Höbarth- und Madermuseum, Horn

ALLGEMEINES

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Eingang des Höbarth- und Madermuseums

Das Höbarth- und Madermuseum sind zwei voneinander unabhängig entstandene Museen, die gegenwärtig im gleichen Gebäudekomplex untergebracht sind und als Museen der Stadt Horn zusammengelegt wurden: Während das Höbarthmuseum bereits 1930 vom Postbediensteten Josef Höbarth gegründet wurde, folgte die Eröffnung des Madermuseums erst im Jahr 1983. Sein Begründer war der Landwirt Ernst Mader. Die urgeschichtliche wurde so durch eine landwirtschaftliche Sammlung ergänzt. Mittlerweile sind auf drei Ebenen außerdem volkskundliche und stadtgeschichtliche Objekte ausgestellt. Erweitert wurde der Bestand auch durch eine Antikensammlung und Dokumentationsmaterial über Räuber Johann Georg Grasel.

ERFAHRUNGSBERICHT

DIE LANDWIRTSCHAFTLICHE SAMMLUNG

Das Museum ist im Grunde sehr klein: Ist das Ticket gekauft, hält man sich einfach kurz rechts und steht mitten in der landwirtschaftlichen Sammlung, die den größten Teil der gesamten Ausstellung einnimmt. Sie erstreckt sich über einen Gang, drei kleine Räume und das Untergeschoss. Zwar stehen dort wirklich tolle Objekte, die meisten davon nicht einmal in Vitrinen, doch erhalten BesucherInnen kaum Informationen dazu. Selten finden sich Objekttexte. Bereichstexte, die einzelne Räume oder wenigstens Objektgruppen erklären könnten, gibt es leider auch nicht.

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UG: Landwirtschaftlicher Fahrzeuge

Dabei sind die Objekte durchaus systematisch angeordnet: Im Untergeschoss stehen beispielsweise Fahrzeuge für die Feldbearbeitung, während in einem anderen Raum vor allem Geräte für Haushalt und damit verbundene Tätigkeiten (z.B. Utensilien zum Kochen oder Backen), untergebracht sind. Texte, welcher Art auch immer, wären hier eindeutig angebracht.

STADTGESCHICHTE ODER MENSCHEN.BAUTEN.HORN

Vom Gang mit den landwirtschaftlichen Objekten rechts abgebogen, betreten BesucherInnen jenen Räumlichkeiten, in denen Stadtgeschichte ausgestellt ist. Auch hier gibt es ein Textproblem, da Bereiche nicht eindeutig gekennzeichnet oder beschrieben sind. So geht die Stadtgeschichte nahtlos in die Sonderausstellung Menschen.Bauten.Horn über. Letztere thematisiert den Wandel der Stadt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Verloren sind die Jahre vor und nach den Kriegen sowie die Jahre während der Weltkriege selbst. Darf das sein? Gerade diese zeitgeschichtlichen Ereignisse sind gegenwartsrelevant und sollten ihren Weg in die historische Aufarbeitung einer Stadt finden.

Ganz kurz, der Rest

In der früheren Kapelle des Gebäudes – die Museen sind im alten Bürgerspital untergebracht – finden sich Texte und Objekte, die Horn als Zentrum der Reformation im 16. Jahrhundert präsentieren und außerdem Konflikte und Vorbereitungen zur Einrichtung einer protestantischen Landeskirche thematisieren.

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1. Stock: Sammelsurium an Schränken, Truhen, toten Tieren…

Im ersten Stock ist die urgeschichtliche Schausammlung. Auch finden sich hier historische und moderne Spitzen als Produkt der Textilkunst und ein skurriler Raum, mit u.a. Schränken und Kisten auf denen ausgestopftes Getier, säuberlich arrangiert, auf Publikum wartet. Außerdem hängt ein Stuhl von der Decke.

FAZIT

Das Museum ist auch innerhalb kurzer Zeit (d.h. bis zu maximal zwei Stunden) leicht zu besichtigten. BesucherInnen sollten danach einen adäquaten Eindruck der Schausammlungen bekommen haben. Wen das Leben nach Horn verschlagen hat, kann durchaus einen längeren Aufenthalt im Museum in Erwägung ziehen – vorausgesetzt die inhaltlichen Schwerpunkte des Höbarth- und Madermuseums interessieren tatsächlich.

– Text von K. –

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Das Edo-Tokyo-Museum, Tokyo

ALLGEMEINES

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Edo-Tokyo-Museum: Frontansicht

Das Edo-Tokyo-Museum liegt im Stadtteil Ryogoku, Sumida und eröffnete im März 1993. Das historische Museum fokussiert in seiner Dauerausstellung auf die Stadtentwicklung Tokyos der letzten 400 Jahre. Gezeigt werden sowohl Originale, als auch Replika und Modelle. Außerdem gibt es mehrmals im Jahr Sonderausstellungen und andere Veranstaltungen, wie beispielsweise themenrelevante Workshops.

Das Museum gilt seit seiner Eröffnung als Touristenattraktion und versucht zudem Ort des Austauschs, der Ruhe und regionaler Förderung zu sein. Weitere Informationen zum Museum, seinen Richtlinien, zu Dauer- und Sonderausstellungen, zu Öffnungszeiten oder Eintrittspreisen können einer fünfsprachigen Website – darunter auch Englisch – entnommen werden.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum – ich reiste via U-Bahn mit der Oedo Line an und stieg in der Station Ryogoku aus – war leicht zu finden (Tipp: Gehört man zu jenen TouristInnen, die gerne möglichst viele Aktivitäten in einen Tag packen, empfiehlt sich bei einem Kurzbesuch des Museums auch die Erkundung dieses Stadtteils. Hier befinden sich nämlich u.a. der größte Austragungsort des Sumo-Ringens, Kokugikan, ein Sumo-Museum ein öffentliches Bad und die Villa des Fürsten Kira. Letzterer könnte aus der Geschichte der 47 Ronin bekannt sein). Bereits am Ausgang der Station waren Tafeln, auf denen das Museum angeschrieben war, aufgestellt. Um auch nicht in die falsche Richtung gehen zu können (man könnte ja meinen, die Tafeln seien nur aufgestellt, um die Aufmerksamkeit potenzieller BesucherInnen zu ergattern oder sie aber von der Richtigkeit der Wahl des U-Bahnausganges zu überzeugen) waren zusätzlich große Pfeile angebracht. Ich folgte also Pfeilen und Beschilderung. Als ich das Ziel erreicht hatte, hielt ich inne: Das Gebäude war beeindruckend. Es war nicht nur groß, sondern unterschied sich auch architektonisch von den Bauwerken der Umgebung. Zudem stand es freier als diese und konnte so auf Passanten wirken. Es schien über allem zu schweben. Dieses Museum wäre auch ohne Wegweiser kaum zu übersehen gewesen.

Bevor ich die tatsächlichen Ausstellungsräume überhaupt betreten konnte, war eine Treppe zu überwinden, die auf einen ebenfalls sehr großen und weiten Platz führte. Dort waren im Außenbereich auch gleich Tickets für Dauer- und Sonderausstellung zu kaufen. Ich wollte die Dauerausstellung sehen. Vom Ticketschalter aus ging es dann via Rolltreppe im Außenbereich des Gebäudes durch eine Röhre ins eigentliche Museum.

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Platz vor dem Museum. Die Rolltreppe in Rot.

Die Wände waren mit lebensgroßen Abbildungen von JapanerInnen in der Kleidung unterschiedlicher Epochen geschmückt. Dann, endlich im Museum angekommen, wurden Tickets kontrolliert, konnten aber nicht erworben werden. Auch stellte ich erst hier fest, dass Garderoben und Spind in einem anderen Bereich des Museums waren, den ich auf dem Weg gar nicht passiert hatte.

Da ich erst gegen 13:00 im Museum angekommen war, wollte ich keine Zeit mit der Suche nach Abgabemöglichkeiten für Jacke und Rucksack verschwenden und entschied mich daher alles bei mir zu tragen. Weil meine Kamera im Gepäck war, sollte sich das später als vorteilhaft herausstellen. Im Museum gab es viele beeindruckende und zum Teil lebensgroße Modelle, die ich gerne fotografierte. Fotografiert werden, durfte im Übrigen alles – ohne Blitz. Ausnahmen wurden extra gekennzeichnet.

Was sofort positiv auffiel, waren Orientierungshilfen und die Mehrsprachigkeit des Museums. Gleich zu Beginn waren Folder in mehreren Sprachen erhältlich. Diese enthielten wesentliche Informationen einerseits. Andererseits waren die Räumlichkeiten abgedruckt und inhaltlich gekennzeichnet. Ein solcher Lageplan fand sich auch unmittelbar vor dem Gang, der zu den ersten Exponaten führte. Ebenfalls überraschend war die Möglichkeit gratis Führungen  in verschiedensten Sprachen (was engagierte ehrenamtliche MitarbeiterInnen erst ermöglichten): Japanisch, Englisch, Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Deutsch und Spanisch (Tipp: diese Führungen werden nur von 10:00 bis 15:00 angeboten. Es empfiehlt sich außerdem im Voraus eine Führung zu vereinbaren, da nicht ständig Führungen in all diesen Sprachen angeboten werden können).

Die Exponate befanden sich in einer riesigen Halle auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene, die schnell durchgangen war, wurde die Geschichte des Edo-jo, der größten Burg Japans und Sitz des Tokugawa-Shoguns, sowie die damalige Bezirksentwicklung dargestellt.

Die zweite Ebene war in eine „Edo Zone“ sowie in eine „Tokyo Zone“ unterteilt. Letztere begann mit der Meiji-Ära, deren Anfang mit 1868 definiert wird, und endete in der Gegenwart. Die Edo-Periode, die Anfang des 17. Jahrhunderts beginnt, widmete sich dem alltäglichen Leben der BewohnerInnen Edos jener Zeit, Kommerz, ästhetischen Prinzipien, Informationskanälen und vielem mehr. Getrennt wurden die beiden Bereiche durch eine Fläche mit Sitzmöglichkeiten und den Museumsshop.

Auch hier wurde ich – wieder einmal – mit meinem üblichen Problem in Ausstellungen und Museen, die mich thematisch interessieren, konfrontiert: Zeitmangel! Ich wollte nicht lange bleiben bzw. wenigstens die gesamte Dauerausstellung in nur 4,5 Stunden sehen, da das Museum dann schließen würde. Nach drei Stunden hatte ich die Bereiche zu Edo gesehen. Dabei hatte ich durchaus versucht, mich zu beeilen! Die restliche Zeit verbrachte ich im Museumsshop und mit wenigen Kapiteln der Tokyo Zone.

BESONDERHEITEN

Mehrsprachigkeit – Das Non Plus Ultra für TouristInnen

Wie bereits weiter oben erwähnt, wurde Multilingualität in diesem Museum groß geschrieben. Einerseits wurden gratis Führungen in verschiedensten Sprachen – nämlich  auf Japanisch, Englisch, Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Deutsch und Spanisch – angeboten. Andererseits waren die meisten Texte vor Ort nicht nur auf Japanisch, sondern auch auf Englisch verfasst. Für ein Museum, das als Touristenattraktion gilt und deswegen auch mit BesucherInnen, die kein Japanisch sprechen, zu rechnen hat, ist das unverzichtbar (wobei ich der Meinung bin, dass es sich in Bildungsinstitutionen, die auch dem Austausch dienen, prinzipiell lohnt mehrsprachig zu denken, zu sprechen und zu handeln, um möglichst viele Personen auch tatsächlich erreichen zu können – egal, ob das nun UrlauberInnen sind oder nicht).

Spannend war allerdings, dass einige der Texte mittels im Raum angebrachter Computer und Touchscreen auch in anderen Sprachen zu lesen waren.

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Computer mit Touchscreen neben regulären Beschriftungen

Diese Computer gab es fast überall. Jene Informationen, die unmittelbar auf Tafeln verschiedene Bereiche und Exponate auf Japanisch und Englisch erklärten, konnten so auch in neun weiteren Sprachen gelesen werden.

Zwar war ich von diesem Angebot positiv überrascht und auch beeindruckt, doch ertappte ich mich öfters dabei, von Text zu Text zu wandern – es gab unglaublich viel zu lesen – statt die dort ausgestellten Objekte zu betrachten. Erst als ich kaum mehr in der Lage war, Informationen in Textform aufzunehmen, begann ich, mich auf die Objekte einzulassen und überhaupt zu sehen, was sich im Raum befand. Diesbezüglich gab es allerdings Ausnahmen: Lebensgroße Modelle waren, ebenso wie Miniaturmodelle, die direkt auf dem Weg zum nächsten Text aufgestellt sind, schwer zu übersehen.

Seither frage ich mich, wie viel Text ein Museum benötigt: Macht es immer Sinn BesucherInnen textliche Informationen zu geben? Natürlich entspricht das unseren Sehgewohnheiten und unseren Erwartungshaltungen. Wir gehen in ein Museum. Wir sehen Objekte. Wir erhalten in schriftlicher Form weitere Informationen zu diesen Objekten und zu den Bereichen und Räumen, denen sie zugeordnet werden. So kontextualisieren wir, was wir gezeigt bekommen. Was wäre aber, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden würden? Könnte es Ausstellungen geben, die vom Mangel oder gar von der Abwesenheit diverser Texte profitieren könnten? Und sollten wir uns für Texte entscheiden, in welchem Ausmaß fordern wir welche Informationen? Um zu lesen, muss schließlich niemand eine Ausstellung besuchen. Die Auseinandersetzung mit Texten in Museen ist wahrscheinlich widersprüchlich. Klare Antworten gibt es kaum und sie sind wohl auch immer abhängig vom Kontext: Ort, Inhalt, Zeit, Menschen, individuelle Vorlieben.

Modelle, Modelle, Modelle – Was noch?

Zwar wird auf der Website des Museums kurz erwähnt, dass sowohl Originale, als auch Nachahmungen ausgestellt werden und die Sammlung außerdem über 590.000 Objekte fasst, doch kann ich mich leider kaum an die Objekte erinnern. Ein Grund hierfür ist natürlich diese unglaubliche Menge an Texten (ich gebe zu, ich hätte nicht versuchen müssen ALLES zu lesen). Der andere Grund sind die dort ausgestellten Modelle.

Ja, Modelle sind auch Objekte, die ausgestellt werden können. In einem historischen Museum hätte ich nur nicht damit gerechnet, hauptsächlich auf kleinste, sehr detailreiche Nachbauten verschiedener Gebäude zu stoßen. Andere Modelle, wie beispielsweise der Nachbau eines Kabuki-Theaters basierend auf historischen Quellen, sind lebensgroß und könnten begangen werden.

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Nachbau des Kabuki-Theaters

BesucherInnen erhalten außerdem die Möglichkeit auszuprobieren wie schwer beispielsweise die Last eines Fischverkäufers durchschnittlich war. Hier dürfen also einige Dinge angefasst und gehoben werden. Was mit Originalen auch aus im Hinblick auf Bewahrung der Gegenstände und Restauration nicht möglich ist, wird mit Hilfe von Modellen in diesem Punkt also ermöglicht. Auch ist die Liebe zum Detail jedes einzelnen Modells faszinierend und bereitet Freude.

Auch konnte ich wieder Fragen aus dem Museum mitnehmen, weil meine üblichen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Wie ist das nun mit den Texten in Museen? Und welche Objekte hätte ich denn in einem historischen Museum erwartet? Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Aber ich plane, mir in naher Zukunft weitere (stadt-)historische Museen anzusehen, um vergleichen zu können und möglicherweise sogar Antworten auf meine Fragen zu finden. Ich werde berichten…

FAZIT

Auch dieses Museum ist einen Besuch wert – vorausgesetzt man bringt entweder Interesse an der Entwicklung Tokyos, oder aber Liebe zu Modellbauten mit. Auch im letzteren Fall könnten BesucherInnen auf Ihre Kosten kommen. Wie intensiv man sich mit den Inhalten der Dauerausstellung auseinandersetzen will, ist jedem selbst überlassen. Wer durcheilt und nur hier und da stehen bleibt, wird wahrscheinlich bis zu zwei Stunden (Museumsshop inklusive) für einen Besuch benötigen. Wer Museen so besucht wie ich, sollte besser einen Tag für die Besichtigung der Dauerausstellung einplanen.

– Text von K. –