begleitung ansprechen zu wollen. Sämtliche Texte und Illustrationen versetzten mich unwillkürlich zurück in den Sachkundeunterricht meines 8. und 9. Lebensjahres, in denen ich von der Geschichte meiner Heimatstadt lernen durfte. Einfache Sprache, einfache Bilder… Nichts, das ich nicht ebenso gut in komplexer, detaillierte Ausführung zu Hause auf der Couch hätte lesen können. Tatsächlich werden Familien sowie Schulklassen, also Kinder, als primäre Zielgruppe genannt. Ich behaupte aber, auch Kindern ist mehr zuzutrauen, als banale Sätze auf buntem Hintergrund und absurde Vermittlungsspielchen, bei denen Wissen zwar reproduziert, nicht aber hinterfragt wird, zu verstehen.IMG_20180404_114500

3) Objekte haben mit dem Ausstellungsthema nichts zu tun. Beispielsweise ist eine Guy Fawkes-Maske im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Hierarchien im Mittelalter ausgestellt. BesucherInnen erfahren dort einiges über die Ständeordnung und damit verbundene Lebensentwürfe. Was eine Maske, die Symbol für politischen Widerstand ist, dort zu suchen hat, ist mir ein Rätsel. Sie wird zudem mit keinem Wort erwähnt.

Ein zweites Beispiel ist ein kleiner Bereich im Erdgeschoss, der sich der Wissenschaft vom Körper, Volksfrömmigkeit und dem damit verbundenen Umgang beispielsweise in Krankenfällen widmet. Der Bereich ist gut aufgebaut. Ein Gemälde vereint die beiden Erzählstränge schließlich auch visuell.

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Vitrine zum Thema „Volksfrömmigkeit“

Inmitten verschiedenster Objekte, die sich inhaltlich mit den Texten verbinden lassen, steht allerdings eine Handdruckpresse aus dem 18. Jahrhundert. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Objekt und dem eigentlich darzustellenden Thema.

BESONDERHEITEN

KEINE SAMMLUNG – TROTZDEM EIN MUSEUM?

Ich liebe Sammlungen: Sammlungen sind – so wäre ich bis vor kurzem absolut überzeugt gewesen – das Herzstück eines Museums. So repräsentieren und definieren Sammlungen dessen Forschungs- und Bildungsauftrag und schärfen sein Profil.

Das HGNÖ, das sich explizit als innovatives, lebendiges Museum sieht, sammelt nicht. Die Dauerausstellung besteht ausschließlich aus Leihobjekten, wobei ein Großteil der Exponate aus den Sammlungen des Landes Niederösterreich bezogen wird. Diese Sammlungen verfügen über 6 Millionen Objekte, die den Kategorien Natur, Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte zugeordnet werden und verfolgen das Ziel „materielles Erbe Niederösterreichs und seiner Bevölkerung (…) zu Forschungs- und Bildungszwecken“ (siehe Landessammlungen Niederösterreich, Stand 2. April 2018) zu bewahren, zu dokumentieren und vor allem in Niederösterreichs Ausstellungshäusern und Museen zu zeigen. Das Bewahren und Dokumentieren musealer Objekte wird insofern direkt mit der Sammlung und ihrem Auftrag verbunden. Laut dem International Council of Museums (ICOM) haben auch Museen einem Sammlungsauftrag Folge zu leisten:

„A Museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its developement, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purpose of education, study and enjoyment.“ (siehe ICOM Museum Definition, Stand 2. April 2018)

Insofern ist das HGNÖ kein Museum und wird eher der Eigendefinition eines multimedialen Erlebnisraums gerecht. Dennoch führt diese Auseinandersetzung zwangsläufig zu der Frage nach der Notwendigkeit einer Sammlung, um eine Institution als „Museum“ bezeichnen zu können. In weiterer Folge drängt sich ebenso die Frage auf, was ein Museum war, ist und im 21. Jahrhundert zu sein hat. Der ICOM-Definition zufolge, ist nicht nur die Sammlung ausschlaggebend. Ebenso wird geforscht, kommuniziert, ausgestellt. Wie viele Museen werden heute im Zeitalter diverser Budget- und Personalkürzungen im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich diesem Forschungsauftrag gerecht? Das Tempo, in dem manche Museen in Österreich Ausstellungen produzieren, lässt wirkliche Forschung gar nicht zu. Einer Exhibition in Progress Folge leisten zu wollen, ist daher ein spannender Ansatz, aber schwer umzusetzen.

In Anbetracht aktueller Entwicklungen und der heutigen Vielfalt an Museen (Museen, die nur ein Objekt beherbergen; Museen, die keinem spezifischen Sammlungsauftrag Folge leisten und Museen, die gar nicht sammeln etc.) sowie der Tatsache, das beispielsweise auch ICOM den Begriff „Sammlung“ nur lose definiert, plädiert auch Paul F. Donahue dafür, die Existenz einer Sammlung nicht als Voraussetzung für die Begriffsbezeichnung und Bestimmung heutiger Museen zu machen (siehe Collection = Museum?, Stand 2. April 2018).

Noch bin ich zwar nicht von meinem Standpunkt Sammlungen seien das Herz eines jeden Museums abgekommen, doch frage ich mich seit meiner Beschäftigung mit dem HGNÖ und damit verbunden dem Umgang mit Sammlungen, ob Museen im 21. Jahrhundert über eine solche verfügen müssen, oder ob Sammeln ganz im Sinne Donahues nicht obligatorisch, sondern optional sein sollte.

FAZIT

Es gibt Museen und Ausstellungen, die begeistern. Es gibt solche, die im Grunde nichts wollen, nichts sagen und in Folge nichts bewirken. Und es gibt Museen und Ausstellungen, die im ersten Moment abschrecken, die überfüllt, unübersichtlich, banal erscheinen, all das vielleicht auch sind, mich aber trotzdem nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Das HGNÖ ordne ich der letzten Kategorie zu.

 

TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum

ALLGEMEINES

IMG_20180120_144826Das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum (KJM) sind zwei durch einen unterirdischen Gang miteinander verbundene Museen auf dem Bergiselplateau in Innsbruck, Tirol. Letzteres eröffnete bereits im Oktober 1880 und beschäftigt sich mit der infanteristischen Gruppe der k.u.k Kaiserjäger in Innsbruck. Als Regimentsmuseum gewährt es Einblick in die Militärgeschichte Tirols vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Zu sehen sind hier außerdem die Andreas Hofer Galerie und die Tiroler Ehrenhalle.

IMG_20180120_124721Das im März 2011 eröffnete Tirolpanorama hingegen thematisiert laut Website den „Mythos Tirol“, erzählt in Der Schauplatz Tirol Geschichten über Menschen, Religion, Politik und Natur und beherbergt außerdem das Innsbrucker Riesenrundgemälde, das auf einer Fläche von 1000m2 den Tiroler Freiheitskampf vom August 1809 am Bergisel zeigt.

ERFAHRUNGSBERICHT

Zunächst sei erwähnt, dass ich 1) das Museum nicht zufällig besuchte und 2) nicht alleine dort war. Tatsächlich begleiteten mich dieses Mal Freunde, weswegen ich zumindest zu Beginn meinte, mich beeilen zu müssen. Auch war das ein wesentlicher Grund für die Entscheidung das Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum zu besichtigen: Da wir ein relativ volles Programm hatten, wollte ich ein möglichst kleines Museum sehen, das im besten Fall alle interessierte. Zudem versprach der Beschreibungstext auf einer Website die reflexive Auseinandersetzung mit dem „Mythos Tirol in all seiner Widersprüchlichkeit und Faszination„. Was würde ich also in Tirol über den Mythos Tirol erfahren können?

Insgesamt verbrachte ich zwei Stunden im Tirol Panorama, dem Bereich „Der Schauplatz Tirol“ und dem KJM. Tatsächlich widmete ich dem KJM nur 20 Minuten dieser Zeit, da ich auf Grund der Unmenge der dort ausgestellten Objekte überfordert war und bald nicht mehr wusste, wohin ich meinen Blick lenken sollte.

Der das KJM mit dem Tirol Panorama verbindende unterirdische Gang führte zum Schauplatz Tirol, wo die inhaltliche Schwerpunktlegung Mensch, Religion, Politik und Natur auch durch die räumliche Anordnung von Vitrinen und Objekten sichtbar gemacht wurde. So befanden sich Objekte, die mit Religion assoziiert wurden im hinteren Bereich, also in der Nähe des Durchgangs. Dem Menschen waren Kästen bzw. Vitrinen gewidmet, die Baumstämmen glichen, während sich Objekte im Zusammenhang mit Politik vor allem mittig fanden. Tirols Natur wurde durch Gegenstände in einer fast raumgreifenden Vitrine entlang einer Wand veranschaulicht. Auch hier hielt ich mich nicht besonders lang auf.

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Abfahrt Richtung Riesenrundgemälde. Rechts hinten führt die Rolltreppe ins EG und damit zum Eingang des Museums.

Um zum Riesenrundgemälde zu gelangen, fuhr ich mittels Rolltreppe noch ein Stockwerk tiefer. Zuvor die im Erdgeschoss angebrachten Texte zu den Tiroler Freiheitskämpfen gelesen und einige wichtige Figuren dieser Kämpfe in der „Säulenhalle“ (ich nenne das jetzt einfach mal so) kennen gelernt zu haben, half außerdem Gesehenes historisch zu kontextualisieren.

BESONDERHEITEN

Audio Guides für Lesefaule?

Ich bin eine unglaublich schlechte Zuhörerin und daher kein Fan von Audio Guides: Kaum sehe ich ein Objekt, vergesse ich die Stimme, die mir erzählt, was ich zu wissen habe und erkunde auf eigene Faust. Üblicherweise greife ich daher nicht zu diesen Geräten. Da er aber kostenlos angeboten wurde, nahm ich das Angebot auch an. Allerdings benutzte ich ihn kaum, weswegen mir erst im Kaiserjägermuseum auffiel, dass im wesentlichen Raum- und Bereichstexte, die ich gelesen hatte, in sehr ähnlichem Wortlaut wieder gegeben wurden.

Einerseits könnte das für all jene, die sich von Textmengen rasch überfordert fühlen oder einfach lieber zuhören, als zu lesen durchaus von Vorteil sein. Andererseits hatte der Audio Guide für mich persönlich mit einer einzigen Ausnahme keinen besonderen Mehrwert.

Diese Ausnahme war jener Raum, der das Riesenrundgemälde beherbergte. Hier wurde das Bild mit Hilfe des Audio Guides decodiert. Einzelne Elemente wurden hervorgehoben, Figuren und deren Bedeutung erörtert. Auch machte mich die Stimme im Ohr darauf aufmerksam, dass der Maler Michael Zeno Diemer (1867-1939) einige Aspekte erfand und malte, um bestimmte Botschaften zu vermitteln. So konnte ich das Bild betrachten und gleichzeitig meinen Blick lenken lassen, um Gesehenem durch die auditiv vermittelten Informationen Sinn zu geben.

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Ausschnitt des Riesenrundgemäldes

Im Nachhinein bereute ich allerdings, dass ich im Raum angekommen sofort zum Audio Guide griff und den gehörten Anweisungen Folge leistete. So nahm ich mir die Möglichkeit das Bild auch unvoreingenommen zu betrachten und auf mich wirken zu lassen.

Die unsichtbaren sichtbaren ProtagonistInnen der Tiroler Freiheitskämpfe

Jener Bereich im EG fiel mir zunächst negativ auf. Im ersten Moment sah ich nur Text. Bevor ich zu lesen anfing, ging ich also ein Stück weiter, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Texte in angemessener Zeit lesen könnte und dass diesen schließlich Objekte folgten. Als ich die Säulen mit den 13 Figuren der Protagonisten von 1809 sah (ich habe diesen Bereich weiter oben bereits frei erfunden  „Säulenhalle“ genannt), war ich zumindest beruhigt genug, um mich zum Anfang zurück zu begeben und zu lesen.

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Ausschnitt der „Säulenhalle“ im Tirol Panorama

Danach versuchte ich kurz den Erläuterungen des Audio Guides zu folgen und rannte den Blick gehoben kreuz und quer an den Säulen vorbei. Natürlich waren 13 Männer ausgestellt. Da ich außer dem Freiheitskämpfer Andreas Hofer niemanden erkannte, suchte ich nach Beschriftungen und richtete den Blick schließlich auf den Boden. Vor jeder Säule war eine Tafel mit Namen und Jahreszahlen angebracht.

Erst jetzt fiel mir auf, dass auf einigen der Säulen keine Figuren thronten, diese aber dennoch beschriftet waren. Dort standen die durch unsere Geschichtsschreibung unsichtbar gemachten FreiheitskämpferInnen als Personengruppen, anonym, aber sichtbar gemacht. Die Säulen waren u.a. Frauen, dem Landvolk oder Beamten gewidmet. Ich hatte zu rasch geurteilt und konnte mich glücklicherweise doch noch positiv überraschen lassen.

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Eine der zahlreichen Beschriftungen, die ich zu Beginn übersehen hatte.

FAZIT

Zwei Stunden sind eindeutig zu kurz, um sich tatsächlich mit ausgestellten Inhalten beschäftigen zu können. Ob sich ein zweiter Besuch lohnt, ist fraglich. Trotzdem ein kleines Museum, das man gesehen haben kann (wenn man sowieso schon am Bergisel ist), aber nicht gesehen haben muss.

 

Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.

 

„Work it, feel it!“ in der Kunsthalle Wien

ALLGEMEIN

Die Kunsthalle Wien eröffnete 1992 in einem gelben Containerbau am Karlsplatz. 2001 wurde dieser zu einem Glaspavillon umgebaut und verkleinert. Außerdem bezog sie im gleichen Jahr ihr Haupthaus im Museumsquartier.

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Eingang Kunsthalle Wien

Seit ihrer Eröffnung widmet sich die Kunsthalle Wien nationaler und internationaler Gegenwartskunst und berücksichtigt dabei aktuell relevante Diskurse und alltägliche Themen. Sich als offenes Forum und Verhandlungsstätte begreifend, verfügt sie über keine eigene Sammlung, sondern fokussiert neben Ausstellungen auf ergänzende Vermittlungsprogramme, die TeilnehmerInnen verschiedenste Zugangsmöglichkeiten eröffnen, künstlerische Praxis mit theoretischer Reflexion verbinden und zeitgenössische Diskurse aufgreifen sollen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Vorausgeschickt sei, dass dies wohl mein bisher persönlichster Eintrag wird, was zwei Gründe hat: 1) Üblicherweise meide ich Kunstausstellungen, da ich, sobald ich solche Ausstellungen oder Kunstmuseen betrete, verloren bin. Zwar gibt es immer einige Werke, zu denen ich mich hingezogen fühle, die mit mir „sprechen“ und mich durchaus leiten könnten, doch verstehe ich – spätestens wenn ich Bereichs- oder Objekttexte lese -nichts mehr. Möglicherweise liegt das an mir. Vielleicht liegt das aber auch an Kunstausstellungen, die – wie natürlich andere Ausstellungen und Museen auch – bestimmte Sehgewohnheiten bedienen und Texte ans übliche Publikum anpassen. Das ist verständlich, in mancher Hinsicht legitim und ganz sicher sehr exklusiv.

2) Da mich dieses Vorurteil durch jede Kunstausstellung und durch jedes -museum begleitet und sowohl meinen Blick, als auch meine Gedanken beeinflusst, wollte ich von Beginn an nicht über Work it, feel it! schreiben: Museen und Ausstellungen zu beurteilen, ohne ihnen eine wirkliche Chance gegeben zu haben, ist ganz einfach unfair.

Trotzdem dieser Eintrag. Warum? Ich war mit KollegInnen in der Ausstellung und konnte erstmals vor Ort über die einzelnen Werke, aber auch über das Gesamtbild diskutieren. Wieder daheim wollte kein Eindruck, keine Idee bezüglich der Ausstellung meinem Kopf entweichen – also fing ich an zu schreiben.

WORK IT, FEEL IT!

Die Sonderausstellung Work it, feel it! wird im Rahmen der Vienna Biennale 2017 gezeigt und ist noch bis zum 10. September 2017 zu besichtigen. Sie thematisiert die Zukunft der Arbeit, wobei vor allem menschliche Körper als „Produktionswerkzeuge“ und „Konsumträger“ den Mittelpunkt künstlerischer Positionierungen bilden. Ausgangspunkt sind – stark vereinfacht – folgende Annahmen: 1) Wir leben in einer Kontrollgesellschaft, die unsere Körper nutzbar machen und uns so zu „perfekteren“, konsumierenden Subjekten erziehen will; 2) Neu entstehende Techniken unterstützen diese Prozesse. Im Übrigen werden letztere im Kontext der Ausstellung „Disziplinierung- und Kontrollmechanismen“ genannt.

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Arbeit des Kollektiv Apparatus 22 (vorne), Danilo Correale und Shawn Maximo

Die Anordnung der Objekte im Raum ist gut gewählt: Sie sind aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, da sie umrundet werden können und im Gehen durch den Raum meist im Sichtfeld bleiben. Auch die Arbeiten selbst sind interessant, beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Thematik und nehmen verschiedene Standpunkte ein.

Was zunächst guten Eindruck macht, wird in Kombination mit jenen Texten, die die künstlerischen Arbeiten begleiten, schwieriger. Im Hinblick auf Inhalte wird zunächst die Beschäftigung mit der Zukunft der Arbeit bzw. der Arbeit der Zukunft sowie an späterer Stelle die Auseinandersetzung mit prekären Arbeitssituationen postuliert. Definiert wird nicht, in welchem Kontext, an welchem Ort, in welchen Zusammenhängen oder für welche Personengruppen Arbeitsverhältnisse prekär sind, oder auf wessen Zukunft sich all diese Überlegungen beziehen. Sicherlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen betroffen. Trotzdem lesen sich die Texte, als hätten sie allgemeine Gültigkeit. Hilfreich wären konkrete Beispiele, die sämtliche Gedankengänge tatsächlich mit Orten, Menschen und ihrer Arbeit verbinden.

Auch sprachlich sind die Texte mühsam. Obwohl wichtige Begriffe in einem Glossar des Begleithefts – in diesem finden sich auch die Texte zu den Objekten – erklärt werden, dient der Stil kaum dem Verständnis der einzelnen Werke oder der Ausstellung insgesamt und ist daher nicht zweckmäßig. Die Sätze sind lang, komplex, voller Theorien. Sie verführen dazu, ungenau überflogen oder ganz ausgelassen zu werden, was schade ist, da die einzelnen Arbeiten durchaus aussagekräftig sind (ich habe die Texte daheim erneut durchgelesen und mir die Ausstellung im Anschluss ein zweites Mal angesehen).

FAZIT

Ich mochte einige wenige der künstlerischen Positionierungen wirklich gerne. Sie laden ein zu diskutieren. Was ich der Ausstellung – trotz meiner Kritikpunkte im Hinblick auf den Mangel an konkreten Beispielen oder bezüglich langwierige Texte – lassen muss, ist folgendes: Work it, feel it! ist die erste Kunstausstellung, deren Inhalte mich verfolgt haben, über die ich schreiben musste und die ich außerdem wiederholt besuchte. Insofern lohnt sich wahrscheinlich auch ein Ausstellungsbesuch…