Swiss Science Center TECHNORAMA, Winterthur

ALLGEMEIN

Die Anfänge des Swiss Science Center TECHNORAMA sind bis zur Entstehung eines Vereins im Jahr 1947 zurückzuverfolgen. Dieser sollte zur Gründung eines technischen Museums beitragen. In den 1980ern wurde dann eine Ausstellung präsentiert, die musealen Konventionen technischer Museen entsprach. 1990 verabschiedete der damalige Direktor, Remo Besio, aber ein neues Leitbild, das sich stark an Science Centern in England und den USA orientierte. Bis 2000 wurde das Museum schließlich zum Science Center umgebaut.

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Heute verfügt das TECHNORAMA über eine Ausstellungsfläche von 7000m2 und über 500 Experimentierstationen. Letztere sollen BesucherInnen unabhängig von Alter und Ausbildung im selbstbestimmten Experiment Naturphänomene näher bringen und Neugierde, Begeisterung und Verständnis für diese wecken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Bedeutung der Institution als Zielort für außerschulischen Unterricht sowie auf Fortbildungsprogrammen für LehrerInnen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das TECHNORAMA ist sowohl mit der Buslinie 5, dem Privatauto, aber auch zu Fuß gut zu erreichen und auf Grund zahlreicher Beschriftungen leicht zu finden. Für Schulklassen öffnet das Science Center bereits um 9:00, andere BesucherInnen können ab 10:00 Tickets lösen. Ich war an einem Freitag kurz vor 10:00 Uhr vor Ort, wo sich bereits mehrere SchülerInnen mit dem Wasserspiel vor dem Gebäude beschäftigten. Andere Kinder und Jugendliche wiederum scharten sich um ihre LehrerInnen. Ich war etwas überfordert und wusste nicht genau, wo ich warten sollte, ohne überrannt zu werden. Zudem musste ich auch rasch feststellen, dass ICOM-Karten nicht akzeptiert wurden und ich Eintritt zahlen würde müssen. Tatsächlich ist das aber verständlich, da dass TECHNORAMA  ein Science Center, aber kein Museum im herkömmlichen Sinn ist.

Auf vier Ebenen verteilt befinden sich verschiedenste Experimentierstationen und Exponate. So sind im Untergeschoss Spielzeugeisenbahnen ausgestellt, während sich im Erdgeschoss das Lehrercafé, Labore – das Science Center bietet zu verschiedensten Phänomen aus Biologie, Chemie und Physik Workshops an – und erste Stationen zu den Themen Mechanik, Strom und Magnetismus befinden.

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Raumübersicht EG: Bereich Mechanik

Ein Stockwerk darüber ist der Bereich für Sonderausstellungen. Außerdem werden Themen wie Mathematik, Wasser, Natur und Chaos behandelt. In der zweiten und obersten Etage thematisieren weitere Experimentierstationen Licht und Sicht. Auch sind hier verschiedene Holzmaschinen ausgestellt.

Die Räumlichkeiten gleichen riesigen, großteils abgedunkelten Lagerhallen, die im Untergeschoss mit Objekten, den Spielzeugeisenbahnen, und in allen anderen Stockwerken mit Experimentierstationen ausgestattet sind.

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Raumübersicht im UG: Stiftung Spielzeugeisenbahnen Dr. Bommer

Letztere werden stets von einer Anleitung begleitet, die kurz und bündig beschreibt, was zu tun ist. BesucherInnen können daraufhin die Station bedienen und beobachten, was passiert. Zusätzlich besteht die Option, eine beiliegende Erklärung zum Experiment zu lesen. Diese Texte werden stets auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch angeboten, was sowohl im Kontext der Schweiz, als auch international gedacht, ein vernünftiges Angebot ist.

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Weitere Texte, die beispielsweise die Bedeutung von Physik im Alltag erklären oder Bereiche vorstellen, habe ich allerdings nicht entdeckt.

VOM MUSEUM ZUM SCIENCE CENTER?

Ich lebe mit Museen. In der Auseinandersetzung mit dem TECHNORAMA, das in den 1980ern noch als technisches Museum konzipiert war, sich aber ab 1990 innerhalb eines Jahrzehnts zum Science Center entwickelte, musste ich mir zwangsläufig  die Frage nach der aktuellen Bedeutung technischer Museen, Science Centern und deren Identität stellen. Abseits von der Vermittlung von Schulstoff bietet das TECHNORAMA kaum Inhalte für interessierte Erwachsene an. Es gab nichts zu sehen oder lesen, das über den üblichen Schulstoff hinausging, nichts, dass die Bedeutung der Naturwissenschaften für die Menschheit anschnitt.

Im Vergleich kamen mir verschiedene naturwissenschaftlich orientierte Museen sowie Ausstellungen in den Sinn. Ich überdachte die Entwicklung weg vom Museum, hin zu Science Centern, Event- und Bespaßungskultur, die ich bisher beobachtet hatte. Unweigerlich erinnerte ich mich aber auch an die  Dauerausstellung Mathematics: The Winton Gallery im Science Museum London.

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Raumansicht Mathematics: The Winton Gallery

Ein Kurator, der daran gearbeitet hatte, erklärte KollegInnen und mir im letzten Jahr, diese Ausstellung verfolge das Ziel zu inspirieren sowie zu zeigen, für welche Errungenschaften der Menschheit Mathematik unentbehrlich war und ist. Zu sehen waren Exponate, die verschiedenste Bereiche vom Handel, über die Schönheit, bis hin zur Medizin abdeckten. Und plötzlich war Mathematik kein langweiliges Schulfach mehr, weil der Blick auf die Wissenschaft sich verändert hatte: Keine Formeln, keine isolierten Fakten, die ohne Fachkenntnis ohnehin nicht zu verstehen waren, sondern die Auswirkung mathematischer Errungenschaften für unsere heutige Welt.

Experimentierstationen, die ausschließlich der Reproduktion von Schulwissen dienen, langweilen mich dagegen. Das heißt aber nicht, dass solche Stationen in Museen keine gute Ergänzung zu Inhalten, Objektgeschichten und Fakten darstellen können. Im Gegenteil! Die Begeisterung für Science Center kann ich dennoch nicht nachvollziehen, weil Museen und Ausstellungen abseits davon vieles leisten und auch vermitteln könnten – vorausgesetzt die Bespaßungskultur würde etwas weniger im Vordergrund stehen.

FAZIT

Ich liebe technische Museen, in Science Centers verliere ich mich allerdings – ich weiß nie wirklich, was ich dort eigentlich soll. Natürlich könnte ich an den Stationen experimentieren, die Anleitungen lesen und mir durch weitere Texte erklären lassen, was ich gerade getan und beobachtet habe. Lesen und mich so thematisch vertiefen kann ich allerdings auch zu Hause auf dem Sofa. Das ist bequemer, obwohl zwangsläufig die Experimente ausbleiben.

Wer aber Science Center mag, sich gerne in dieser Form mit Naturphänomen beschäftigt oder mit Kindern gelernten Schulstoff interaktiv vertiefen will, ist im Swiss Science Center TECHNORAMA gut aufgehoben.

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Haus der Natur Salzburg

ALLGEMEIN

Das Haus der Natur Salzburg – Museum für Natur und Technik wurde im Jahr 1924 gegründet. Zunächst war es in den Hofstallungen, übersiedelte aber 1959 an seinen heutigen Standort am Museumsplatz. 2008 schloss das Museum für fast ein Jahr, um das Gebäude aktuellen Sicherheitsvorschriften anzupassen, es barrierefrei zu gestalten sowie das ehemalige Museum Carolino Augusteum zu sanieren und mit dem Haus der Natur Salzburg zu verbinden. Im Zuge dessen wurde auch das Science Center eingerichtet. Das Museum eröffnete, so wie es auch heute zu besichtigen ist, im Sommer 2009 wieder.

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Gegenwärtig ist das Haus der Natur mit einer Ausstellungsfläche von 7000m2 das größte Museum Salzburgs. Es ist ein naturhistorisches Museum, das über Aquarien sowie Terrarien und ein Science Center verfügt und versteht sich insofern als 3-Spartenhaus mit regionaler und internationaler Ausrichtung. Als Natur-Kompetenzzentrum widmet es sich außerdem der Dokumentation und Erforschung der Natur von Salzburg (Stadt und Land) und dem Nationalpark Hohe Tauern. Basis für die wissenschaftliche Arbeit sind die eigenen Sammlungen und Datenbanken. Neben der Dauerausstellung, die auf fünf Ebenen gezeigt wird, sind derzeit die Sonderausstellungen Dahoam im Wandel: 200 Jahre Lebensraum Salzburg und Himmelsbilder. Astrofotografie am Haus der Natur zu sehen.

ERFAHRUNGSBERICHT

Ein Wochenende in Salzburg verbrachte ich mit zwei Museumsbesuchen in Salzburg. Bereits am Samstag war ich für zwei Stunden mit Begleitung dort. Wir hatten uns nicht informiert, was es zu sehen geben könnte, steuerten in Richtung Sonderausstellung Dahoam im Wandel und landeten schließlich für zwei Stunden im Science Center. Das Science Center befindet sich in jenem Gebäudetrakt, der früher einmal das Carolino Augusteum gewesen war. Auf drei Stockwerken laden verschiedenste Stationen zum Mitmachen ein und geben so Einblick in u.a. Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness, Schall, Energie und Heben.

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Überblicksfoto Science Center „Mechanik, Aerodynamik, Mathematik, Körper & Fitness“

Zwar hatten wir dort viel Spaß und blieben an jeder Station hängen, doch schien dieser Besuch meine bisherigen Vermutungen zu bestätigen: Das Museum sei, so dachte ich, ein Museum, das im Zusammenhang mit Inhalten, Sprache und Gestaltung vor allem die Zielgruppen „Familie“ sowie „Schulklassen“ und damit Kinder bediene.

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Bereich „Körper & Fitness“: Beim Wett-Rudern

Auf dem Weg hinaus machten wir jedoch einen Abstecher durch die Aquarien im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, wo mir klar wurde, dass wir vom Museum kaum etwas gesehen hatten und ich keinen Blogeintrag schreiben könnte ohne ein weiteres Mal – möglichst alleine, in meinem Tempo und ohne Zeitdruck – wieder zu kommen und die restlichen Bereiche zu besichtigen. Ich beschloss also, das gleich am nächsten Tag vor der Heimreise zu tun.

Am zweiten Tag verbrachte ich drei Stunden im Museum, marschierte durch die sogenannte Saurierhalle und das Aquarium im Erdgeschoss, besah den Bereich Erdwissenschaften sowie die zweite Sonderausstellung im 1. Stock, durchlief auf der Ebene darüber den Reptilienzoo, die Christian Doppler Schau, die Abschnitte Tierwelt Europas, Weltraum, Lebensader Salzach und einen schmalen Gang Richtung Toiletten, der genutzt wurde, um medizinische Technologien zu präsentieren. Danach war mein Hirn Matsch. Ich entschied mich also gegen die letzten beiden Stockwerke und für einen Besuch im Café und im Museumsshop.

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Das Stadtcafé im Haus der Natur Salzburg 

FAZIT

Als ich nach dem zweiten Aufenthalt die ersten Zeilen ins Tagebuch schrieb und mir Gedanken zu Museum und Ausstellung machte, wurde mir klar, dass ich zum ersten Mal seit langer Zeit ein Museum als Touristin besucht und mich einfach amüsiert hatte. Hätte ich Kinder und würde in Salzburg oder Umgebung leben – ich wäre wohl ständig dort. Auch ohne Kinder werde ich das Haus der Natur Salzburg allerdings wieder besichtigen.

National Technical Museum Prague

ALLGEMEIN

Das National Technical Museum (NTM) in Prag wird 1908 gegründet, wobei seine Anfänge durch die Sammeltätigkeit eines Maschinenbaukonzerns bis ins 18. Jahrhundert reichen. Das erste thematisch ähnlich orientierte Museum, dessen Sammlungsbestände z.T. später Eingang in die heutigen Sammlungen des Museums finden, wird mit dem Czech Industrial Museum 1874 begründet. IMG_20180224_101125

In die heutigen Ausstellungsräumlichkeiten übersiedelt das Museum 1990. In den Jahren 2003 bis 2013 wird das Gebäude renoviert. Die ersten fünf Bereiche der Dauerausstellung – nämlich jene Bereiche zu Verkehrsmitteln, Architektur, Astronomie, Druck und Fotografie – sind der Öffentlichkeit aber bereits 2011 zugänglich. Später folgen  Astronomie, Bergbau, Metallurgie, Verfahren der Zeitmessung, Haustechnologien und der Merkur Playroom. Weitere Informationen zu diesen Bereichen sowie ein längerer Bericht zur Geschichte des Hauses finden sich außerdem auf der Website des NTM.

ERFAHRUNGSBERICHT

Das Museum ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und leicht zu finden: An der naheliegenden Haltestelle verschiedenster Straßenbahnen sind zudem Schilder angebracht, die sowohl zum NTM als auch zu seinem unmittelbaren Nachbarn, dem National Museum of Agriculture, verweisen. Das Museum ist groß genug, um dort einen gesamten Tag zu verbringen. Ich war allerdings nur wenige Stunden, nämlich von 10:00 bis 13:00 dort. Von diesen drei Stunden verbrachte ich eine im Bereich für Verkehrsmittel – was laut eigener Website die beliebteste Dauerausstellung im Museum ist – und ungefähr 1,5 Stunden im Bereich für Haushaltstechnologien, dem eigentlichen Grund für meinen Besuch. Den Rest der Zeit verbrachte ich sowohl mit der Anfertigung von Notizen, als auch im Museumsshop.

Die Halle, in der Verkehrsmittel von den ersten Automobilen mit Dampf- und Verbrennungsmotoren, über Motorräder seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Flugzeuge und Bahntechnik bis hin zu einigen Exponaten und Geschichten im Zusammenhang mit Boot-Transporten ausgestellt sind, war leicht zu finden. Sogar der Herr am Ticketschalter verwies mich wild gestikulierend – sein Englisch konnte ich leider nicht verstehen – dort hin. Außerdem drückte er mir einen Lageplan des Museums in die Hand, von dem ich später feststellen musste, dass ich auf Grund der Sprache keine der Beschriftungen lesen konnte. Jede Etage, jeder einzelne Bereich war zwar adäquat, doch leider nur auf Tschechisch gekennzeichnet.

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Der I. Stock

Da jene Angestellten, die ich nach den Household Appliances fragte und die mich entweder nicht verstanden, oder nicht antworten konnten, verließ ich mich schließlich auf meine nicht vorhandenen Tschechisch-Kenntnisse und schlussfolgerte, dass der Bereich Technika V Domácnosti wohl in irgendeiner Form mit Haushalt zu tun haben müsste, was schließlich auch stimmte. Abgesehen davon sind aber sämtliche Raum-, Bereichs- und Objekttexte auf Tschechisch und auf Englisch angebracht.

BESONDERHEITEN

Verkehrsmittel im NTM

Die Ausstellungsordnung der Objekte in der Halle mit den Verkehrsmitteln folgt üblichen und nachvollziehbaren Prinzipien. Im EG befinden sich große, schwere, sperrige Exponate, wie Zugabteile, Automobile und ein Boot. Im ersten Stockwerk werden Motorräder, gefolgt von mit Flugtransport in Verbindung stehenden Objekten in der zweiten sowie Fahrrädern und den Wassertransport thematisierende Dinge in der dritten Etage gezeigt. Von der Decke baumeln einige Flugzeuge sowie ein Heißluftballon. IMG_20180224_111310Zweitens hatte diese Ordnung ihren Preis. Überall im Raum waren Schilder angebracht, die dem Publikum vorschrieben, in welche Richtung zu gehen war. Sogar Einbahnstraßen waren entsprechend gekennzeichnet.NTM VerkehrsschilderAb dem ersten Stockwerk konnte ich das nachvollziehen, da ich in jeder Etage an der Wand entlang die Halle umrundete. Links von mir befanden sich Objekte und Texte. Rechts von mir hatte ich stets freien Blick auf die Halle unter mir. Die Gänge waren teilweise sehr schmal. Hier Richtungen vorzugeben, trägt an stark besuchten Tagen wahrscheinlich wirklich zur Sicherheit der Besucherinnen und Besucher bei. Im EG hatte ich dafür jedoch kein Verständnis: Ich suche mir meine Wege gerne selber – auch im Museum.

Haushaltstechnologien

Einen Großteil meines Aufenthalts verbrachte ich in jenem Bereich, der den Haushaltstechnologien gewidmet war. Als ich den kleinen Raum betrat, war ich zunächst überfordert. Der Raum war bunt, er war düster, wobei die einzelnen Objektvitrinen aber gut ausgeleuchtet waren. Ein Gang, dessen Seiten Säulen flankierten, führte ans hintere Ende des Raumes. An den Säulen waren Jahreszahlen und Texte angebracht.

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Perspektive vom Eingang in den Ausstellungsraum

Die Zweisprachigkeit – Tschechisch und Englisch – fiel mir hier zunächst nicht auf. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den Farben Sinn zu geben. Ich vermutete ein simples Ordnungsschema dahinter und wurde fündig, als ich den Raumtext las. Jede Farbe markierte bestimmte Zeitabschnitte, die im Kontext technischer Entwicklungen bedeutend gewesen waren. Schließlich entdeckte ich auch die an die Wand gemalte Jahreszahlen, die die einzelnen Abschnitte gemeinsam mit dem Farbsystem gliederten.

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Perspektive vom hinteren Drittel des Raumes in den vorderen Bereich

Ähnliche Systeme kenne ich aus anderen Museen, in denen die Arbeit mit Farben, um Zusammengehörigkeit zu markieren, auf Grund der Größe von einzelnen Bereichen und den Räumen nicht mehr strukturiert und ordnet, sondern verwirrt. In diesem Fall ist das Ordnungssystem zwar grenzwertig, da es im ersten Moment verwirrt, funktioniert in Folge aber doch.

FAZIT: TECHNISCHE MUSEEN. SO WHAT?

Bereits nach der ersten Verschriftlichung meiner Gedanken gleich nach dem Museumsbesuch hatte ich das Gefühl, dass, abgesehen von den oben erwähnten Dingen, nichts wirklich Eindruck hinterlassen hatte. Dabei liebe ich  technische Museen. Ich liebe die vielen alltäglichen, manchmal befremdlichen Objekte, die sich hier zeigen und Geschichten erzählen dürfen. Dennoch bleibt selten mehr als die unmittelbare Lust am Betrachten. Ich möchte mich in einem Museum aber mit den Ausstellungsinhalten auseinandersetzen und ich möchte das Gebäude mit einem Kopf voller Ideen und Fragestellungen verlassen. Ich möchte mich nicht nur an einem oder mehreren Objekten erfreuen ohne diese in irgendeiner Form kontextualisieren zu können oder Inhalte reproduziert wissen, die ich ebensogut in einem Buch lesen könnte. Oft ist das aber so, was schade ist. Technische Museen müssen doch bitte mehr leisten können. Technologien durchdringen unsere Leben heut in vielfältiger Weise. Sie sind nicht wegzudenken aus dem Alltag, aus medizinischen Bereichen, aus der Industrie oder der Wirtschaft. Es gab unendliche viele Entdeckungen und Erfindungen, die das Potenzial hatten und haben ganze Gesellschaften im Hinblick auf ihre Möglichkeiten zu verändern. Wo wären wir ohne Elektrizität, ohne die Industrialisierung?  Wohin führt der Weg im Zusammenhang mit Überwachungstechnologien? – man denke nur an aktuelle Entwicklungen in China. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind relevant – auch in Museen. Die Frage ist nur, wie all diese Themen durch das Medium Ausstellung vermittelt werden können ohne ausschließlich die Schaulust zu bedienen und es dabei zu belassen.

„Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ im MAK, Wien

ALLGEMEIN

Das Museum für angewandte Kunst, Wien (MAK) – mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie beispielsweise der U3 (Stubentor), der U4 (Landstraße), der Straßenbahnlinie 2 und zwei Buslinien (3A, 74A) leicht zu erreichen – präsentiert auf 2700 m2 Dauer- und Sonderausstellungen, die sich der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Design, Architektur und Gegenwartskunst widmen. Gesellschaftspolitische Fragen sollen innerhalb der Ausstellungen mit Ansätzen aus eben diesen Bereichen ergänzt werden, um neue Perspektiven zu entwickeln, Grenzbereiche auszuloten und so Nutzen für den Alltag zu schaffen.

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Haupteingang Museum für angewandte Kunst, Wien

Die Sonderausstellung Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine wird im Rahmen der Vienna Biennale 2017 Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft gezeigt, die sich mit der ökologisch und sozial nachhaltigen Gestaltung unserer künftigen, digitalen Welt beschäftigt. Sie fokussiert laut Ausstellungstext auf die ambivalente Beziehung des Menschen zu neuen Technologien, auf ethische und politische Fragen, die sich durch technologische Fortschritte aufdrängen und im speziellen auf Chancen und Herausforderungen im Zusammenhang mit Robotik.

ERFAHRUNGSBERICHT

Die Ausstellung Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine im Erdgeschoss des MAK ist nicht leicht zu finden. Der schnellste Weg führt über den Haupteingang durch das Foyer, wobei sich BesucherInnen in der Säulenhalle links halten sollten. Kurz vor dem Durchgang zur eigentlichen Ausstellungshalle werden Suchende fündig: Ein kleines Poster lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums in jenen Gang, der dann auch tatsächlich in den ersten Abschnitt der Ausstellung führt.

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Der erste Wegweiser in die Ausstellung

Im Rundgang führen Texte, Objekte und Pfeile durch vier Bereiche: 1) Science Fiction thematisiert Roboter als fremde Spezies, Freund oder Feind, stellt Fragen nach ersten Begegnungen, nach Vertrauen oder nach der tatsächlichen Notwendigkeit von Robotern.

2) Programmiert auf Arbeit verbindet die angeblich weit verbreitete Angst vor dem durch moderne Technologien und Robotern verursachten Jobverlust mit Chancen, die sich durch diesen Verlust, oder zumindest durch eine Reduktion der Arbeitszeit ergeben könnten: Freizeit oder – noch besser (?) – der Wandel vom Konsumenten zum Produzenten und die Rückkehr zur Selbstversorgung.

3) In Freund und Helfer werden u.a. Roboter ausgestellt, denen wir im Alltag begegnen können und die sich – so will es der Ausstellungstext – um den Menschen kümmern, ihn pflegen, für dessen Wohlbefinden sorgen wollen, sexuell stimulieren, auf Kinder achten oder Familie, Bekannte und Freunde am Sterbebett ersetzen.

4) Eins werden untersucht Möglichkeiten der Optimierung des menschlichen Organismus durch Technologien und möchte wissen, ob der Mensch mittlerweile über die nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie technischen Mittel verfügt, um Mensch und Maschine tatsächlich verschmelzen zu lassen.

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Kapitel 4: Raumansicht Eins werden

Die einzelnen Ausstellungskapitel sind räumlich getrennt, klar strukturiert. Die Ausstellungsästhetik ist nüchtern, vorherrschende Farben sind Schwarz und Weiß. Fragen, die für die einzelnen Bereiche wichtig sind, wurden außerdem hängend über den entsprechenden Objektgruppen angebracht und lenken so nicht nur Blick, sondern auch Gedanken.

BESONDERHEITEN

Roboter… Was bitte genau?

Im ersten Raum durfte ich zunächst Objekte bewundern, die mir aus der Popkultur, Science Fiction und insbesondere aus Filmen vertraut waren und sind: Ich sah dort Maschinen, die Menschen ähneln sollten, Szenen aus I-Robot (Roboter übernehmen gegen den Willen der Menschheit die Führung, um sie zu retten, machen ihre Rechnung aber leider ohne Det. Del Spooner bzw. Will Smith), Star Wars (R2D2 war natürlich auch vertreten), der Serie Knight Rider (David Hasselhoff rettete von 1982 bis 1986 als Michael Knight mit seinem denkenden, sich selbst wahrnehmenden Auto KITT zwar nicht die Welt, scheint aber nach wie vor bekannt zu sein) und musste schließlich staunen: Was tat dort der Staubsaugerroboter Roomba 650 zwischen all den Fantastereien und dem scheinbaren Wunsch – oder der Angst – Maschinen zu vermenschlichen oder gar intelligente, fühlende, dem Menschen ebenbürtige und gleichgestellte Technologien zu erschaffen?

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Kapitel 1: Science Fiction, Roomba 650

Auch in den folgenden Räumen, musste ich feststellen, dass meine Definition des Begriffs „Roboter“ sehr viel enger gefasst war, als jener, der in der Ausstellung zur Anwendung kam, was verschiedene Fragen aufwarf: Was waren und sind Roboter nun eigentlich? Und waren alle dort ausgestellten Objekte Roboter? Oder hatten sie in welcher Form auch immer „nur“ mit Robotertechnik zu tun?

Die Ausstellung selbst hatte zwar keine Antwort parat, doch war im Museumsshop ein Buch zu finden – Roboter von John Jordan (2016) – das die Frage teilweise beantworten konnte und wahrscheinlich die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung wesentlich beeinflusst hat:

Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs.  Es scheint viel einfacher, zu beschreiben, was Roboter tun, oder festzulegen, was sie nicht sind, als zu bestimmen, was sie sind. Da Technologien und Robotik außerdem schnell weiter entwickelt werden, erfreuen sich flexible und offene Begriffsbestimmungen,  die möglichst viel Objekte umfassen, größerer Beliebtheit, was im Zuge wissenschaftlicher Diskussionen durchaus sinnvoll sein kann. In einer Ausstellung ist das dagegen schwieriger: Was verbindet all die Objekte? All die Themen? Welchen Positionen kann ich zustimmen, wo mich verweigern, wenn es nichts gibt, das verbindet, das vernetzt, das eine Meinung hat?

Fühlende Maschinen – Rhetorik rund um Roboter

Roboter sind also alles – oder eben nichts wirklich. Trotzdem gibt es ein bindendes Element: Sprache! Quer durch die Ausstellung werden Technologien vermenschlicht. Sie sind intelligent, sie fühlen, sie kümmern sich um die Menschen, sie sind Freunde oder Feinde, sie beschützen und zerstören, sie helfen und kontrollieren.

In den Bereichstexten werden Utopien, aber vor allem Dystopien entworfen: So sind wir beispielsweise von Robotern und robotischen Systemen umgeben, die jede physische oder digitale Form annehmen können. Offensichtlich erwarten wir daher alle – bewusst oder unbewusst – schon bald mit Robotern zu leben oder uns, die Menschheit, verteidigen zu müssen, um nicht durch Maschinen ersetzt zu werden. Wenigstens sind diese intelligenten Objekte auch hilfsbereit und zuvorkommend, tendieren dabei aber leider auch dazu, uns zu überwachen.

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Kapitel 1: Raumansicht Science Fiction

BesucherInnen der Ausstellung werden mit all diesen (Horror-) Szenarien jedoch nicht allein gelassen und bekommen Handlungsanweisungen mit auf den Weg, um nicht nur für die gegenwärtige Welt, sondern auch für die Zukunft gewappnet zu sein: Wir müssen uns also der digitalen Revolution bewusst werden und uns aktiv in deren Entwicklung und Gestaltung einbringen!

Interessant sind diese Formulierungen aus folgendem Grund: In der Ausstellung wird zwar durchaus versucht zwischen Robotern aus der Popkultur und Robotern, wie sie mit unserem gegenwärtigen Wissensstand tatsächlich gebaut, programmiert, entwickelt werden können, zu unterscheiden, doch wird dieses Anliegen kontinuierlich durch die Texte unterlaufen. Wir können keine fühlenden Maschinen bauen. Trotzdem sind sie hilfsbereit und wollen sich kümmern, sich sorgen oder sexuell stimulieren.

FAZIT

Obwohl ich mit Herangehensweisen, Formulierungen und Themen nicht zwangsläufig einverstanden bin, lohnt sich ein Besuch: Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine ist ästhetisch ansprechend, zeigt spannende Objekte, ist sogar für mich in nur 2,5 Stunden zu bewältigen und regt trotzdem irgendwie zum Nachdenken an.

 

 

Museumsmarathon London

ERFAHRUNGSBERICHT

Ende Mai verschlug mich das Leben für drei Tage nach London, wo ich zwar kaum etwas von der Stadt selbst sah, dafür aber umso mehr Museen unsicher machen konnte. Mein Abenteuer begann im Imperial War Museum London und führte mich am ersten Tag über das Royal Observatory Greenwich bis zum National Maritime Museum.

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Blick auf London – Royal Observatory Greenwich

Den zweiten Tag verbrachte ich im Science Museum (wo ich mich mit Mathematik und Robotern beschäftigte), im Victoria and Albert Museum (das ich mit Ausnahme der audio-visuellen Ausstellung Pink Floyd: Their Mortal Remains nicht wirklich besichtigte) und im Design Museum (an das ich mich leider nicht mehr erinnern kann, weil ich nicht mehr aufnahmefähig war).

In der Wellcome Collection besichtigte ich am dritten und letzten Tag die Sonderausstellung Electricity: The Spark of Life sowie die Dauerausstellung Medicine Man. Daraufhin verlor ich mich im Lärm des London Transport Museum, wo mich eine Insel der Ruhe, die vorübergehende Ausstellung Sounds of the City, rettete. Meine letzten Stunden in London verbrachte ich mit Bond in Motion. Original James Bond Vehicles im London Film Museum.

In jedem dieser Museen bzw. Ausstellungen verbrachte ich ein bis zwei Stunden. Wer bereits andere Reviews von mir gelesen hat, weiß, dass ich Museen üblicherweise mit dem Ziel ein bis zwei Stunden zu bleiben, betrete und bleibe, bis ich gehen muss, weil das Museum schließt. Das ist auch die Zeit, die ich brauche, um mich tatsächlich positionieren und berichten zu können. Es ist mir also unmöglich eine fundierte Meinung zu all diesen Museen, Ausstellungen, Inhalten, Displays, Erzählweisen oder Objekten zu haben.

Was ich mitnehmen konnte, sind dafür unglaublich viele Eindrücke und Ideen, von denen ich im Zusammenhang mit dem Imperial War Museum London und dem Science Museum exemplarisch einige wenige möglichst kurz festhalten will:

IMPERIAL WAR MUSEUM (IWM) LONDON

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Imperial War Museum (IWM) London

Das IWM London öffnete im Juni 1920 mit dem Auftrag Objekte und Materialien, die mit dem ersten Weltkrieg in Verbindung zu bringen sind, zu sammeln, zu bewahren und auszustellen, im Crystal Palace. Im Juli 1936 wurde der Standort des Museums an seinen heutigen Sitz in der Lambeth Road, einem früheren Teil des Bethlehem Royal Hospital, verlegt.

Von 1940 bis 1946 schloss das IWM London vorübergehend und verlagerte empfindliche Bestandteile der Sammlung in Depots außerhalb der Stadt. Nach dem zweiten Weltkrieg erweiterte es seinen Sammlungsauftrag auch auf diesen Krieg. 1953 wurden diesen Sammlungsschwerpunkten außerdem Militäroperationen, in die Großbritannien oder der Commonwealth seit 1914 involviert waren, hinzugefügt.

Auf den Ebenen 0 bis 5 sind verschiedenste Dauer- und Sonderausstellungen zu sehen. Zu letzteren zählen Syria: A Conflict Explored, People Power: Fighting for Peace, Edmund Clark: War of Terror und Afghanistan: Reflections on Helmand. Die Dauerausstellungen umfassen The Holocaust Exhibition, A Family in Wartime, Secret War, Witnesses to War, die Lord Ashcroft Gallery, Curiosities of War, Peace and Security: 1945-2014 und last but not least Turning Points: 1934-1945.

VON KRIEGEN UND HELDEN

Ausschlaggebend für die folgenden Ausführungen war nicht nur, aber vor allem die Lord Ashcroft Gallery. Zu sehen sind dort Heldenporträts. Ihre besonderen Leistungen werden beschrieben, Medaillen, Filme und Fotos ausgestellt – mit dem Ziel die Konzepte Mut und Tapferkeit zu befragen, zu verstehen und BesucherInnen zu mutigen Taten zu motivieren.

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Raumansicht Lord Ashcroft Gallery

Kurz vor diesem Besuch erzählte mir außerdem jemand vom Anspruch des Museums Porträts von Kriegshelden möglichst differenziert auszustellen: Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Was passierte während und nach den Kriegen oder militärischen Operationen? Dieses Versprechen wurde definitiv nicht eingelöst. Der Fokus lag ganz eindeutig auf einzelnen Heldentaten. Dieser Widerspruch sowie eine weitere Diskussion führten sowohl zu einer Erkenntnis, als auch zu vielen offenen Fragen im Hinblick darauf, wie Krieg auszustellen sei.

Meine Beobachtung ist wahrscheinlich trivial: Krieg und kriegsrelevante Inhalte auszustellen gehört mitunter zu den schwierigsten kuratorischen Tätigkeiten. Natürlich sollen interessante Objekte zu sehen sein. Natürlich werden Fakten präsentiert. Aber wie werden diese Objekte ausgewählt? Wer sucht sie aus? Auf welche Fakten wird fokussiert? Wie werden diese präsentiert? Die Darstellung von den meisten Thematiken ist abhängig von ErzählerInnen. Und v.a. im Zusammenhang mit Krieg fällt dies auf. Die Geschichten der Verlierernationen sind andere, als jene der Sieger. Die Geschichten von SoldatInnen sind andere als jene von Zivilpersonen. Ich habe selten Ausstellungen gesehen, in denen mehr als nur eine dieser Perspektiven tatsächlich auch gezeigt wurde. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass diese ganz bewusst einander gegenüber gestellt worden wären, um ein differenziertes Bild zu schaffen, um BesucherInnen die Möglichkeit zu geben, zu hinterfragen, zu glauben, zu wissen, zu diskutieren und sich eine ausdifferenzierte Meinung zu bilden – abseits von der Idealisierung einzelner Kriegshelden oder der Abscheu vor Gewalt.

SCIENCE MUSEUM

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Das  Science Museum

Die Anfänge des Science Museum reichen zurück bis zur Gründung des South Kensington Museum (SKM) im Jahr 1857. 1862 wurden wissenschaftliche und technische Sammlungsbereiche erstmals vom Gesamtbestand getrennt und in ein eigenes Gebäude in der Exhibition Road, dem heutigen Standort, gebracht. 1909 trennten sich diese auch administrativ vom SKM. Im Zuge dessen kam es zu Umbenennungen, wobei das „SKM“ zum „Victoria and Albert Museum“ wurde und sich für das neue Haus der Name „Science Museum“ etablierte. Seit 1984 lautet der offizielle Name des Science Museum „National Museum of Science and Technology“.

Das Science Museum ist heute Mitglied einer Gruppe technisch und wissenschaftlich orientierter Museen. Zu diesen gehören das National Railway Museum, das Museum of Science and Industry und das National Science and Media Museum.

Aktuell werden einige Sonderausstellungen, darunter Engineer Your Future (eine interaktive Ausstellung für Teenager, um über Berufe im Maschinenbau nachzudenken), Robots (Geschichte der Entwicklung des Roboters) und Journeys through Medicine (Medizingeschichte mit Bezug auf Henry Wellcome) sowie verschiedene Dauerausstellungen gezeigt. Letztere reichen von u.a. der Beschäftigung mit der Beschaffenheit unterschiedlicher Materialien (Challenge of Materials) über Weltraumfahrt (Exploring Space) und der ersten Frau im Weltall (Valentina Tereshkova) bis hin zur erst kürzlich eröffneten Ausstellung Mathematics: The Winton Gallery, die auch Gegenstand der weiteren Ausführungen sein wird.

VERNETZTES DENKEN

Die Dauerausstellung Mathematics: The Winton Gallery lädt BesucherInnen ein, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Sie sucht nach Möglichkeiten, Menschen zu inspirieren: durch Objekte und ihre Geschichten, durch Menschen, die damit in Verbindung stehen. Sie versucht zu zeigen, wofür Mathematik benötigt wird, wie das Fach Gesellschaften, Kulturen und die Menschheit verändern konnte und kann. Mathematik wird in Verbindung gebracht mit medizinischen Erkenntnissen, Leben und Tod, Geld, Glücksspiel, Handel, Reisen, Politik und vielem mehr. Sowohl Lebens-, als auch Sammelbereiche werden durch ein übergeordnetes Thema miteinander verbunden.

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Raumansicht Mathematics: The Winton Gallery

Das ist eine Ausstellung, die sich von vielen anderen Ausstellungen in wissenschaftlichen und technischen Museen unterscheidet, weil sie BesucherInnen im Leben abholt, ihnen Gedanken und Ideen mit auf den Weg gibt. In vielen Ausstellungen sind die dort vorgestellten Inhalte auch von zu Hause aus gut (und vor allem bequem) zu erarbeiten. Diese aber zeigt Verbindungen auf, die abseits vom Museum nicht leicht angeeignet werden können. Sie entlässt mit dem Wunsch mehr zu erfahren und nachzulesen, was vor Ort keinen Platz hatte.

All das führt schließlich zu der Frage, was Museen in einer vernetzten Welt, in der Informationen relativ schnell abgerufen werden können und (Wissens-) Austausch verhältnismäßig leicht und schnell ermöglicht wird, leisten müssen oder sollen. Wissen nicht nur zu reproduzieren, sondern in welcher Art auch immer zu verbinden und weiterzuführen, ist möglicherweise ein erster Lösungsansatz.

FAZIT

Ich habe wieder einmal erlebt, dass ich, um mich zu einem Museum oder einer Ausstellung positionieren zu können, mindestens einen halben Tag vor Ort verbringen, darüber nachdenken und im besten Fall auch darüber sprechen muss. Insofern träume ich von einer Rückkehr nach London, um zumindest das Science Museum, das IWM London und die Wellcome Collection noch einmal besichtigen zu können.

Das IWM London und die Wellcome Collection dürften für mich noch eingiges an Ideen und Überraschungen bereit halten. Die Mathematik-Galerie im Science Museum dagegen sei all jenen empfohlen, die mit dieser Disziplin bisher nichts anfangen konnten. Sie könnte tatsächlich Perspektiven auf das Fach ändern. Wer sich unmittelbar mit Mathematik verbundene Objekte, Informationen und Fakten erhofft, wird hier aber nicht auf seine Kosten kommen.

 

 

Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft, Tokyo

ALLGEMEINES

Das Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft in Tokyo umfasst zwei Gebäudekomplexe auf mehreren Ebenen. Im ersten Gebäude werden auf drei Ebenen hauptsächlich mit Japan verbundene Inhalte thematisiert und entsprechende Ausstellungsstücke präsentiert. Die übergeordneten Themen sind hier die Naturgeschichte Japans, die gegenwärtige Natur Japans, Organismen Japans und damit verbundene Forschungsmethoden. Außerdem befinden sich hier eine Halle für Sonderausstellungen sowie das Theater 360.

Frontansicht des Museums

Gebäude #2 beherbergt auf über fünf Stockwerke verteilt Objekte, die global zu kontextualisieren sind. BesucherInnen können sich hier von der Geschichte des Universums über Evolution und Biodiversität bis hin zu Forschungstechnologien, Fortschritten in Wissenschaft und Technologien sowie einem großen Forschungsbereich für Familien mit Kindern (Kinder dürfen hier tatsächlich spielen und sogar klettern) verschiedensten Themen widmen. Auf dem Dach ist außerdem ein Kräutergarten. Natürlich gibt es ein Restaurant, einen Museumsshop und als besonderen Bonus einen mobilen Raketenwerfer im Außenbereich. Detaillierte Informationen sind bei Bedarf einer ausfürlichen, übersichtlichen und zweisprachigen (Japanisch und Englisch) Website zu entnehmen.

Das Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft liegt im Ueno-Park. Seine unmittelbaren Nachbarn sind das Ueno Royal Museum, das Nationalmuseum für westliche Kunst, das Kunstmuseum der Stadt Tokyo, das Museum der Kunsthochschule Tokyo und das Nationalmuseum Tokyo.

ERFAHRUNGSBERICHT

Es regnete stark an dem Tag, an dem ich das Museum besichtigte. Ursprünglich hatte ich daher geplant, auch andere Museen zu besichtigen. „Wenigstens das Nationalmuseum und eine der Sonderausstellungen in den Kunstmuseen“, so dachte ich, „kann ich leicht an einem Tag besichtigen.“ In Vorfreude auf die vielen Ausstellungen, dich ich also bald besichtigen würde, betrat ich gegen 11:30 das Museum. Ich fand mich gut zurecht, legte Rucksack und Schirm im Spind ab und marschierte geradlinig in die oberste Etage des kleineren Gebäudekomplexes, um dort zu bemerken, dass Räume und Objekte ausschließlich auf japanisch beschriftet waren. Ich hatte, geblendet von Idealvorstellungen (Inklusion möglichst vieler Personen, was untere anderem bedeutet, mindestens zweisprachig zu agieren) und einem meiner Lieblingsmuseen in Wien, mit zweisprachigen Texten gerechnet (später sollte ich zwischen all den japanischen Schriftzeichen auch einige Texttafeln auf Englisch finden).

Ich ging also wieder ins Erdgeschoss, um mir ein Guidebook oder vergleichbares zu besorgen. Eilig hatte ich es nicht: Immerhin war ich nach wie vor davon überzeugt, das Museum in drei Stunden besichtigen zu können. Die Dauerausstellung, in der ich mich befand war durchaus zu bewältigen.

Unten angekommen besorgte ich mir gegen Entgelt (Yen 310,00) sowie der Vorlage eines Lichtbildausweises (Tipp: Den Pass in Tokyo mitzunehmen, hat auch andere Vorteile. Ohne Pass, der durchaus auch eingescannt wird, gibt es beispielsweise keine steuerfreien Einkäufe oder andere Ermäßigungen) ein Tablet, wobei ich auch einen Audioguide hätte wählen können. Beides war in vier Sprachen verfügbar: Japanisch, Koreanisch, Chinesisch und Englisch. Meine Wahl fiel übrigens deswegen auf das Tablet, da ich damit verschiedenste Texte lesen konnte und Routen durch das Museum vorgeschlagen wurden. Ich wählte jene Route, die mich möglichst ausführlich durch den zweiten Gebäudekomplex, der globalen Gallerie, führen würde. Dazu musste ich das Gebäude wechseln: auch ohne Schirm kein Problem, weil der Weg überdacht war.

Ich begann meine Besichtigung des Museums mit Hilfe des Tablets im Erdgeschoss der globalen Gallerie mit dem Urknall und der Enstehung des Universums, über die Entwicklung verschiedener Organismen und das Auftreten der ersten Menschen bis in die Gegenwart. Ich fand mich wieder im obersten Stockwerk, wo ich Objekte im Zusammenhang mit Fortschritt in Japans Wissenschaft und Technologien von der Edo-Periode bis heute bewunderte und zufällig einen Blick auf die Uhr warf: 16:00! Noch eine Stunde bis das Museum schließen sollte. Ich hatte aber erst einen Bruchteil des Museums gesehen. In diesem Komplex war ich fünf von neun Bereichen abgegangen, den sechsten besuchte ich innerhalb der letzten Stunde. Im ersten Gebäude, das hauptsächlich auf den japanischen Kontext fokussiert, hatte ich nichts gesehen. Die Zeit war wie im Flug vergangen.

BESONDERHEITEN

Gelenkter Blick – Vorgeschlagene Routen durch das Museum

Im oberen Abschnitt habe ich schon kurz erwähnt, dass, benutzen BesucherInnen das Tablet als Guide durch das Museum, bestimmte Routen vorgeschlagen werden. Das hat sowohl Vor-, als auch Nachteile. Nachteilig ist, dass das Publikum sich weniger frei durch das Museum bewegt und es für sich entdecken kann. Sein Blick wird, ebenso wie der Gang durch die Räume, stark gelenkt.

In diesem Museum habe ich die Richtungsweisungen trotz allem sehr genossen und fand sie hilfreich: Zum einen ist das Museum unglaublich groß. Wer erstens nicht viel Zeit hat oder investieren will und außerdem über keinerlei Japanisch-Kenntnisse verfügt, tut gut daran, sich führen zu lassen. Das gilt vor allem dann, wenn die Option wieder zu kommen, nicht besteht. Zweitens erfährt man implizit einiges über inhaltliche und wissenschaftliche Schwerpunktlegungen des Museums.

Der Bereich „Tiere der Welt“ – Ein Vergleich mit dem NHM Wien

Ich bin quasi im naturhistorischen Museum Wien (NHM Wien) aufgewachsen. Meine Mutter brachte meine Brüder und mich im Rahmen unserer sehr regelmäßigen Ausflüge in die Hauptstadt Österreichs entweder in den Zoo oder in eben dieses Museum. Im Zoo betrachteten wir lebendige Tiere. Im Museum sahen wir die gleichen Tiere (und viele mehr) erneut. Nur waren sie in diesem Fall tot, ausgestopft oder schwammen in Glasbehältern, eingelegt in irgendwelche Flüssigkeiten. Im ersten Stock reihten sie sich in Vitrinen, beschriftet mit einem kleinen Schild, auf dem die korrekte Bezeichnung des Tieres zu lesen war. Die Menge an toten Tieren war schlichtweg atemraubend (und so absurd das an dieser Stelle klingen mag: Ich besuche das NHM Wien gerne).

Im Erdgeschoss dagegen – ebenfalls in Glasvitrinen und ähnlich beschriftet (mittlerweile gibt es genauere Beschriftungen und Raumtexte) – türmten sich archäologische Fundstücke und Mineralien. Auch hier war die Menge nicht überschaubar. Häufig waren und sind von einer Objektgattung mehrere Objekte ausgestellt, die sich außerdem alle ähnlich sehen. Für ExpertInnen ist das mit Sicherheit durchaus zu begründen und wissenschaftlich relevant. Was aber sehen durchschnittliche MuseumsbesucherInnen? Noch so eine Speerspitze? Noch so einen Stein? Noch so ein totes Tier ohne nützliche Zusatzinformationen?

Im Vergleich dazu hat das Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft einen klaren Pluspunkt. Es stellt zu jedem Thema deutlich weniger Objekte aus und gibt ausreichend Zusatzinformationen. In diesem Museum konnte ich nachvollziehen, warum beispielsweise bestimmte Mineralien ausgestellt waren. Auch die Anordnung der Objekte wurde zum Teil erklärt, was aus exemplarischen Gründen auch schon zum Bereich „Tiere der Welt“ führt.

Dieser Raum zeigt ausgestopfte Säugetiere und Vögel. BesucherInnen werden via Tablet textlich dazu eingeladen, die Tiere einfach zu betrachten und zu bewundern.

Raumfoto des Bereichs „Tiere der Welt“

Wissenschaftlicher Mehrwert toter Tiere wird nicht postuliert. Allerdings gibt es einige Computer mit Touchscreen, die weitere Informationen zu den Tieren liefern. Wer beispielsweise mehr über Löwen wissen will, klickt auf diesem Computer auf die Abbildung des im Raum ausgestellten Löwen. Das eröffnet weitere Optionen. BesucherInnen können hier mehr über das Tier, dessen Habitat oder mit ihm verbundene Theorien erfahren.

Um aber auf Erklärungsmodelle im Hinblick auf die Anordnung von Objekten zurück zu kommen, ist hier jener Schaukasten von Bedeutung, der verschiedenste Vögel zeigt. Der Blick des Publikums wird auf die Schnäbel, deren Form Auskunft über Fressgewohnheiten der Tiere gibt, gelenkt. Diese waren auch ausschlaggebend für die Aufstellung. Von links nach rechts wurden fleisch-, fisch-, aas- und pflanzenfressende Vögel gezeigt. Das ist zumindest ein Anhaltspunkt, den das NHM Wien nicht liefert.

Natürlich ist die Anschaffung von Tablets und Computern mit Touchscreen im Museum auch eine Geldfrage. Die Auswahl von Objekten und die Entwicklung eines nachvollziehbaren, roten Fadens durch die Ausstellung sind es nicht. Das Nationalmuseum für Natur und Wissenschaft hat letzteres gemeistert. Kompliment!

Fehlt da nicht…? Texte im Bereich „Fortschritt in Wissenschaft und Technologie“

Raumfoto des Bereichs „Fortschritt in Wissenschaft und Technologie“

Diesem Abschnitt vorausgeschickt sei, dass ich kein Japanisch spreche und Englisch meine Zweitsprache ist. Das heißt, ich konnte einerseits nicht alle Texte lesen. Andererseits waren jene Texte, die mir zur Verfügung standen, nicht in meiner Muttersprache verfasst. Beides ist in Folge mitzudenken, meine Gedanken und Feststellungen sind in diesem Sinne zu hinterfragen.

Zunächst fiel mir im oben genannten Abschnitt die Schwerpunktlegung auf. Der Fokus lag eindeutig auf Japan im internationalen und globalen Vergleich. Beispielsweise wurden an einer Stelle medizinische Praktiken Japans während der Edo-Periode (zwischen 1603 und 1868) im Vergleich zu chinesischen und europäischen Praxen erörtert. Im Gegensatz zu europäischer Medizin orientierte sich jene Japans oder Chinas eher an Prävention. Entsprechend waren auch die medizinischen Erkenntnisse, wobei durch Kulturkontakt auch Wissenstransfer stattfand. Erwähnt wird hier noch, dass die erste Brustkrebsoperation weltweit in Japan durchgefuehrt wurde, wobei offen bleibt, ob diese überhaupt erfolgreich war.  Dem scheinbar neutralen Vergleich folgt so schließlich die Erzählung von Japans herausragender Leistung. Dieses Muster zieht sich hier durch viele Texte.

In einem anderen Text wird Japans Außenpolitik und Abschließung bis zur erzwungenen Öffnung 1853 thematisiert. Zwar wird angedeutet, dass Japan gezielt versuchte, internationale und globale Einflüsse aus dem Land zu halten, doch wird gleichzeitig die Beziehung mit Holland hervorgehoben. Der Handel mit Holländern war erlaubt. Sie hatten sogar einen Handelsstützpunkt. Auf diesem Weg kamen trotz allem europäische Waren und Kulturgut, Religion (Christentum) und westliches Wissen nach Japan. Letzteres ist zwar korrekt, verleitet möglicherweise aber zum Glauben, die Isolationspolitik sei im Großen und Ganzen friedlich abgelaufen. Das wiederum stimmt nicht. Beispielsweise wurden Ausländer, die sich ungewollt im Land aufhielten, verfolgt und getötet. Gleiches galt für japanische Christen, die sich weigerten, ihrem Glauben öffentlich abzuschwören.

Solche Inhalte sind zwar nicht direkt mit gewolltem Wissenstransfer, wissenschaftlichem und technischem Fortschritt zu verbinden, doch werden sie dann relevant, wenn textliche Formulierungen den Eindruck entstehen lassen können, dass alle damit verbundenen Prozesse und Ereignisse problemlos und gewaltfrei abgelaufen seien.

FAZIT

Ich liebe dieses Museum, könnte dort leicht eine Woche verbringen und würde trotzdem jeden Tag Neues entdecken (wobei hier angemerkt werden sollte, dass ich seit meiner Kindheit ein Faible für naturhistorische, naturwissenschaftliche und technische Museen habe). Was Größe und Zeit anbelangt, empfehle ich entweder mehr Zeit mitzubringen oder andere Wege durch das Museum zu wählen. BesucherInnen könnten sich den Weg durch das Museum selbst suchen oder aber jene Route wählen, die zum Beispiel nur die Highlights des Museums vorstellt.